Er fliege heute seinen eigenen Stern, soll Jürgen W. Möllemann genau vor 10 Jahren auf die Frage eines Fallschirmspringer-Kameraden geantwortet haben, der ihn n einlud, an seiner Sternformation teilzunehmen. Ungebremst schlug der Ex-Vizekanzler und NRW-Landesvorsitzender absichtlich auf der münsterländischen Muttererde auf und nahm eine veritable Anzahl von Geheimnissen mit in´s Grab. Mit der mangelnden Aufklärung begann mein Bruch mit der FDP. Der gelernte Hauptschullehrer war nach seinem ersten Sturz aus dem Kabinett Kohl zu unerklärlichem Reichtum gekommen. Als Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft verfügte er offensichtlich über großzügige Gönner. Als er tot war, beeilte sich die zuständige Staatsanwaltschaft mit der Beendigung des Ermittlungsverfahrens, bevor unappetittliche Details ans Tageslicht befördert wurden. 

Als Möllemann zu seinem letzten Sprung aufbrach, wußte er, dass die Kriminalpolizei vor Privathaus und Büro wartete. Und weil er von Parteifreund und Anwalt Kubicki wußte, dass das Durchsuchungsergebnis nicht nur seine politische Existenz vernichten würde, war er schneller.

Nach seinem Tod kam heraus, dass er liebsame Parteifreunde mit dem eigenen Millionen-Vermögen eifrig sponserte. Niemand stellte eine Frage, welche Leistung der “Riesenstaatsmann Mümmelmann” (Franz-Josef Strauß seligen Angedenkens, der allerdings auch seine dicken kleinen Fingerchen in allerlei schmutzigen Geschäftchen hatte) für sein Millionen-Vermögen erbracht haben sollte. Angeblich war von Millionen-Deals bei kaukasischen Öl-Geschäften des Ex-Wirtschaftsministers die Rede, der nach Helmut Hausmanns Rücktritt Anfang der Neunziger nur zur Verlegenheitslösung taugte und sich als Vizekanzler gegen Kinkel und Frau Adam-Schwätzer nur deshalb durchsetzte, weil er besser intrigieren konnte.

Das versammelte Establishment machte dem hemdsärmeligen Tausendsassa Anfang der Neunziger den Garaus, weil er als Vize-Kanzler auf dem Wirtschaftsministeriumsbriefbogen für einen Einkaufschip geworben hatte, den die Fabrik des Mannes seiner Schwägerin (oder so) produzierte.

Und danach begann sein märchenhafter Wiederaufstieg in der NRW-FDP, den er mit ein paar Milliönchen beförderte, für deren Herkunft sich niemand interessierte. Nur mit Ach und Krach konnte die FDP-Nomenklatur seine Kanzlerkandidatur und Übernahme des Parteivorsitzes verhindern, indem man uns Guido Westerwelle als ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammende Alternative präsentierte.

Möllemann erwies sich jedenfalls seinen monetären Förderern aus dem Orient als dankbar. Zunächst nahm er einen EX-Grünen in seine NRW-FDP-Fraktion auf, der sich durch besonders antisemitische Positionen selbst ebendort unmöglich gemacht hatte. Dann polemisierte Möllemann gegen den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Sharon und den Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden Friedman mit plumpen antisemitischen Ressentiments.

Nachdem er von der Parteispitze des Projekts 18 inklusive des Kanzlerkandidaten abgebürstet war, war er sich immer noch nicht zu schade, auf eigene Rechnung für eine schlappe Million !!! Euro eine kleine blaugelbe Haßschrift am Wahltag in die Briefkästen werfen zu lassen, die gegen Israel, die Juden und – man ahnt es schon – Friedman und Sharon polemisierte.

Für seinen Sprung war die Parteispitze der FDP so dankbar, dass niemand daran dachte, heraus zu finden, wie Möllemann zu seinem Geld gekommen war. Und auch die investigative Journaille, die sonst jedem FDP-Parteispendenskandal behende auf der Spur war, zeigte sich selten uninteressiert. Über die Toten nur Gutes. Oder – ein Schelm, der böses dabei denkt.