von CARL CHRISTIAN JANCKE

Die Tagesschau hat nicht über das feige Attentat auf den Offenburger Allgemeinmediziner Dr. med. Joachim Tüncher berichtet. Es handelt sich schließlich nicht um eine Kriminalsendung, wie sie die ARD ja auch im Vorabendprogramm öffentlich-rechtlich und seriös mit “Brisant” unterhält. Wenn die Kriminalität unter Asylanten überproportional höher sei, wäre das was anderes gewesen, schrieb Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke im Tagesschau Blog. Aber das habe die Redaktion nicht recherchieren können. Das meint er im Ernst. Im Livestream auf Facebook, Youtube und ich weiß nicht wo, setzte er seiner Ignoranz die Krone auf. 

 

Palmer Kriminalstatistik

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat in zwei Facebook-Posts die Tagesschau kritisiert. Im zweiten namentlich für die Behauptung, man habe nicht recherchieren können dass,  “Schutzsuchende” um ein vielfaches öfter an Gewalttaten sind und als Tatverdächtige in Mordfällen eben so oft in Erscheinung treten.

Das gibt die Polizeiliche Kriminalstatistik, die jedes Frühjahr veröffentlicht her. Die schnellen Internet-Verbindungen in Hamburg Lockstedt, wo die ARD ihre Millionenteuren Tagesschau-Studios unterhält, dürften die 22 Seiten des Reports, der sich ausschließlich mit ausländischen und schutzbedürftigen Tatverdächtigen beschäftigen, leicht und schnell herunter laden können.

Übrigens stammt die Grafik nicht von einem User, der sie spontan erstellt hatte (wie Palmer annahm), sondern aus einem Bericht, der Facebook-Aktivistin Doris Laser, die sich unter anderem gegen die Zwangsbeschneidung von jungen Mädchen in Afrika einsetzt. Laser ist für ihre nüchterne Analyse der Ausländer- und Schutzsuchenden-Kriminalität übrigens von Facebook für mindestens 30 Tage gesperrt wurde. Die Auswertung basierte – wie gesagt – auf der polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Jahres 2016.

Vom Talkshow-gestählten ehemaligen niedersächsischen Justizminister Prof. Pfeiffer stammt die Hypothese, dass die höhere Kriminalität der “Schutzsuchenden” nicht in ihrer Herkunft begründet sei sondern in ihren sozio-demographischen Daten. Dafür hat er vom damaligen Schwesig-Ministerium auch noch Geld bekommen.

Auch in der deutschen Bevölkerung ist der Anteil der 14 – 25 oder 30-jährigen unter den Tatverdächtigen überproportional hoch. Und der Anteil junger Männer ist ja nun nachweislich unter den “Flüchtlingen” selbst bei der Tagesschau besonders hoch, nachdem die “Willkommensbilder” im Sommer 2015 uns ja suggerierten, es handele sich vordringlich um junge Familien, die über die Balkanroute den Weg nach Deutschland gesucht hätten.

So folgerte auch der “Kriminologe” und studierte Jurist Prof. Christian Pfeiffer (ohne kriminologische, psychologische oder statistische akademische Kenntnisse), dass die höheren Verdächtigtenzahlen eben auf dem jüngeren Durchschnittsalter und dem überproportional vertretenen männlichen Geschlecht zurück zu führen seien.

Dieses Argument macht sich Kai Gniffke offensichtlich zu eigen. Nachdem ein Eintrag im Blog der letzten Woche nicht zum Ende der Kritik geführt hatte, hat der Mann sich am Montag Abend online den Fragen der vermeintlichen User bei Facebook und Youtube im Live-Stream gestellt.

Wie leicht die Kriminalstatistik herunter zu laden ist, habe ich selber mit einem handelsüblichen Festnetz-Anschluss ausprobiert. Und ganz ohne des Apparats der großen Anzahl der ARD-Aktuell-Redakteuren war ich in der Lage, diese Daten zu analysieren. Und komme leider zu einem ganz anderen, faktenbasierten Ergebnis:

Laut der PKS sind rund 44 Prozent aller Tatverdächtigen in Deutschland unter 30 Jahre alt. Bei allen Nichtdeutschen Staatsangehörigen liegt die gleiche Zahl bei 50 Prozent. Bei allen Zuwanderern, deren BKS-Definition von der Studie abweicht, sind es 67 Prozent. Daher lässt sich wohl mit der Taschenrechnerfunktion des Mobiltelefons feststellen, dass Asylbewerber und Asylanten unter 30 Jahren deutlich auffälliger sind als ihre deutschen Altersgenossen.

