You are currently browsing the tag archive for the ‘Wahl’ tag.

Erinnert sich noch jemand an Renate Kühnast und ihre Träume von Berlin? Damals machte die Grüne gar keinen Hehl daraus, dass sie sich eigentlich kein bisschen für Berlin interessierte, es sei denn, sie darf die Regierung führen. Nobbi Röttgen sieht das wohl ganz ähnlich, der Unterschied besteht in der Berichterstattung. Denn bei dem CDU-Sozi werden die Medien ganz plötzlich total investigativ und ernennen Röttgens Unwillen, nach der Wahl einen langweiligen Platz im Düsseldorfer Landtag gegen sein prestigeträchtigen Ministerposten zu tauschen, zum Ausschlusskriterium bei der NRW-Wahl.

Eigentlich ist das gar nicht so schlecht, aber dass das ganze nichts mit einer Überprüfung der Glaubwürdigkeit des Kandidaten zu tun haben, ist eben nur zu deutlich beim Vergleich mit der durch und durch guten Frau Kühnast zu erkennen.

In Berlin ist ein Zustand eingetreten, der für den Großteil der deutschen Journaille ein wahres Traumszenario darstellt: Zwei linke Parteien kämpfen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Nun gab es das bereits zuvor, aber da hieß die andere linke Partei neben der SPD noch Linkspartei und brachte damit den unangenehmen Geruch von Mauer und Stacheldraht ins Spiel. Jetzt sind die anderen die Grünen und damit können die Korken knallen: Gleich zwei Mal die Guten! Arbeiterschweiß für das schuftende Volk, Sonnenblumenduft für die weltrettende Bourgeoisie. Endlich liegen Opposition und Regierung auf der gleichen Linie, endlich gibt es mehr Einendes als Spaltendes.

Spiegel Online legt auch gleich los und findet mit dem Titel “Duell der Schnodderschnauzen” eine so putzige Überschrift zur Konfrontation zwischen Wowereit und Kühnast, dass der Leser auf dem Foto der beiden Protagonisten Plüschöhrchen und -pfötchen zu sehen beginnt. Diese Wahlkampfberichterstattung wird interessant werden, denn der Klassenfeind spielt auf dem hauptstädtischen Politikparkett längst keine Rolle mehr und so sind die Korrespondenten der Qualitätspresse im Prinzip nur von Freunden umgeben. Die SPON-Überschrift bietet den kuscheligen Einstieg in einen gemütlichen Wahlkampf, der für das fortschrittliche Establishment mit einer Wahl zwischen Schnuffel und Knuffel endet. Einfach zauberhaft!

Ich wundere mich, dass die Auguren die Linkspartei noch bei sechs Prozent sehen. Nach Lafontaines Abgang müssten die Altstalinisten und Hartz IV – Gegner gut unter die Fünf Prozent-Hürde fallen. >Dann würden aber bereits 48 oder 46% der abgegebenen Stimmen reichen, um eine absolute Mehrheit zu erreichen. Das könnte Schwarz-Gelb noch gutschaffen. Die Gefahr ist allerdings grün, weil die sich als gutbürgerlich Political Corect gelten und ihre spät-marxistischen Ansätze verziehen werden, weil sie es doch so gut mit der Umwelt meinen. Für Mindestlohn,  Einheitsschule und Reichensteuer sind die aber auch. Read the rest of this entry »