von CARL CHRISTIAN JANCKE

Gestern noch in der sauerländischen Dönerbude, heute schon auf Maischbergers Showbühne. Ein tätlicher Angriff eines Betrunkenen, dem die Wasserwerke eben dieses abgestellt haben auf deren Vorstandsvorsitzenden, wird zum flüchtlingsfeindlichen Attentat hochgehypt, weil der Mann zufälligerweise im Suff auch noch was von “Flüchtlingen” gefaselt hatte. Endlich! Sonst hätte der Zwischenfall es sicherlich allenfalls in die “Vermischtes”-Ecke der Kreiszeitung stattgefunden. So schafft es der Bürgermeister nicht nur als Protagonist in die Talk-Show sondern auch als Mahner in die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Und die geschäftsführende Bundeskanzlerin, die ihrem Parteifreund unlängst einen Integrationspreis verliehen hat, nutzt die Chance, sich in Funk und Fernsehen “entsetzt” zu zeigen.

 

Menschen in Zwangslagen verhalten sich irrational. Gerne machen sie andere für ihre schwierige Situation verantwortlich. Das ist kein neues Phänomen sondern Alltag. Es mag gar sein, dass solche Vorkommnisse zunehmen: Im Rettungseinsatz oder im Job-Center. Das mag der Bürgermeister richtig beobachtet werden. Nur die von ihm zitierten Respektlosigkeiten und Zunahmen von Gewalttaten und -bereitschaften zeigen deutlich, dass ein solches gesellschaftliches Phänomen mit der “Flüchtlingskrise” nichts zu tun hat. Auch nicht in seinem Einzelfall. Denn ursächlich für den Täter waren nicht die Flüchtlinge sondern seine persönliche Situation.

 

Dabei berücksichtigt ist nicht einmal die Ohnmacht in weiten Teilen der Bevölkerung, die bis heute mit der Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols und der Grenzöffnung nicht einverstanden war. Jedermann weiß und muss nicht mal mehr ahnen, dass das Chaos beim Versuch der verwaltungsmäßigen Bewältigung des Ansturms zu Milliardenschäden führt und zu einer öffentlich gern geleugneten Zunahme von Gewalt und Kriminalität. Die Spitze der Bewegung stellte der “Kriminologe” und ehemalige SPD-Justizminister in Niedersachsen Pfeiffer dar, der das schlechte Abschneiden der Ausländer und Migranten in der Kriminalitätsstatistik darauf zurückführt, dass “der Fremde” von “dem Biodeutschen” eben öfter angezeigt werde. Die Vergewaltigung oder die Gewalttat lässt man seinesgleichen eben öfter durchgehen.

 

Das wirkt schon auf den ersten Blick wenig plausibel: Denn bei den meisten Straftaten, die besonders betroffen sind, handelt es sich um so genannte Offizialdelikte. Bei nahezu allen Gewalttaten,  die die körperliche Unversehrtheit betreffen, muss der Staat von Amt wegen ermitteln und wird nur solche Menschen als verdächtig führen, bei denen sich ein  begründeter Anfangsverdacht nachweisen lässt. Mit seiner Behauptung diffamiert der Justizminister a. D. also seine ehemaligen Untergebenen.

 

Auch die Kriminalstatistik lässt die Behauptung Pfeiffers zweifelhaft erscheinen. Ermordete etwa können kaum per Vorurteil häufiger Fremde als Täter bevorzugt zur Anzeige bringen. Das scheitert an ihrem Aggregatzustand: Trotzdem finden sich je 1 Mio. Einwohner jeweils 6,7 deutsche Staatsangehörige, 32,3 Ausländer und sage und schreibe 70,8 Asylbewerber.

Wie gesagt, die Vorurteile der Opfer gegenüber Fremden können hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Genauso wenig wie die Tatsache, dass die Zahl der nicht biodeutschen Tatverdächtigen zwischen 2014 und 2016 um ein Drittel oder rund 300.000 Zugereiste oder länger hier Lebende mit verhaltensoriginellen Hintergrund stieg, während die Zahl der als deutsch eingestuften Verdächtigen im Vergleichszeitraum um ein Drittel des Anstiegs – also rund 30.000 – sank (Quelle Bundeskriminalamt via Ines Laufer). Daneben ist wohl auch wahrscheinlich  – ohne das wir uns in statistischen Details schwelgen – dass wohl auch die absolute Anzahl der Straftaten, die durch schon länger hier lebenden nicht Deutschen, Flüchtlinge, Geflüchtete, Asylbewerber oder Asylanten verübt wurden, deutlich gestiegen ist.

 

Und das erklärt auch den Altena Affekt, Trotz aufgeheizter Stimmung, AfD und Hatespeech sind betrunkene Biodeutsche ausgesprochen selten, die einen Kleinstadtbürgermeister und Chef eines Versorgungsbetriebes mit einem Messer an den Hals gehen.

