von Thomas Ferge
Jetzt packen Sie aber die Moralkeule im großen Stil aus. „Wir, die Bewohner der Wohlstandsinsel Europa, sind die Hehler und Stehler des Reichtums der sogenannten Dritten Welt.“ „Auf deren Kosten und Knochen haben wir uns bereichert. Die Bodenschätze Afrikas haben wir ausgeraubt.“
5 Millionen oder auch mehr verzweifelte Flüchtlinge, sonst droht die moralische Insolvenz, dann noch die Beschreibung als Kartoffel- und Mehlsäcke und tropische Südfrüchte in einem Kühlhaus!

Geht es auch eine Nummer kleiner? Oder schwingen wir die plakativen Aussagen, die an eine irgendwie begründete höhere Moral appellieren sollen im selben Stil wie die Plakate der „Die Rente ist sicher“-Fake-News Kampagne aus den aktiven politischen Zeiten damals?
Es ist ein ums andere Mal derselbe Sermon, der – wenn er denn zu Ende gebracht würde, wie vorgeschlagen – eben genau keinem nützen würde, denn das Elend auf der Welt ändere ich nicht dadurch, dass ich mittels globaler Migrationsstrategien mehr Probleme schaffe, als ich löse.
Denn eines sollte doch mittlerweile auch bei den Globalisten angekommen sein: bedingunslos grenzenlose Migration erzeugt keinen Wohlstand – nirgendwo – sondern vernichtet ihn, weil die Ressourcen, die dafür benötigt werden, um selbst nur hier die Versorgung auf dem geforderten Niveau aufrecht zu erhalten, ja auch irgendwoher kommen müssen. Und die werden eben nicht vom Staat erwirtschaftet, die werden eben nicht von funktionalen Analphabeten erwirtschaftet und auch nicht von irgendwelchen Schiffskapitänen, die Regierungsmitglieder anzeigen wollen, während sie ihr Gehalt durch nicht-produktive NGOs bekommen, die selber auch nichts dazu beitragen, dass morgen noch genug zu essen auf dem Tisch steht.
Und dass durch die anschwellende Diaspora (wie es in den Dokumenten rund um Rabat-Prozess und Marrakesch-Deklaration so lapidar heißt) die Armut in den Herkunftsländern gelindert würde, dass der Wegzug der noch einigermaßen Leistungsfähigen dort als positiv zu bewerten wäre, oder dass die Legalisierung von Wanderungsbestrebungen im Kontext wie derzeit durchgeführt, irgendeinen Nutzen vor Ort hat, das ist ja nun auch eher seit Längerem widerlegt. Geradezu ad absurdum wird diese Argumentation geführt, wenn man sich die Geburtenraten in den afrikanischen und arabischen Ländern, die derzeit im Fokus des Interesses liegen, anschaut und diese Bevölkerungsexplosion mal ein paar Jahre in die Zukunft extrapoliert. Daten dazu gibt es genug. Denn die Antwort auf die Frage, wie das in ein positives Narrativ umgedeutet werden kann, wenn man nur die nackten Zahlen sprechen lässt und die Realität bezüglich der Menschen hier und dort betrachtet, den Ungleichheiten in vielerlei aber doch recht zentraler Belange wie z. B. Weltanschauung und Anspruchsdenken, ins Auge blickt, bleibt unbeantwortet, wie so oft, wenn Moralisten ihre Plädoyers halten, sich aber um die zentralen Punkte des „wie genau“ herumdrücken. Not in my backyard war noch nie eine Lösung für irgendetwas.
Und die einleitenden Sätze, wir trügen eine besondere Verantwortung, bzw. wir würden uns als Hehler und Stehler betätigen, weswegen es nur moralisch richtig wäre jetzt mal so langsam zurückzugeben, entbehrt ebenso jeglichen Tatsachen.
