von CARL CHRISTIAN JANCKE

Heute morgen im Deutschlandfunk wird Deutschlands Chefmoralist zur AfD befragt und redet sich in Rage. Kein ekliges Attribut von rassisstisch bis nationalsozialistisch bleibt in der Schublade. Er, der in Frankreich geborene Jude sei persönlich gemeint, womit er noch gepflegt den Antisemitismus-Vorwurf untergebracht hatte. Ein renommierter Journalist wähnte ihn bei Facebook fast auf Speed. Etwas besseres kann der AfD nicht passieren. 

So ähnlich ist es mit der Nichtwahl von Albrecht Glaser. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Der Mann war jahrelang als CDU-Mann Finanzchef der Großstadt Frankfurt. Und hat bezweifelt, dass für eine Glaubensgemeinschaft, die für jede andere Religion die Religionsfreiheit ablehnt, dasselbe Grundrecht gelten kann. Das kann man als Angriff auf die Verfassung werten, muss man aber nicht. Und darin liegt die Crux. All diejenigen, die als Sympathisanten und Wähler der AfD gelten, haben gelernt: Ich habe alles richtig gemacht: Die AfD wird gemobbt. Wenn das so weitergeht, ist die Partei bei der Bayernwahl zweistellig und das mit einer zwei an erster Stelle. Sie muss sich nur keine Skandale leisten. Und zwar solche, die wirklich welche sind.

Richtig wäre es, sich nüchtern und sachlich mit dieser Partei auseinander zusetzen und ihre Argumente zu widerlegen, statt sie zu stigmatisieren und auszugrenzen. Was die Altparteien offentlich übersehen: Mit ihrem Verhalten demütigen sie die AfD-Wähler, die nur von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Und so gewinnen sie die bestimmt nicht zurück. Im Gegenteil. Sie treiben neue Wähler in die Arme der vermeintlichen “Populisten”.

Wer die AfD bekämpfen will, muss vor allen Dingen eine Politik im Sinne ihrer Wähler machen. Und das sind nicht die Abgehängten und auch nicht (nur) die alten weißen Männer. Es sind klassische Kleinbürger, die sehr wohl im Alltag unterwegs sind und vermutlich so digitalisiert, wie sich das die Politik gar nicht vorstellen kann. Sie sitzen aber im Schützenverein und am Stammtisch zusammen und regen sich über Energiewende, Griechenrettung und Grenzöffnung auf. Ein politisches System, das so funktioniert, delegitimiert sich selbst. Und das war nicht nur Angela Merkel, sondern all diejenigen, die das mit sich haben machen lassen: Die politische Klasse an sich und auch die Medien,  die das nicht kritisiert sondern die Kritiker stigmatisiert haben.

Die Kluft zwischen Bürgertum und Politik ist so groß wie nie.

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