Dennisz Yüksel ist frei und landauf, landab wird verkündet, wir hätten dafür keinen Preis bezahlt. Die Phantasie deutscher Kommentatoren reicht immerhin dafür aus, das in Frage zu stellen. Obwohl die Türkei es gar nicht nötig hat, auf diesem Nebenkriegsschauplatz Spielchen zu spielen. Als die Kanzlerin 2016 in Ankara zu Kreuze kriechen musste, hat sie unsere Souveränität schon verkauft. Seitdem halten die Türken Flüchtlinge zurück, die sich sonst auf die berüchtigte Balkan-Route gemacht hätten. Und das wären Hunderttausende. 

Die Türkei lässt sich das nicht nur fürstlich entlohnen, zu Recht. Und es ist für alle Beteiligten das Beste. Denn die Syrer, die dorthin geflüchtet sind, können so nach Kriegsende – wann immer das sein mag – schnell und einfach zurück in ihre Heimat und müssen sich nicht in einem anderen Klima und einer anderen Kultur mit Winter und Minirock zurechtfinden.

Erdogan und die seinen nutzen diese Abhängigkeit gnadenlos aus. Mit ausgemusterten Bundeswehr-Leopard II ziehen sie gegen die kurdischen Verbündeten der USA ins Felde und sperren jedermann im eigenen Lande ein, der einen zu kritischen Gesichtsausdruck an den Tag legt. Wenn ein paar Deutsche dabei mit eingekerkert werden, muss Sigmar Gabriel in Goslar dem Außenminister eben reinen Tee einschenken und nach Freilassung der bekanntesten Geisel Ergebenheitsadressen absondern.

Zur Erinnerung: Üblich wäre es in einem solchen Fall, die diplomatischen Beziehungen einzustellen, Zoll- und Visavorteile zu widerrufen und in diesem Fall die NATO-Mitgliedschaft auszusetzen.  Nichts davon.

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