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Diese Warnung springt mich seit einigen Tagen von vielen Plakatwänden an. Es ist wirklich schlimm und kaum zu glauben, aber: es geht uns besser, als wir denken. Nun könnte man natürlich fragen, wie gut es einem Menschen gehen kann, der davon überzeugt ist, daß es ihm schlecht geht. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Gemeint ist wohl, daß es bei verständiger Betrachtung der Realität viel weniger Anlaß zum Jammern gibt, als das Gutmenschenklischee es gerne hätte. Read the rest of this entry »

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Erinnert sich noch jemand an Renate Kühnast und ihre Träume von Berlin? Damals machte die Grüne gar keinen Hehl daraus, dass sie sich eigentlich kein bisschen für Berlin interessierte, es sei denn, sie darf die Regierung führen. Nobbi Röttgen sieht das wohl ganz ähnlich, der Unterschied besteht in der Berichterstattung. Denn bei dem CDU-Sozi werden die Medien ganz plötzlich total investigativ und ernennen Röttgens Unwillen, nach der Wahl einen langweiligen Platz im Düsseldorfer Landtag gegen sein prestigeträchtigen Ministerposten zu tauschen, zum Ausschlusskriterium bei der NRW-Wahl.

Eigentlich ist das gar nicht so schlecht, aber dass das ganze nichts mit einer Überprüfung der Glaubwürdigkeit des Kandidaten zu tun haben, ist eben nur zu deutlich beim Vergleich mit der durch und durch guten Frau Kühnast zu erkennen.

Bei Spiegel Online beschwert sich Barbara Hans in einem “Plädoyer” über die Tatsache, dass Frauen in Deutschland zu wenig Leitartikel schreiben. Das ist ihr gutes Recht und wenig interessant. Viel Aufschlussreicher ist der Vorspann zum Text, in welchem sie die typische Geisteshaltung deutscher Journalisten zusammenfasst:

“Deutsche Zeitungen sind voll von klugen Kommentaren, wegweisenden Ideen, schlauen Volten. Fast immer stammen sie von Männern. Denn was Deutschland denkt, bestimmt nur die Hälfte der Bevölkerung.

Das ist das Selbstverständnis der meisten Journalisten: Wir bestimmen, was ihr denkt. Gegen diesen Anspruch hat Frau Hans nichts einzuwenden, sie möchte lediglich, dass ihre “Geschlechtsgenossinen” über die Denke der Bevölkerung zu einem gleichen Teil mitbestimmen dürfen.

Wahrscheinlich wurde die Bezeichnung “Meinungsmacher” nie besser erklärt: Streit gibt es nur noch darüber, wer was schreiben darf und wie viel. Die Agenda steht aber unverrückbar im Hintergrund und die Herrschaften sorgen für die passenden Meinungen.

NATO-Soldaten sollen in Afghanistan einen Koran verbrannt haben. Die Medien riechen einen Riesenskandal und prophezeien jetzt schon eine neue “Eskalation”. Die Frage ist nur, worin besteht die Eskalation und wie ernst kann sie genommen werden? Und vor allem: Kann die Aufregung um dieses “Ereignis” als gerechtfertigt betrachtet werden?

Ein Buch ist ein Buch. Dabei spielt es rein objektiv keine Rolle, ob jemand behauptet, sein Inhalt sei irgendwann mal von einem Gott diktiert worden. Es ist und bleibt ein Buch unter vielen. Trotzdem ist es eine Nachricht, da diese angebliche Verbrennung von einer Bande von Irren und all denen, die sich mit ihnen gut stellen wollen, zum Anlass genommen wird, mal wieder etwas mehr Gewalt im Namen ihres angeblichen Gottes auszuüben. Wie im Fall der Mohammed-Karikaturen wird der Zorn der Straße, der Zorn der Hinterwäldler und ihrer Profiteure befürchtet. Das ist der reale Teil dieser Meldung, denn es wäre nichts neues, wenn der islamistische Mob für Tote sorgt. Der Skandal ist, dass die Toten wahrscheinlich wieder als eine eher störende Begleiterscheinung dargestellt werden, über die sich die hiesigen Medien nicht weiter wundern. Der als völlig unkontrollierbar präsentierte Mob hat an seinen Opfern keine Schuld, es war das brennende Buch, das zu einer nicht mehr aufhaltbaren Kettenreaktion führte.

Diese Form der Billigung von Mord und Totschlag ist im Zusammenhang mit bestimmten religiösen Befindlichkeiten längst zur Regel geworden und es wäre für die Vertreter der “Berichterstattung” an der Zeit, diesen vermeintlichen Zusammenhang zu hinterfragen.