Das erkennt man beispielsweise daran, dass die Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte zu keinen nennenswerten Verbesserungen geführt hat in irgendeiner Hinsicht bezüglich der gesellschaftlichen Strukturen vor Ort, da es sich in den tribalistischen Gemeinschaften dort um extraktive Gesellschaften handelt, bei denen Mittel, die zugeführt werden, umgehend von den herrschenden Kasten, Clans, Volksgruppen, Stämmen oder einfach Kollektiven zum eigenen Vorteil entnommen werden, statt sie der Gesellschaft als Ganzem zuzuführen (übrigens weil es eben keine Gesamtgesellschaften gibt, die sich entlang der Staatsgrenzen zusammenfinden würden).
In diesem letzten Punkt könnte man nun einhaken und tatsächlich trefflich debattieren, ob das ein koloniales Erbe ist, an dem diese geographischen Räume bis heute leiden, was aber dann in Bezug auf den Umgang miteinander nicht dem Westen im Heute angelastet werden kann, da die Querelen innerhalb und zwischen dortiger Landesgrenzen entlang ethnischer und religiöser Gräben verlaufen, die von Europa nicht beeinflusst werden. Das muss man schon den Menschen vor Ort überlassen, ob und wie sie das lösen wollen, oder eben nicht.
Zweiter Punkt, bei dem man auch noch positiv zustimmend einhaken könnte: globale Wirtschaftspolitik: da sollte und muss man dann aber auch konstatieren, dass gerade die EU, die sich selber so gerne moralisch überhöht, ein gehörig Maß an Verantwortung trägt, denn wer subventioniert eigene Produkte (beispielsweise im landwirtschaftlichen Bereich), erhebt hohe Einfuhrzölle und schwemmt mit Billigprodukten (z. B. Milchpulver aus den Überproduktionsmengen Europas) gerade diese Märkte, die dann gar nicht die Chance haben auf die Beine zu kommen – selbst wenn sie wollten?
Wer legt denn mittels eines globalen Finanzsystems für das Zeitpräferenz und Zukunfstorientierung Fremdworte darstellen, einen bleiernen Schleier über so ziemlich jede wirtschaftliche Aktivität und steuert damit zu Gunsten nur der eigenen Leute (bzw. sogar nur der eigenen Eliten) globale Wirtschaftsströme?
Wer ist denn hier jetzt der glühende Verfechter des noch-mehr Staat von uns beiden Betschwestern?
Ich überlege immer noch, komme aber irgendwie nicht drauf. Vielleicht hätten Sie ja einen Tipp für mich?
Es wäre wirklich an der Zeit, wenn die Menschheit endlich begriffe, dass Wohlstand nur durch Arbeitsteilung und Spezialisierung erzeugt wird, dass dies aber einen freien Warenverkehr benötigt, dass dies unabdingbar und denknotwendig nur mittels Freiheit und Eigentum ermöglich wird, dass das Wirtschaftssystem, das auf einer solchen freien Gesellschaft aufbaut zwingend der Kapitalismus ist, der auf menschlichem Handeln und dem Streben nach Zielerreichung beruht, dass damit aber eben auch die Verantwortung für das eigene Leben einhergeht, was nicht nur dem Individuum auferlegt werden kann, sondern je nach gesellschaftlichem System oder Ideologiegebäude auch für eine wie auch immer geartete Gesellschaft gelten muss, dass bedingungslose Empathie nicht dazu führt, dass die Welt besser und friedlicher wird, sondern durch Fehlanreize eher negative Strukturen eingebrannt werde, dass wir global (!) in einem korporatistischen System leben, dass mehr mit dem Sozialismus als mit Kapitalismus zu tun hat, dass jegliche Planung auf gesellschaftlicher und damit wirtschaftlicher Ebene in die totale Abhängigkeit und Totalitarismen führt, und vor allem dass eine wirklich freie Gesellschaft aber auch nicht unendlich tolerant jedem gegenüber sein kann und sein darf, da sie sonst ihre Offenheit verliert, was dann nur noch weiter in den Abgrund führt.
Aber um das wirklich begreifbar in der notwendigen Tiefe auszuführen, müsste man erstens noch mehr Worte aufbringen und zweitens wurde das schon so oft getan, dass es eher wie vergebene Liebesmüh erscheint denn als sinnvolle Nebenbeschäftigung, um zumindest einigen wenigen einen Denkanstoß in freiheitlichem Denken zu geben.
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