Ich hatte mir die Mühe gemacht, die im Januar mit großem Tamtam und Talk-Show-Marathon präsentierte Pfeiffer-Studie zu analysieren.

https://fdogblog.wordpress.com/2018/01/08/die-schmierenstudie-des-prof-pfeiffer/

Kai Gniffke, Chefredakteur der größten und einst angesehensten Nachrichtensendung des Landes, der Tagesschau, sagt die Unwahrheit. Man mag ihm Schlampigkeit unterstellen, schließlich nennt er das Mordopfer von Offenburg auch immer einen Zahnarzt. Dabei ist der, wie auch aus oben abgebildeter Todesanzeige zu ersehen ist. Das ist mangelnder Respekt vor dem Opfer.

Wer so leichtfertig mit der Wahrheit und seinen Zuschauern umgeht (man könnte auch schlampig sagen), umterminiert das Vertrauen in Presse und Medien.  Gniffke ficht das nicht an. Das Bundesverfassungsgericht hat ihm geraade in einem gnadenlosen Fehlurteil wieder Bestandsschutz ausgesprochen, ohne dass wir Bürger Einfluss auf das derzeit schlechte Programm nehmen könnten.

Im schlimmsten Fall droht dem Mittfünfziger bei seiner Abberufung ein Verweilen auf einem Versorgungsposten auf dem Elefantenfriedhof seines Heimatsenders. Da kann man sich schon mal zurücklehnen und großherzig den Leuten beweisen, dass die Vorurteile, die sich eingeschlichen haben, stimmen. Ob die Tagesschau die Wahrheit sendet oder nur das, was ihre Redakteure dafür halten, liegt, um mit Margot Käßmann zu sprechen, in Gottes Hand.

Damit wird die sprichwörtliche Arroganz zum Problem einer Branche, die den Gesetzen Schopenhauers oder des Konstruktionisten Paul Watzlawick folgt: “Die Welt als Wille und Vorstellung” oder “Du erkennst, nicht was Du siehst, sondern was Du erwartest.

Kai Gniffke erwartet nicht, dass Flüchtlinge überproportional krimineller sind als Bio-Deutsche. Deshalb hält er es für nicht berichtenswert, über den Mord von Kandel oder Offenburg zu berichten. Und zerstört so die Reputation und das Vertrauen zur Tagesschau.

Er ist nicht allein. Auch im ZDF bei Heute und dem gleichnamigen “Journal” trotzt es vor Fehlern und Unwahrheiten, soweit das Auge reicht. Um mal ein ganz unverdächtiges Beispiel zu nennen. In einem Bericht über die Situation im Iran wartete der Autor mit historischem Hintergrund auf. Die CIA habe den Schah in einem Putsch gegen den ersten frei gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh zurück an die Macht gebracht, um die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie zu rückgängig zu machen, die Mossadegh durchgeführt habe. Hätte der CIA nicht den Schah an die Macht geputscht, wäre der Iran jetzt eine blühende Demokratie. So weit, so falsch.

Tatsächlich war der Iran seit 1908 eine konstitutionelle Demokratie. Der Schah ernannte den Ministerpräsident, der dann vom weitgehend frei gewählten Parlament bestätigt wurde. Das war bei Mossadegh nicht anders. Nur kam der erst ins Amt, nachdem sein Vorgänger ermordet war. Der lupenreine Demokrat Mossadegh empfing den Mörder zum Dank in seiner Residenz. Schon vor dem Amtsantritt hatte das Parlament die Verstaatlichung der in britischem Mehrheitsbesitz befindliche Ölfimra beschlossen und das entsprechende Gesetz wurde vom Schah durch Unterschrift in Kraft gesetzt. Mossadegh entmachtete wie Hitler das Parlament und regierte mit einem Ermächtigungsgesetz und stellte den Schah unter Hausarrest, worauf der nach Rom floh. In der Tat stellte das iranische Militär die Ordnung mit Unterstützung des CIA wieder her und nutzte die Gelegenheit, die Briten auszubooten. Der Schah führte eine “weiße Revoulution durch, Wehrdienstpflichtige wurden auf dem Land bei der Alphabetisierung des Volkes eingesetzt, es gab eine Steuerreform; eine Landreform, bei der die Großgrundbesitzer zu gunsten der armen Bauern enteignet wurden. Einer von ihnen hieß übrigens Allatolah Chomeini und floh darauf ins französische Exil. Jimmy Carter entzog dem Schah die Unterstützung, nachdem der angekündigt hatte, den Konsortialvertrag für die Ölförderung zu kündigen. Mit den Mullahs, dachte der Erdnussfarmer, verhandelt es sich leichter. Er hatte sich ordentlich verrechnet.

DAS sind alles keine Einzelfälle. Man kann sich auf die Darstellung der Nachrichtenlage im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den ihm folgenden Lemminge der Mainstream-Presse nicht verlassen. Sie sind (vielleicht unabsichtlich) manipulativ und verzerren die Wirklichkeit.

Es wird Zeit, dass wir nicht nur Herrn Gniffke auf den Elefantenfriedhof schicken, sondern den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen.

 

 

Advertisements