von CARL CHRISTIAN JANCKE

Die Willkür des Algoritmus bestimmt längst unser Leben. Das ist bei Google und Facebook gleichermaßen so. Einerseits entscheidet er, was wir sehen. Andererseits aber eben auch, was wir nicht sehen. Mittlerweile entscheidet er auch, welche Äußerungen gelöscht werden. Das ist Zensur. Er kann zwar einzelne Begriffe sortieren, erkennt aber nicht deren semantischen Zusammenhang. Nun schickt er sich auch noch an, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und so genannte “Fake news” zu zensieren. Dazu haben Google und Facebook bereits gemeinsam ein Patent unter “The Verge” angemeldet. Es ist Zeit, dass ich mein digitales Verhalten substantiell verändere.

In den vergangenen Jahren habe ich bei der Verbreitung meiner Botschaften verstärkt auf Facebook gesetzt. Es ist so bequem und bringt auch Reichweite. Das ist ja alles, was im Netz zählt. Ich lasse mir aber nicht von einem Algoritmus vorschreiben, was ich für wahr zu halten habe und was nicht. Für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ist es gefährlich. Zur Schere im Kopf kommt die Wahrheitsfindung durch eine dumme elektronische Krücke. Ich gehe daher wie folgt vor:

  1. Mediennutzung

Ich habe nie ausschließlich auf den Algorithmus vertraut sondern nutze nach wie vor die guten alten Lesezeichen. Auf diese Weise besuche ich alltäglich die Webseiten von Medien wie der Financial Times, den Economist, CNN und aber auch CICERO, FAZ, WELT und insbesondere die NZZ, die zu den akkuratesten Beobachtern Europas gehört. Ich schaue auch immer wieder gerne bei Achgut vorbei. Die Achse war in den letzten Jahren ja leider ein wenig vorhersehbar geworden, das hat sich aber durch neue Autoren geändert. Ich nutze auch gerne Tichys Einblick, auch wenn ich fürchte, dass die Vorhersehbarkeit hier der beherrschende Eindruck wird. SPON und FOCUS haben für mich an Attraktivität eingeübt. Handelsblatt und WiWo lese ich meist nur wenn Cora Stephan (oder ich) dort gerade geschrieben. Weimer lese ich da natürlich auch. Aber auch hier gilt meist: Vorhersehbar. Bild.de ist weitgehend von meinem Schirm verschwunden. Für nicht exklusiven Boulevard-Content will ich nicht bezahlen. Die Liste bleibt unvollständig.

Dem geneigten Leser erspare ich die Automedien: Aber eins sei doch genannt. Petrolicous.com. Ein amerikanisches Automedium, das vor Schönheit stirbt.

Auch beim “user driven content” werde ich mein Verhalten verändern: Bisher habe ich natürlich die Timeline als Hauptquelle genutzt, aber gelegentlich auf den Seiten von Freunden per Facebook-Suche nachgeschaut und dabei vieles entdeckt, was mir Freude und Ärger gemacht hat.

Ich freue mich auf die Salonkolumnisten, die sicher einen anderen Liberalismusbegriff haben wie ich. Ich brauche Anregung und Diskurs.

2. Selbstdarstellung

Ich degradiere hiermit Facebook zum Sekundärmedium, wo ich in Zukunft nur noch spiegeln werde, was von mir andernorts erscheint:

a. fdogblog.wordpress.com

Hier wird man weiter politische Analysen und Kommentare von mir finden. Auf diesem Wege lade ich gerne auch Menschen mit einer Haltung, vordringlich liberal, dieses Medium zu nutzen. Dabei lege ich aber auch Wert auf Vielfalt. Verlinkt wird bei twitter und natürlich auch Facebook.

b. twitter

Politische Kurzkommentare findet man demnächst verstärkt hier. Mein Username ist das alte anmaßende aus einem Missverständnis entstandende Pseudonym euckenserbe. Walter Eucken war ein großer Ökonom, der mit seinem Buch: Grundlagen der Nationalökonomie 1938 das intellektuelle Manifest des Wirtschaftswunders veröffentlichte. Er stand im Nationalsozialismus selbstverständlich zu seiner jüdischen Frau und narrte den nationalsozialistischen Präsident der Freiburger Universität, in dem er sich als ordentlicher Professor der Gleichschaltung widersetzte. Und immer wieder von der Gestapo nach ausführlichen Verhören frei gelassen wurde.

c. Instagram

Fotos (natürlich meist nur von schönen Autos) werden in Zukunft bei Instagram veröffentlicht: Dort bin ich unter dem Usernamen ccj64b aktiv.

 

d. linkedin

berufsbedingte Auseinandersetzungen, Beiträge, Blogs und Artikel werde ich wie bisher vordringlich bei linkedin posten. Wer das mitbekommen will, muss sich dort mit mir verbinden.

 

e. Whatsapp.

Ich habe bisher aus Bequemlichkeit auf ein entsprechendes Account verzichtet. Die persönliche Kommunikation, die ich bisher nur über den Facebook-Messenger geführt habe, werde ich dorthin verlagern und auch aktiv Gruppenbildung gleichgesinnter betreiben.

 

f. Facebook

Facebook ist im Grunde ein großartiges Medium. Aber ich möchte mich nicht in Abhängigkeit von Heiko Mass, Anette Kahane und dem willkürlichen Algorithmus begeben.  Deshalb erfolgt meine Unabhängigkeitserklärung. Nich eine Plattform sondern viele. Nicht ein Algorithmus, sondern einige. Wenn ich dann mal gesperrt werde, seis drum.

Wir alle sind gefordert, zweierlei Mass, dem Algorithmus und den Links-Populisten ein Schnippchen zu schlagen.

 

 

 

 

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