von CARL CHRISTIAN JANCKE

Jörg Baberowsik macht in einem sehr interessanten NZZ-Artikel die  neoliberale Globalisierung für die Auflösung der Bürgergesellschaft und das Auseinanderdriften der Eliten und der Restgesellschaft mit verantwortlich. In dem Punkt unterliegt er einem allgemein verbreiteten Irrtum.

Es ist kein Zufall, dass der Begriff “Globalisierung” erst Anfang der Neunziger Jahre auftauchte, als die Idee von Sozialismus und Kommunismus diskreditiert durch den Zusammenbruch des Ostblocks diskreditiert war. Der Kapitalismus hatte gesiegt und die Linke brauchte ein neues Feindbild: Die Globalisierung, in der – so die weit verbreitete Meinung – der “Westen” die armen Entwicklungsländer und die Umwelt ausbeutete. Kapitalismus hieß jetzt Globalisierung.

Der Begriff ist semantisch inhaltsleer. Denn er meint nicht mehr, als dass die Erde immer runder würde. Tatsächlich gemeint ist die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung. Und bei der gibt es nur Gewinner. Denn in den vergangenen 4, 5 Jahrzehnten ist die Wirtschaft immer mehr zusammen gewachsen, immer arbeitsteiliger geworden. Die Wertschöpfungskette umschließt nicht mehr eine Fabrik oder eine Region sondern den Kontinent. Es geht eben nicht nur um Handel, sondern um gemeinsame Herstellung von Waren und Gütern.

Vergleicht man die Entwicklung Südostasiens, das in diese verflochtene Wirtschaft itegriert ist mit der Afrikas oder Arabiens, denen eine solche Integration nicht gelang. Aus Asien kommen Teile und Waren aus Afrika und Arabien flüchten die Menschen hierher.

Aber Barberowskis Hypothese lautet ja – da ist er mit der traditionellen Linken und Donald Trump einig – die Globalisierung spalte gar die westliche Bürgergesellschaft, weil die Eliten von ihr profitieren und die “Armen” zurück gelassen würden.

Gerade weite Teile der unteren Einkommensschichten profitieren aber tatsächlich weithin von der Globalisierung. Das zeigen nicht nur die Touristenströme sondern auch die deutliche Verbesserung des Lebensstandards bis hin zum Hartz-4 Empfänger, der sich bei Real den größten Flachbildschirm leisten kann und mit dem Smartphone dank Flatrate hantiert. Materiell sind die Gesellschaftsschichten eher zusammen gerückt und die Beschäftigungsquote ist so hoch wie nie.

Trotzdem bleibt Barberowskis Hypothese ja richtig. Die bürgerliche Gesellschaft ist mindestens bedroht und alte Mechanismen funktionieren nicht mehr, weil altbewährte soziale Formationen wie Kirche und Gewerkschaft ihren Vertretungsanspruch verloren haben und politische Parteien ihre soziale Zuordnung zu konservativen oder dem Mileu der Arbeiterklasse verloren haben und vor allen Dingen ihre Deutungshoheit.

Die Ursache dieser gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen liegt nicht in der Globalisierung sondern hat vielmehr zweierlei wesentliche Ursachen: Das von den Eliten gewollte Aufgehen des Nationalsstaates in “Europa” unter Aufgabe der nationalen Identität und das seit der Eurokrise offenbare Scheitern dieser Idee. Und an dem trojanischen Pferd von Umweltschutz und Klimawandel, mit dem die Rot-Grüne 68iger Bewegung die bürgerlich-konservative Gesellschaft zerstören wollte und fast zerstört hat.  Die Grüne Idee ist in Wirklichkeit genauso wie die “Globalisierung” marxistische Ersatzreligion

Die aufkommenden so genannten populistischen Bewegungen sind oft kleinbürgerlich geprägte Gesellschaftsschichten, die sich in dieser Gendermainstream Gesellschaft von keiner Organisation mehr vertreten sehen und die insbesondere in Deutschland durch die abrupten Richtungswechsel der einst konservativen Kräfte bis hin zur Kirche keine politische Heimat mehr hatten,die ihnen nun AfD, Wilders und Le Pen bieten, die oft nur politische Auffassungen vertreten, die noch vor 10, 20 Jahren gesellschaftlicher Konsens waren.

Gesellschaftliche und geschichtliche Prozesse sind aber nicht irreversibel. Der Brexit kann zu einer Renaissance des Nationalstaates führen und die Europäische Union auf die Aufsichtsbehörde eines gemeinsamen Binnenmarktes reduzieren. Und die vermeintlich moralische Überlegenheit der Rot-Grünen Linken ist seit den Straßenschlachten von Hamburg gesellschaftlich diskreditiert, auch wenn die Elite beide Prozesse (noch) nicht begreift.

P.S.: In diesem Post habe ich die Auswirkungen der Informationsgesellschaft auf die Gesellschaftsordnung außen vor gelassen. Das kann man hier nachlesen::

http://juedischerundschau.de/die-facebook-falle-des-heiko-maas-135910789/

 

 

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