Bei der FDP hat der Generationswechsel  nicht geklappt. Der von Gerhard zu Westerwelle. Das ist das Dilemma. Schuld war Möllemann, der sonst selbst Gerhards Kopf hätte rollen lassen. Schuld ist also auch nicht Westerwelle. Rösler ist auch nicht zu beneiden. Er ist das gelebte Peter-Prinzip. Aber nichts wird besser, wenn der Weinbauminister a.D. seine Büttenreden schwingt. 

Irgendwie kommt Rösler mir vor wie das Bild vom Frosch, das er bei seiner Antrittsrede beschwor. Er ist der Frosch, der im kalten Wasser sitzt. Niebel hat die Herdplatte zunächst auf zwei gestellt. Morgen schlägt es drei.

Seit Lord Dahrendorfs Emmigration ins britische Ausland haben die organisierten Liberalen vor allem eins vermissen lassen: Stil. Ob die auf Schuhsohle geklebte 18, das Guido-Mobil oder den Putsch der “Boy-Group”. Seit Jahren kommt Verpackung vor Inhalt, Show vor Substanz. Von Persönlichkeit ganz zu schweigen.

Das Fernsehen macht es einem schwer, sich selbst einen Eindruck vom Dreikönigstreffen zu machen. Nicht mal der Parteiensender Phoenix sendet live, der sonst allmontäglich jeden Pfurz des Generalsekretärs nach der Präsidiumssitzung in Ton und Bild setzt . In den Chefredaktionen rechnet man mit der baldigen Ablösung der FDP-Vertreter in Fernseh- und Verwaltungsräten. Wobei man sich zugute hält, einen ordentlichen Anteil daran gehabt zu haben, dass  man  dieser Partei mit fast 15% Stimmenanteil bei der letzten Bundestagswahl aufgrund von demokratisch unlegitimierten Meinungsumfragen schon mal vorauseilend keinen Sendeplatz am eventschwangeren 6. Januar einräumt.

ntv schaltete sich nach Brüderles Rede kurz nach Röslers Anfang aus, was darauf schließen lässt, dass die Einschaltquoten massiv eingebrochen waren. Das mag an seinen Kunstpausen während der Rede liegen, die in Kombination mit den technischen Mängeln des ZDF-Livestreams (Fülle Puffer!) ausreichten, um sich einen frischen Kaffee zu kochen.

Rösler ist die Inkarnation der Kunstpause. Er ist die Pause. Die Lücke, die er hinterlässt, ersetzt ihn vollkommen. Und das ist nicht böse gemeint.

Nachdem die derzeit herrschende Parteispitze und ihre Vorgänger es fertig gebracht haben, sich trotz 15% in den Koalitionsverhandlungen die Butter vom noch nicht einmal gebackenen Brot nehmen zu lassen. Aber das sassen sie alle an einem Tisch: Rösler und Lindner, Westerwelle und Solms. Sie waren zu feige, zu den Wahlversprechen zu stehen, die sie gemacht haben. Stattdessen machten sie sich einen schlanken Fuß. Und wurden lieber Finanz- und Entwicklungshilfeminister statt das Finanzministerium auszutrocknen.

Um mit Oliver Kahn zu sprechen: Die Führungsmannschaft braucht Eier. Die hat sie nicht.