Das menschliche Antlitz des Sozialismus ist in der Bredouille. Während jedem ostdeutschen Lageristen im Staatsdienst wegen Aktivitäten als Stasi-IM die Entlassung droht, geriert sich Gregor Gysi seit Jahrzehnten wahlweise auf den vorderen Bänken des Bundestages oder auf den bequemen Sesseln des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wo er gerne den Rächer der Enterbten gibt. 

Dabei hatte die Politkarriere des früheren Vorsitzenden der Rechtsanwaltskammer der DDR schon immer ein deutliches Geschmäckle. Der letzte SED-Vorsitzende in der DDR musste vermutlich gar nicht als Inoffizieller Mitarbeiter verpflichtet werden, weil er seine Mandanten gerne freiwillig und in seiner Funktion als Organ der sozialistischen Rechtspflege verriet. Dazu brauchte er weder angeworben noch verpflichtet zu werden, schließlich war schon sein Vater als Staatssekretär für Kirchenfragen für eine möglichst weite Beschränkung der Religionsfreiheit zuständig.

Gysi nannte die SED einfach PDS und sorgte sich um deren Milliardenvermögen, das die eigentlich auch nach eigenen Maßstäben der werktätigen Klasse des Ostens und nicht etwa den Kapitalisten gestohlen hatte. Es wurde einfach an verdiente Genossen verliehen oder überschrieben, gerne auch an linientreue Altstalinisten im einst blockfreien Österreich. Weite Teile bleiben bis heute verschwunden und zu den ärmsten Parteien gehört die SED/PDS/Linkspartei immer noch  nicht.

Gegen die gerechte Rückführung des nachweisbaren Vermögens wehrte sich Gysi Anfang der Neunziger mit einem Hungerstreik, der nicht unbeeindruckt in der Öffentlichkeit geblieben war. Und als sich die Weltgemeinschaft schweren Herzens entschloss, das serbische Volk für den Völkermörder Milosevic in Geiselhaft nehmen zu müssen, war es Gysi, der nach Belgrad eilte, um sich dessen Friedfertigkeit zu versichern und im Anschluss im Bundestag mit zwei vergipsten Armen ein flammendes Plädoyer auf diesen großen Staatsmann zu halten.

Zwischendurch sass der kleine Mann mit der Nickelbrille immer schmitzig-schmierig im Fernsehstudio und trug mit seiner rhetorischen Begabung eifrig zur Unterhaltung des Publikums bei. Der eigentliche Skandal ist, dass wohl niemand jemals seine Teilnahme abgesagt hat, weil er mit Gysi diskutieren musste.

Wer immer auf die Idee kam, ihn mit der Staatssicherheit in Verbindung, fand sich dagegen schneller vor dem Kadi wieder, als er schauen konnte, obwohl der Bundestag 1999 der Neunziger festgestellt hatte, dass Gysi wohl als IM einzustufen war.

Ich habe nicht in der DDR gelebt. Da hat man leicht reden und weiß nicht, ob man sich anständig verhalten hätte. Gysi hat mit den Mächtigen paktiert. er war selber einer von ihnen und hat offensichtlich seine Mandanten verraten. Ob an die Stasi oder das Politbüro ist nebensächlich. Was aber auch ich beurteilen kann, ist seine mangelnde Reue und die fehlende Entschuldigung an diejenigen, denen er geschadet hat. Für die deutsche Gesellschaft ist es ein Skandal, dass jemand wie Gysi in den höchsten Kreisen verkehrt.

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