von CARL CHRISTIAN JANCKE

Eigentlich wollte ich selbst dort sein, vielleicht mehr als Beobachter denn als Demonstrant. Wegen einer schweren Erkältung bin ich lieber zuhause geblieben. Nach meinem Eindruck war die ganze Aktion unter´m Strich ein Erfolg. Schließlich wurde Rom auch nicht an einem Tag erbaut. Zum einzelnen:

  1. Die Organisatoren

Ich neige nicht zum AfD-Bashing. Letztlich handelt es sich im wesentlichen um eine konservative Protestpartei, die es leider nicht schafft, sich von ihren rechten Protagonisten und den Nationalen Sozialisten zu befreien. Aber es war ja auch eben keine AfD-Veranstaltung, sondern die von einer Einzelperson, die nach meinem Eindruck durchaus honorig zu sein schien. Dass sie allerdings auch auf Veranstaltungen von Compact aufgetreten war, fand ich weniger geschickt. Es gibt Medien, mit denen ich nicht in Verbindung gebracht werden möchte.  Compact gehört dazu.

Viele meiner Freunde und Bekannten ging es ähnlich.

 

2. Der Verlauf

Ich habe mit diversen Livestreams auf Facebook und Youtube die Berichterstattung verfolgt. Ich hätte mit so vielen Demonstranten nicht gerechnet. Dass Der Marsch am Checkpoint Charlie endete, ist bedauerlich. Schlechter wäre, er hätte nicht stattgefunden. Richtig war, den Fußmarsch auf anderem Wege fortzusetzen und die Kundgebung vorm Kanzleramt stattfinden zu lassen.

 

3. Das Verhalten der Polizei

Ich warne vor Verschwörungstheorien. In der Summe war das Verhalten der Polizei wohl verhältnismäßig. Die Fehler sind wohl im Vorhinein passiert. Die Protestkundgebungen hätten nicht auf der Route der Demo genehmigt werden dürfen sondern nur in einem so großen räumlichen Abstand, dass eine Blockade nicht möglich ist.

In der Situation die Straße zu räumen, wäre wohl nicht verhältnismässig gewesen, weil insbesondere unter den beteiligten Polizisten Verletzte zu befürchten gewesen wären, wenn man die Blockade, die nie hätte entstehen dürfen, gewaltsam geräumt hätte.

Natürlich bestand keine Intension bei der Polizeiführung, den Frauenmarsch unbedingt bis zum Kanzleramt zu bringen. Ihr aber einen entsprechenden Vorsatz zu unterstellen, halte ich aber für unrealistisch. Zumal bekannt ist, dass sich gerade die AfD bei den Berliner Polizisten großer Beliebtheit erfreuen muss.

Bei der nächsten Demo wird es darauf ankommen, dass die Veranstalter mit der Polizei die notwendigen Absprachen über Strecke und Gegenveranstaltungen treffen.

 

4. Die Rolle der Gegendemonstranten

Auf den Livestreams erscheint nicht der schwarze Block, sondern der Politoligie-Student von nebenan, die nette Physiotherapistin,  die sich in der “grünen Jugend” engagiert, kurz um die neue Spießigkeit sprang einem ins Gesicht, die wie ihrer stramm rechten Großväter die Wahrheit für sich gepachtet hat und mit leichter Hand entscheidet, was rechts ist: Alles was ihnen nicht “links” erscheint.

Sie sind Opfer, Produkt und Täter zugleich, der Inbegriff des Mitläufers, der sein Denken auf Pawlowsche Reflexe begrenzt und so den eigenen Rechtsbruch durch eine unerträgliche Pseudomoral rechtfertigt.

Das Sit In am Checkpoint Charlie zwischen Brunch im Neuköllner Szene Café und der Arbeitsgruppe in der HU-Bibliothek.

So gesehen hätten ein paar gezielte Duschen mit dem Wasserwerfer die Illusion des Gutmenschenevents ohne Konsequenzen gehabt. Aber fairerweise muss man bedenken, dass man nicht weiß, wie viele gewaltbereite Hardcore-Antifas sich unter die neuen deutschen Kleinbürger gemischt haben.

 

5. Die Berichterstattung.

Die Assoziationskette “AfD-nah”, “AfD”, “Rechtspopulistisch”und “Rechts erspart dem ordentlichen Redakteur die Auseinandersetzung mit den dargebotenen Inhalten. Vor diesem Hintergrund ist es schon ein Gewinn, dass es den Medien nicht mal gelungen ist, das Event zu ignorieren.

Zwar hat es der “Frauenmarsch” nur in die Welt überregional geschafft. Aber in der Region war er in Tagesspiegel, Berliner Morgenpost und RBB vertreten. Ein Achtungserfolg.

Neben der mangelnden Auseinandersetzung entbindet die Assoziationskette auch den Redakteur von jeglicher Sorgfaltspflicht. Alle Meldungen waren schlampig formuliert, ungenau und teilweise einfach falsch. Mindestens zweimal wurde etwa berichtet, die Polizei habe die Streithähne mittels “gepanzerter Fahrzeuge” getrennt. Wer die Bilder gesehen hatte, konnte erkennen, dass es sich um gewöhnliche “Wannen” handelt, wie der Berliner die Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei nennt. Und die sind nicht gepanzert. Aber so eine Darstellung hört sich ja martialisch an.

Der Publizierungsneigung dürfte durch das Engagement der zu aufrechten Demonstranten mutierten Blockierer auf die Sprünge geholfen worden sein. Dass die sich schlicht strafbar gemacht haben,  als sie den “Rechten Frauenmarsch” zum Stehen brachten, wird demzufolge höchstens auch nur am Rande erwähnt. Der Zweck heiligt schließlich die Mittel.

 

Fazit

Für die Veranstalter war der “Frauenmarsch” ein voller Erfolg, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Wer allzu schnell Verschwörungstheorien verbreitet und überzieht, gefährdet den Erfolg. Augenmaß ist jetzt gefragt.

 

 

 

 

 

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