von CARL CHRISTIAN JANCKE

Geschichtsbewusste Menschen sollten sich daran erinnern, dass einst Österreich das erste Land war, das – vermeintlich freiwillig – an das Dritte Reich angeschlossen wurden. Mit der daraus resultierenden Zurückhaltung ist nun Schluss. Unter den Besserwissern, die die Pressefreiheit und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgrund eines Tweets des (FPÖ-)Vizekanzlers ist das Who is Who des deutschen öffentlich-rechtlichen Journalisten vertreten. In ihrem offenen Brief an den Österreichischen Bundeskanzler schenken sie den populistischen Ungarn und Polen gleich auch noch einen ein und extrapolieren sich als die wahre moralische Instanz Europas. Das ist die wahre Grundversorgung.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steckt in einer Legitimationskrise. In der Schweiz will eine Initiative die Zwangsgebühren abschaffen, in Österreich kann dem ORF nachgewiesen werden, dass er eine Reportage so manipuliert hat, dass ein Tiroler FPÖ-Kandidat als Antisemit erschien und in Deutschland hat der damalige hessische Ministerpräsident Koch mit dem unliebsamen ZDF-Chefredakteur Nikolas Brender Tabula Rasa gemacht, was selbst das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stets absegnenden Bundesverfassungsgericht dazu brachte, im Fernsehrat mehr Staatsferne zu fordern.

In dieser Situation  erheben die deutschen Elite-Journalisten samt und sonders öffentlich-rechtlicher Provinienz zum Sittenwächter der österreichischen Meinungsfreiheit, weil der FPÖ-Vizekanzler sich in einem wütenden Facebook-Posting über die offensichtlich unfaire Berichterstattung der FPÖ erregt hatte.

Der Mann hatte niemand verhaften lassen, nicht einmal die Zwangsgebühren in Zweifel gezogen, kein Zensurgesetz gefordert und auch nicht wie einst Adenauer und Strauß Rudolf Augstein den Chefredakteur wegen Hochverrats verhaftet.  Er hatte seinem Ärger in einem kümmerlichen Facebook, der digitalen Form der Vergänglichkeit Luft gemacht.

Deshalb sehen die multiplen Gewissen der Nation deutscher Sprache die Pressefreiheit im einst angeschlossenen Österreich so bedroht, dass sie den Bundeskanzler zu deren Rettung in einem “offenen Brief” auffordern.

” Das Machwerk dieses Postings als Pranger sowie sein denunziatorischer Inhalt verletzen die Grenzen politischen Anstands im Umgang mit freier Presse und unabhängigen Medien. Der Versuch des Vizekanzlers der österreichischen Regierung, den persönlichen Ruf von Joumalisten zu beschädigen und deren Glaubwürdigkeit zu untergraben, verstehen wir als einen Angriff auf einen der wichtigsten Grundwerte demokratischer Ordnung, die Pressefreiheit. Er gleicht
den Methoden der ungarischen und polnischen Regierung, durch Druck und Diffamierung die Unabhängigkeit der offentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten einzuschränken”

Am teutschen Medienwesen soll die Welt genesen. Die Damen und Herren geben nicht irgendjemanden diesen wohlmeinenden Ratschlag, sondern dem demokratisch gewählten Bundeskanzler unserem Nachbarland im Hinblick auf den ehemals demokratisch gewählten Vizekanzler. Dieses Land ist nicht mal erst seit 25 Jahren ein freiheitlich verfasster Rechtsstaat, sondern schon seitdem  es von den gleichen Alliierten befreit wurde wie wir, allerdings von uns. Und das sind immerhin 73 Jahre, in denen Österreich ganz ohne weitere deutsche Nachhilfe sich mit einer freien Presse und sogar einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk übt, der bisher noch nicht bedroht schien.

Was für eine ungeheure Anmaßung, dem jugendlichen Herrn Kurz auf diese Weise in Sachen Demokratie und Pressefreiheit Nachhilfe zu erteilen.

Viel wichtiger erscheint mir, dass diese anmaßenden, moralingesäuerten Hüter des heiligen Grals der öffentlich-rechtlichen Medienfreiheit mit der selben moralischen Kompetenz über sich, ihr Leben und ihre journalistische Arbeit urteilen. Das Ergebnis dieser unerträglichen Selbstgerechtigkeit müssen wir alltäglich bei den Unterzeichnern, Maischberger, Will, Gerster, Kleber und Konsorten ertragen. Ihre überlegene Überheblichkeit erspart ihnen gewiss einen Irrtum. Ein fairer und gerechter Umgang mit all denen, die sie für Populisten und “Rechte” halten, ist denen gewiss.

 

 

Advertisements