 

Da ist man schnell mit einer 15 cm großen Wunde bei der Hand und die zuständige Staatsanwaltschaft verkündet gleich, dass gegen den armen Mann wegen Mordes ermittelt werde. Bei Erfolg hätte der wohl auch gleich ein Dach über den Kopf, denn wie man hört, soll sein selbst gebautes Haus versteigert werden und dann steht ja wohl die Zwangsräumung an. Und der Mann landet im Gefängnis und nicht auf der Straße. So etwas passiert hierzulande nicht alle Tage.

 

Denn wir alle wissen um den “Nachrichtenwert” einer Meldung: “Hund beißt Mann” ist keine wert. “Mann beißt Hund” sichert dagegen eine Schlagzeile. Und das erklärt natürlich das Medieninteresse an dem Altenaer Vorfall. 900.000 tatverdächtige Ausländer bieten eine Inflation, die ein überregionales öffentliches Interesse an Vergewaltigungen, Messerstechereien auf offener Straße nicht mehr geboten erscheinen lässt. Während der um diese Jahreszeit ja vollständig überraschende Wintereinbruch natürlich in allen Nachrichten- und Boulevard-Magazinen gerne genommen wird. So ein paar Fahrzeugwracks mit der Schilderung der erlittenen Verletzungen der Opfer ist offensichtlich quoten- und zugriffsfördernd und daneben politisch vollständig unverdächtig. .

 

Was man von der armen jungen Frau nicht sagen, kann die am letzten Samstag morgen um 06.00 Uhr in Celle niedergestochen und lebensgefährlich verletzt wurde. Der mittlerweile festgenommene mögliche Tatverdächtige mag ja vielleicht nach Professor Pfeiffer darunter leiden, dass er wegen seiner Hautfarbe diskriminiert und von der Frau und ihrer Lebensgefährtin aufgrund leichter wiedererkannt werden konnte. Allerdings haben ihn wohl auch die festgestellten Spuren am Tatort verdächtig gemacht, so dass Haftbefehl erlassen wurde. Nach Angaben der deutschen Frauen hatte man sich seiner Annäherungsversuche zu entziehen versucht, in dem man das Lokal, in dem auch er zu Gast war, verließ. Der Mann folgte den Damen und stach zu. Womit ist unbekannt.

 

Wie in dem Fall der ebenfalls nicht vom öffentlichen Interesse stehenden Vergewaltigung und dem anschließenden Mord an einer Freiburger Studentin behauptet der Afrikaner übrigens von sich, dass er erst siebzehn Jahre alt sei. Da ist das Jugendstrafrecht sicher. Und das man ihm nicht auf die Schliche kommen könnte, nicht ausgeschlossen:

Die Rechtsmediziner der Arbeitsgemeinschaft für forensische Altersdiagnostik (AGFAD) schließen sichere Röntgenuntersuchungen aufgrund des hohen Gesundheitsrikos aus, die standardmässig das wahre Alter der “unbegleiteten Jugendlichen” ermitteln könnte, schreibt Marisa Kurz.

 

Dass Frau Maischberger das Opfer des Afrikaners zu ihrer morgigen Talk-Show einlädt, scheint derweil ausgeschlossen. Was auch daran liegen mag, dass die Frau tatsächlich schwer verletzt ist – anders als der Altenaer Bürgermeister und Integrationspreis-Gewinner, der ein dekoratives Pflaster zur Schau stellte. Erschwerend kommt hinzu, dass weder Hatespeech noch die AfD am Verhalten des Afrikaners irgendeine Schuld nachzweisen wäre. Weder durch Herrn Pfeiffer noch gegen den geschäftsführenden Justizminister Heiko Maas.

 

Das ZDF berichtet derweil im Boulevard-Magazin “Hallo Deutschland”, in das die Tat ohne Immigrations- oder Flüchtlingshintergrund sicher quotensteigernd gezeigt worden wäre, über “Kommissar Bux und die Blutspur”. In einer lockeren Serie dienen Großtaten der Aufklärung der Kriminalpolizei gerne im Rotlichtmilleu oder mit sexuellen Hintergrund dem aufklärerischen Anspruch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Dieses Mal ging es um den kriminalhistorisch ausgesprochen wertvollen Mord an einer Prostituierten im Münster des Jahres 1996, die bereits wieder normale Unterwäsche trug, weshalb der Münsteraner Hauptkommissar Bux messerscharf darauf schließt, dass der Mord erst nach dem Geschlechtsverkehr vollzogen wurde. Der Täter stellte sich nach Jahren als 24 jähriger Bio-Deutscher heraus, der als Wiederholungstäter ein paar Tage nach seiner Haftentlassung wieder zugestochen hatte. Bio-Deutsche unter sich. Damals.

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