von Carl Christian Jancke

Ein Militärgericht verurteilt einen israelischen Soldaten wegen Totschlags, weil er einen wohl bereits kampfunfähigen palästinensischen Terroristen, der zuvor seinen Kameraden angegriffen hatte, erschoss. Das Video ist eindeutig. Israelische Soldaten befinden sich stets in einem Ausnahmezustand und palästinensische Terroristen missachten das Kriegsrecht und die Genfer Konvention. Wer sich hierzulande mit einem schnellen Urteil hervor wagt, der sei an Bad Kleinen erinnert. Der Terrorist Wolfgang Grams, der im Feuergefecht einen GSG-9 Beamten tötete und einen schwer verletzte, wurde von mindestens 5 Kugeln getroffen. Darunter traf den bereits darniederliegenden Terroristen ein so genannter aufgesetzter Kopfschuss.

Die Berichterstattung war wie immer tendenziös. Übrigens in beiden Fällen. Heute wäre der Bahnhof von Bad Kleinen vermutlich mit Videokameras ausgestattet, vom Schuss des israelischen Soldaten gibt es heute ein Video eines arabischen Aktivisten. Die Messerattacke wird nicht gezeigt, sie wäre aber notwendig, um die Ausnahmesituation zu erklären,  in der der junge Mann sich befunden hat.

Die Position der Israel Defense Force war eindeutig. Der Schuss war unrecht, das hat auch der Chef des Generalstabs festgestellt und das Militärgericht hat den Soldaten wegen Totschlags verurteilt. Offensichtlich ist der israelische Ministerpräsident anderer Auffassung und forderte die Begnadigung des Soldaten. Dafür gibt es gute Argumente, die ich persönlich nicht teile.

Zunächst einmal befinden sich israelische Soldaten, anders als die Polizisten von der Eliteeinheit GSG9, die nur temporären Stress in einzelnen Einsätzen ausgesetzt sind, bei ihren alltäglichen Einsätzen unter dauerhafter Anspannung und müssen jederzeit befürchten, dass sie selbst oder jemand anders einer Messerattacke oder aber etwa einem Anschlag mit einem Auto ausgesetzt sind (wie sich das anfühlt, wissen wir ja jetzt.) In diesem Fall wurde sein Kamerad angegriffen und von zwei arabischen Terroristen verletzt. Seine Kameraden hatten einen Angreifer erschossen, der zweite lag kampfunfähig auf dem Boden. Der Krankenwagen war bereits eingetroffen, als Elar Assara ihn durch einen Kopfschuss tötete.

Kameraden, ich verwende dieses Wort bewusst, haben eine besondere Treue- und Sorgfaltspflicht füreinander. Sie müssen sich blind aufeinander verlassen und dabei geht es um Leben und Tod. Das ist für jedermann, nicht nur einen 19-jährigen, eine schwere Belastung, die nach meiner Auffassung ein solches Verhalten zwar nicht rechtfertigt, aber erklärt.

Wenn in Israel heute gegen das Urteil protestiert wird, sollte man das auch erklären. “Palästinensische” Terroristen bedrohen das Alltagsleben in Israel seit Jahrzehnten. Sie sind keine legitimen Vertreter irgendwelcher Interessen sondern gewöhnliche, gemeine Verbrecher.

Was das heißt, erleben wir gerade in Europa, seit ein im Vergleich zu der täglichen Bedrohung der Israelis vergleichbar kleines Terror-Wellchen nach Europa schwappt. Dass ausgerechnet Israelis unter den Opfern des Terroranschlags am Breitscheidplatz waren, entbehrt nicht der Tragik. Mit dieser Feststellung will ich die Opfer des Terrors in Europa mit keinem Wort relativieren.

Skandalös ist mal wieder die Berichterstattung. Unterschwellng bringt ZDF-Studioleiterin (Tel Aviv) Dr. Nicola Albrecht endlich den Siedlungsbau in einen Zusammenhang mit dem rechtsstaatlichen Urteil: “Regierung und Justiz stehen nach der UN-Resolution gegen den Siedlungsbau unter besonderer Beobachtung und unter besonderem internationalen Druck.” Als ob das Urteil sonst anders ausgefallen war.

Erstens hat sie das Wort Siedlungsbau als Friedenshindernis erfolgreich untergebracht und zweitens den Grund der terroristischen Messerattacke auf die israelischen Soldaten als Legitimation erwähnt. Zweitens nach dem Motto: ohne die Besetzung der “palästinensischen Gebiete” durch Israel und den Siedlungsbau würde es gar keine Messerattacke geben.

Dabei hätte Frau Dr. sich vielleicht mal mit der Geschichte des Anschlagsorts vertraut machen können. Hebron ist seit Jahrhunderten Kulisse für den arabischen-jüdischen Konflikt und Beleg dafür, dass der nicht nur mit der Gründung des Staates Israels zu tun hat oder gar begann.

Schon vor der Staatsgründung gab es in Hebron so viele Juden, dass ein arabischer Mob am 23./24. August 1929 gleich 67 davon massakrieren konnte. Anlass war ein religiöser Streit um den Tempelberg und die Klagemauer in Jerusalem. Und genau so umstritten sind bis heute die diversen religiösen Stätten im für alle drei monotheistischen Religionen heiligen Land. Sowas kriegen nicht mal die Herren Kerry und Steinmeier mit UN-Resolutionen und Grundsatzreden in den Griff. Die Entfernung der Juden aus den “palästinensischen Gebieten” wird das Problem nicht lösen.

Wer übrigens Wolfgang Grams den aufgesetzten Kopfschuss verpasst hatte, wurde niemals geklärt. Blöderweise war das Projektil verloren gegangen, die Schmauchspuren waren dadurch vernichtet, dass Hände und Kopf gewaschen und ein paar Haare der Leiche abgeschnitten wurden. So funktioniert der deutsche Rechtsstaat eben auch manchmal.

 

 

 

 

 

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