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von CARL CHRISTIAN JANCKE

Henryk M. Broder sprach gerade über die Falschheit von Toleranz, als die tagende Hayek-Gesellschaft die Nachricht vom Tod Helmut Kohls erreichte. Anschließend bat er das Auditorium, in einer Schweigeminute des verstorbenen Altkanzlers zu bedenken. Nichts hätte selbstverständlicher auf dieser Tagung eines liberalen Netzwerkes sein können, dass ständig mit öffentlichem Druck und Unterstellungen lebt und doch nur der Sache der Freiheit zum Durchbruch verhelfen will. 

Wie immer wickelte die Gesellschaft ein solides wissenschaftliches und publizistisches Programm ab. Da gab es einen Nachwuchsworkshop mit Statements von jungen Wissenschaftlern : Juliane Clegg berichtete über “Hayek, Thatcher und der englische Bergarbeiterstreik Anfang der Achtziger Jahre”, Dr. Pablo Duarte über die “Gesellschaftlichen Folgen der Nullzinspolitik”, David C. Ehmke über “öffentliche Finanzen, Autonomie, Integration und Chaos” und Maximilian Tarrach über “Poppers falsifikationistischen Liberalismus.”

Roland Tichy beschrieb launig den Untergang der rechtsstaatlichen Institutionen am Schicksal der Stadt Bonn und Henryk M.Broder  forderte “mehr Intoleranz.

Im Rahmen des Festabends erhielten Mikhail Klodorkovsky und Prof. Dr. Bernholz die Hayek-Medaille. Eine sehr schöne Würdigung findet sich in der Neuen Zürcher Zeitung, wo Peter A. Fischer die beiden besser gewürdigt hat (hier und hier), als ich es hätte können. Und auch die Vorträge der Preisträger sowie eine kurzweilige aber nicht minder kritische Diskussion zwischen den Professoren Markus C. Kerber, Stefan Kooths, Gunter Schnabel und Erich Weede brachte die wesentlichen Gefahren auf den Punkt: Die Fehlkonstruktion des Euro, an dem der verstorbene Helmut Kohl nicht unschuldig war, die zu niedrigen Zinsen und die damit verbundene Geldschwemme und die unkontrollierte Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen. Schön, dass wieder darüber geredet wurde.

Und die Wirkung eines solchen Klassentreffen ist nicht zu unterschätzen.Man trifft alte Bekannte wieder und wird entgegen mancher Unterstellung gewahr: “Du bist nicht allein.” Und Organisationen wie Students for Liberty und die “Young Leader”sorgen dafür, dass der Nachwuchs nicht abreißt. Weltweit.

Aber auch wenn die Diskussion der Professores unter dem Titel “Nationalstaat oder Globalisierung” hieß, fast alles, was hier gesprochen wurde, hatte man schon mal gehört. So oder anders. Bei den Hayek-Tagen, in den Clubs oder auf den Blogs und in den liberalen Gazetten. Das ist gut so aber vielleicht nicht eben gut genug.

Am Tag danach verfolgte ich den Presseclub im Parteienfernsehen. Eine Liberale Kraft, ein liberales Argument war dort nicht zu hören. Sondern nur die unrichtigen Behauptungen von den seit 20 Jahren nicht gestiegenen Realeinkommen, der vermeintlichen Verarmung weiter Teile der Bevölkerung und der fehlenden Gerechtigkeit.

Ich weiß, dass meine  Forderung ambitiös ist: Wir müssen der Idee der Freiheit wieder eine Stimme geben, die wahrgenommen wird. Die Aufgabe eines liberalen Netzwerkes wie der Hayek-Gesellschaft ist , deutlich zu machen: Was unterscheidet eine Wirtschaftsordnung von einer Organisation? Warum führt fortwährender Interventionismus zwangsläufig zu einer Abwärtsspirale. Warum brauchen wir Zinsen und eine harte Währung und können anderen Staaten nicht helfen. Viel wichtiger aber ist auch: Welche Rolle spielt die Freiheit in der Informationsgesellschaft. Denn Hayek hat einst festgestellt: Wettbewerb ist das beste Verfahren zur Entdeckung neuen Wissens. Und so gewinnt der Liberalismus vielleicht wieder eine neue Faszination, die aus dem guten und positiven schöpft und nicht (nur) aus der Beschreibung von Gefahren und Problemen.

 

 

 

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