Wenn bei Christian Wulff jeder Buchstabe auf die Goldwaage gelegt wird und im ZDF-Wochenmagazin die netten Karrikaturen und Fake-Anzeigen, Buchtitel und Kommentare genüsslich vom “Online”-Redakteur vorgeführt werden, ist es schon bemerkenswert, dass er die berechtigte Häme, die ZDF-Studioleiterin Bettina Schausten für ihre Frage- und Antworttechnik nicht erwähnte. Ein weiteres Beispiel dafür, dass der öffentliche Rechtliche Rundfunk nur ein Unmaß kennt: Sein eigenes. Read the rest of this entry »

Früher war die Welt ganz einfach. Einmal am Tag erschien die Zeitung und Schlagzeile und Titelgestaltung entschieden über den ökonomischen Erfolg am Kiosk. Bei Spiegel, Focus und Konsorten ist das noch heute so. In der schönen “wide web world” ist das anders. Da zählt nicht nur der Besuch der Website, sondern auch die Anzahl der Klicks, die ein Artikel, eine Bilderstrecke bekommt. Je mehr, desto besser. Das Ergebnis ist fatal, wie man an der “Wulff-Affäre” sehen kann. Read the rest of this entry »

Presseclub in der ARD: Jörg Schönenborn (Gutmensch), Jakob Augstein (Erbe), Cerstin Gammelin (SZ), Christoph Schwenicke (Spiegel) und Brigitte Fehrte (Berliner Zeitung).

Es geht natürlich um die EU und da geht man in den Qualitäts-Redaktionen lieber auf Nummer sicher und lässt nur solche Journalisten auftreten, die auch die “richtige” Meinung vertreten.

Die Kollegen vom A-team freuen sich hoffentlich über rasant steigende Clicks. Denn schließlich gilt der alte Satz: “You can write everything you want, as long as you spell my name right”. Und am NDR-Bericht über die vermeintlichen Intransparenzen bei A-Team, Ökowatch und Naumann-Stiftung stimmen allenfalls die Namen. Die Macher des Berichts halten sich nämlich nicht an die moralingesäuerten Regeln, die sie selbst propagieren. Sonst wäre von dem guten Stück nichts übrig geblieben. Gar nichts. Was zu beweisen ist: Read the rest of this entry »

Christoph Schult vom Spiegel hat die drei wichtigsten Karrierevorraussetzungen eines Qualitätsjournalisten erfüllt: Taz, Zeit und Henri-Nannen-Schule. Die herausragenden Journalisten unserer Zeit weisen immer wieder diese Kombination auf und die Tatsache, dass sie früher oder später bei der jener Hamburger Illustrierten oder ihrem Online-Pendant arbeiten. Die ideologische Festigkeit zählt viel mehr als die Kenntnisse oder bestimmte Fähigkeiten und so darf es nicht verwundern, wenn Qualitäts-Schult einen solchen Text (“Wie die EU ihren Einfluss in Nahost verspielt“) abliefert. Read the rest of this entry »

Eines ist klar: Ohne den von den Medien propagierten EU-Nationalismus wäre das Brüsseler Staaten-Konglomerat bereits am Ende. Denn die sonst so kritischen Qualitätsjournalisten haben seit der Euro-Krise nichts anderes zu tun, als den Lesern einzuhämmern, wie toll und wichtig und alternativlos doch das Modell der politischen Union ist. Im Neusprech wird die Union daher nur noch als “Europa” bezeichnet, so als gehörten Norwegen, die Schweiz oder die Ukraine nicht zum Kontinent. Read the rest of this entry »

Der Presseclub eben war wieder einmal ein fantastisches Stück Propaganda für ein “weiter so” in Sachen EU. Die versammelten Journalisten unter dem Vorsitz der linken Tina Hassel zählten wieder einmal die üblichen Argumente (Krieg, wirtschaftlicher Absturz, Bedeutungslosigkeit, unsolidarisch) auf, um zu beweisen, warum Unsummen aus den Taschen der Europäer von den Regierungen umverteilt werden sollen. Dabei gab es nur gelegentlich mal einen Einspruch von Wirtschaftswoche-Mann Henning Krumrey.

Interessant waren die anschließenden Anrufe der Zuschauer, unter denen einige wirkliche Probleme des Systems Brüssel angesprochen wurden. Die gravierenden Fehler in diesem System wurden allerdings mit besorgtem Blick beiseite gewischt und die Reaktionen wirkten eher albern, schließlich hatte die Runde zuvor eine über eine Dreiviertelstunde munter den organisierten Rechtsbruch gefordert.

Die Krönung war das Schlusswort von Tina Hassel, die es für nötig hielt, nochmal eine kurz-Plädoyer für die EU zu halten, denn diese sei schließlich “alternativlos”. Ein schönes und vor allem verräterisches Attribut für die EU.