Weil Ulf Poschardt Sascha Lobo kritisiert hat, habe ich mir seine SPON-Klumne mal wieder angesehen. Das ist keine Wutrede sondern ein sozialistischer Reflex und ein intellektuelles Armutszeugnis. Lobos Geschäftsmodell als vermeintlicher Internet-Prophet hat sich überlebt, weil die Dinge die er stets vorhersagte, längst eingetreten sind und er viele Entwicklungen schlicht verschlafen hat.

Fangen wir mit dem Faktencheck an. Lobos Kernhypothese lautet: Weil wir einfachen Staatsbürger uns nicht für eine gesunde Internet-Politik eingesetzt hätten, wäre Deutschland ein “Digital Failed State”.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Überall da, wo der Staat sich raushält funktioniert der Wettbewerb und die digitale Revolution greift Platz. Und da steht Deutschland keiner anderen Nation nach.

Damit die einfachen Dinge aus dem Weg geräumt sind: Seit der Einführung von LTE gibt es kein Infrastrukturproblem mehr. Und es ist höchst fraglich, ob Staaten wie Schweden, die teure Glasfaser im ländlichen Raum verbuddelt haben und die Anschlußpreise subventionieren, damit obsiegen. Denn die Zukunft der Datenübertragung liegt in der Luft: Weil ein paar Sendemasten viel billiger aufzustellen sind als jede Menge Glasfaserkabel. Auch die Preise sind im Sinkflug. Bei Feinkost Albrecht kosten 5 GByte UMTS pro Monat 15 Euro. Und es gibt schon Firmen, die das unterbieten.

Und ob die EU-Kommission sich nur dann gegen Netzneutralität ausspricht, weil wir protestieren, sei dahin gestellt. Aber selbst dann droht das Abendland nicht unterzugehen.

Ansonsten malt der Internet-Irokese ein schräges Bild. Kein digitales Unternehmen im DAX? Was ist mit Infineon und vor allem dem Weltmarktführer SAP? Über Siemens kann man ja noch streiten, nachdem die sich der Telekom-Ausrüster-Sparte und des Handy-Geschäfts entledigt hätte.

Lobo übersieht vor allem eins: Das Netz ist kein Selbstzweck. Irgendjemand muss die vielen schönen Güter, die die Leute mit ihren Smartphones bestellen, auch produzieren und transportieren. Und da ist die deutsche Industrie ungeschlagen, seit in den frühen Achtziger Jahren das Schlagwort “just in time” die Runde machte. Seitdem ist die vernetzte Fabrik schon lange Realität. Computer Aided Design und Computer Aided manufacturing sind ein alter Hut. Das erste Check Control präsentierte BMW im Sechser. 1975. Das Forschungs- und Ingenieur-Zentrum der Bayern, in dem Entwicklungsprozesse vernetzt und so beschleunigt wurde, ging vor 1990 in Betrieb.

Seit den Achtzigern heißen Werkzeugmaschinen Bearbeitungszentren. Sie sind hochflexibel weil damals schon “nc-gesteuert”. Von einer solchen Maschine zum Drei-D-Drucker ist es kein weiter Schritt.

Deutschland ist in der digitalen Welt der Anwendungsweltmeister in der Industrie. Kein Unternehmen steht dafür so sehr wie SAP. Ohne die Software und Beratungsleistung aus Walldorf lässt sich heute fast keine Fabrik mehr steuern, weil die Produkte der Badener Industriestandard sind.

Lobos Pamphlet ist eine sozialistisch-etatistische Bankrotterklärung. Nicht der Staat bringt die digitale Welt voran sondern der Wettbewerb. Die Marktwirtschaft ist das beste Verfahren zur Entdeckung neuen Wissens.

Was in der digitalen Welt soll der Markt denn regeln? Google, Whatsapp, Facebook und Konsorten sind kein Produkt staatlicher Industriepolitik und sind ganz und gar ohne Förderung der europäischen Kommission ausgekommen.

Ihr Ursprung hat einen anderen Namen: Stanford. Eine private, amerikanische Eliteuniversität, die Wissen und Kapital akkumuliert und die nach dem Prinzip funktioniert, dass die Guten der Gegenwart die Besseren der Zukunft mit Milliarden fördern. Doch darüber entscheidet keiner in der Wahlurne!

Sascha Lobo kann man nur drei Ratschläge geben: 1. Haare schneiden. 2. Praktikum bei SAP machen. 3. Mit dem Mobilteil in die Einöde.