Der so genannte Koalitionsvertrag ist eine Vereinbarung zu Lasten Dritter: Der Bürger, der Familien und deren Nachkommen. Er funktioniert nach den schlichten Gesetzen der politischen Stimmenmaximierung. Die führt die repräsentative Demokratie systemimmanent in die Insolvenz. Wir brauchen bald keine Regeln für die Abwicklung von Banken sondern von Staaten, namentlich der Bundesrepublik Deutschland. 

Für die Armen gibt es einen Mindestlohn von 8,50 Euro.

Für die Mütter gibt es zusätzliche Rentenansprüche.

Für Arbeitnehmer mit langen Versicherungszeiten gibt es die Rente mit 63.

Für solche mit niedrigem Einkommen gibt es die Aufstockung ihrer Renten.

Für Mieter in Ballungsräumen gibt es die Mietpreisbremse.

Für die Krankenversicherten gibt es innert vier Wochen einen Termin beim Facharzt.

Für die Pflegebedürftigen gibt es verbesserte Leistungen.

Für die Gewerkschaften gibt es die Begrenzung von Werkverträgen und Zeitarbeit.

Für die Subventionierung von Ökostrom (2014: 24 Milliarden Euro) gibt es keine erkennbaren Einschnitte.

Für die wegen des Ökostroms unrentabel gewordenen Kohle- und Gaskraftwerke gibt es eine neue Subvention, damit sie nicht abgeschaltet werden.

Für die CSU gibt es die Pkw-Maut für Ausländer.

Für die Entwicklungshilfe gibt es die Ankündigung steigender Leistungen.

Für die Steuerzahler gibt es die Ankündigung des Verzichts auf Steuererhöhungen.

Für die Sozialversicherung gibt es neue versicherungsfremde Lasten in Höhe von mindestens 1,5 Beitragspunkten.

Für die Freunde staatlichen Sparens gibt es das Versprechen, dass ab 2015 keine neuen Schulden gemacht werden sollten.

Für die Optimisten gibt es die Annahme, dass eine Rezession bis 2017 nicht stattfindet.

Für die Vorsichtigen gibt es die Aussage von Angela Merkel, dass man natürlich nicht in die Zukunft schauen könne.

Für die Krisenländer im Euro-Raum gibt es die Hoffnung, dass Deutschland engagiert an der Beseitigung seiner Stärken arbeitet.

Für die Türkei gibt es die Ankündigung, dass die Beitrittsverhandlungen fortgesetzt werden.

Für Verliererthemen wie Geburtenarmut, Zuwanderung in die Sozialsysteme, Flüchtlingsströme oder Euro-Krise gibt es Beschwichtigungsformeln oder staatsmännisches Schweigen.

Für Menschen mit Angst vor Veränderungen gibt es jetzt die Gewissheit, dass sich nicht viel verändern wird.

Für Kabarettisten gibt es neue Betätigungsfelder.

Für Menschen mit gesundem Menschenverstand gibt es die Option, sich mit Grausen abzuwenden.

schreibt Thilo Sarrazin in Weltwoche und FNP. Dem ist in der Summe nichts hinzuzufügen.

Gabriel, Merkel und Co sind nicht besser oder schlechter als wir. Sie sind Opfer des politischen Systems. GmbH-Geschäftsführer stehen in Deutschland fast immer mit einem Fuß im Gefängnis. Vorstände von Aktiengesellschaften müssen einmal im Jahr entlastet werden. Das gilt übrigens selbst für Hausverwalter oder die Vorstände von Kleingartenvereinen. Aber nicht für Staatspräsidenten oder Bundeskanzler.  Die erhalten mit ihrer Wahl einen Vier- oder Fünf-Jahresvertrag. Das schlimmste was ihnen passieren kann ist die Abwahl. Haften müssen sie für ihr “Regierungshandeln” nicht. Wenn sie, wie bei der Eurorettung, der Energiewende oder der Sozialversicherung ungedeckte Schecks auf die Zukunft ausstellen, müssen sie für diesen Scheckbetrug nicht haften. Sondern die Bürger eines Landes und ihre Kinder und Kindeskinder. Da ist die Versuchung groß, mit dem Geld ungeborener Wähler die Stimmen der heutigen zu kaufen.