von CARL CHRISTIAN JANCKE

Dass Angela Merkel die Opfer des Terrors ignoriert hat, war kein Versehen sondern Strategie. Deshalb mussten sie namenlos bleiben. Wo kein Opfer, da kein Terror. Und  die, die hier schon länger leben, fühlen sich weniger gefährdet. Der Anschlag mit einem Laster auf einen Weihnachtsmarkt verkommt zum bedauerlichen Betriebsunfall der Vorweihnachtszeit. Strategisch nennt man das im Merkel-Sprech “asymmetrische Demolibisierung”. Hat funktioniert. Der GROKO ist es gelungen, Unsicherheit, Terror und Flüchtlinge totzuschweigen und so eine offene Debatte zu verhindern. Sie wurde dabei sekundiert von einer über politisch korrekten Medienlandschaft, die sich nur in einem übt, nämlich nur dann unbequeme Fragen zu stellen, wenn sie dem Mainstream nicht widersprechen.

Schon im Wahlkampf wurde das, was man verharmlosend “Flüchtlingskrise” nennt, tot geschwiegen. Wie gehen wir um mit mehr als einer Millionen mehrheitlich junger Männer, die unsere Kultur nicht teilen, unsere Sprache nicht sprechen und keine Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben. Mit um ein Drittel auf 900.000  gestiegenen Tatverdächtigen (Quelle BKA) mit Migrationshintergrund und ca. 1110 eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen islamistische motivierten Terrorismus ist die innere Sicherheit in Gefahr und nicht durch ein paar hundert Polizisten mehr in den Griff zu bekommen. Stattdessen säuselt der geschäftsführende Justizminister, man müsse der gesellschaftlichen Entwicklung mit einem “Antisemitismusbeauftragten” eben diesen und seine Ursachen erforschen. Dabei ist augenscheinlich, dass die wenigsten Biodeutschen Israel-Fahnen verbrennen. 

Bei den Koalitionsverhandlungen – ob Jamaica oder Groko – reden wir allenfalls über Obergrenzen zukünftiger Flüchtlinge und ansonsten Klimawandel oder Bürgerversicherung. Über die Bedrohung der inneren Sicherheit und die Veränderung unserer Gesellschaft durch den Einwanderungstsunami lieber nicht.

An diesem Tag empfinde ich im Grunde Scham. Denn die Opfer des Breitscheidplatzes sind mir auch fast gleichgültig gewesen. Ich habe nicht getrauert, nicht demonstriert, mich ein wenig an der schlechten Berichterstattung ergötzt. Und war froh, dass der Mann in Italien schnell erschossen wurde. Prost Neujahr 2017.

Doch die Taktik geht nicht auf. Irgendwie stößt dann doch ein paar Journalisten übel auf, dass die Opfer nochmal tot geschwiegen und nicht gewürdigt wurden und nicht dafür geehrt, dass der Terror  sie letztlich an unser aller Stelle getroffen hat. Denn dieser Terror will mit Willkür Angst und Schrecken verbreiten. Jeden soll es treffen können, überall. Und unabhängig von persönlichem Verhalten oder gar Schuld.

Und auch wir alle haben das Attentat eher verdrängt als vergessen. Es hätte uns jederzeit eben doch auf treffen können. Und so waren wir dankbar für keinen Staatsakt im Bundestag, wo die Opfer eigentlich hätten geehrt werden müssen. Sondern für die schnelle Zeremonie in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, die mit den Opfern die offensichtliche Gefahr unter den Teppich kehrte. Und dann war Weihnachten. Für die allseits bewährten, Tränen erstickten Jahresrückblicke kam der Mordanschlag ja zu spät.

Das Breitscheider ist eigentlich ein Autobahn-Kreuz, das die Dauerstau-A3, Köln, Düsseldorf, das Ruhrgebiet und das Bergische Land mit dem Niederrhein verbindet. Bis 1992 gab es in Breitscheid eine touristische Attraktion: den Minidomm. Eine Miniaturwelt, in der man alle Faszinationen der europäischen Kultur besichtigen konnte, ohne vom nahegelegenen Düsseldorfer Flughafen abzuheben.

Das Kreuz von Breitscheid gibt es noch. Den Minidomm nicht mehr. Tun wir etwas dafür, dass die mitteleuropäische Kultur, die er darstellte, nicht untergeht. Auf unsere Politiker können wir uns dabei nicht verlassen.

Advertisements