von CARL CHRISTIAN JANCKE

Henryk M. Broder regt sich bei der Achse zu Recht über einen Denunzianten auf und besorgt gleichzeitig dessen Geschäft. Marisa Kurz weist auf dessen Artikel hin und zieht ein anderes Projekt “Netz gegen Rechts” aus dem Schmutz (Dreckig bleibt es trotzdem) und kommentiert die wirre Antwort des Denunzianten. Ich Depp kommentiere das wiederum hier und sorge für das, was man gemeinhin Aufmerksamkeit nennt. Sollte man solche Leute nicht besser ignorieren, statt sie aufzuwerten? Die bittere Antwort lautet allerdings: Leider Nein!

Der Mechanismus des Linkspopulismus

Die Linkspopulisten haben im Gegenteil zu ihren rechten Pendants einen Nachteil: Sie sind nicht populär. Und ihnen gehen die Argumente aus. Die Menschen, die sie vor sich selbst und rechten Einsichten schützen wollen, posten bei Facebook allerlei rechten Unsinn, obwohl ARD und ZDF es ihnen doch besser erklärt haben. Es gibt keine besondere Kriminalität unter den Flüchtlingen. Das liegt nur daran, dass das junge Männer sind. Biodeutsche junge Männer sind genauso kriminell. (Gesehen vorgestern beim ZDF und gestern bei Maischberger.) Wer das mit der Herkunft in Verbindung bringt, ist rechts.

Auf der nach oben offenen Rechts-Skala gibt es derzeit vier Steigerungsformen: Rechts (geht gar nicht), rechtspopulistisch (igitt AfD-Pegida), rechtsextrem (aber sowas von gar nicht) und Nazis (Fall für den Verfassungsschutz). Dabei sind die Übergänge fließend.

Schon ein Argument, eigentlich schon ein Schlagwort wie “Asylbewerber, Ausländer, Ausländerkriminalität” reicht zur Disqualifizierung als “rechts” aus. Das enthebt den Linkspopulisten von der Pflicht, sich mit dieser Unbequemlichkeit auseinander zu setzen.

Rechts sein korrealiert häufig mit Auffassungen, die gesellschaftlich nicht gut angesehen sind. Damit man das besser erkennt, wird derjenige gerne mit einem Attribut gekennzeichnet: Der Rechte, Rechtspopulist, Rechtsextreme oder Nazi ist dann entweder -skeptiker, .-kritiker, -gegner oder gar -phob. Auch hier handelt es sich um eine Skala der Schwere des Ketzertums, die sich mit bestimmten Begriffen kombinieren lässt: Klima-, Euro-, Homo- oder Islam-. Der jeweils Etikettierte ist nicht mehr ernst zu nehmen und muss aus der Debatte ausgeschlossen werden. Gelegentlich wird er gerne zur allgemeinen Belustigung in die Talk-Shows eingeladen, wo ihm aber auch ausreichend viele vernünftige Menschen  gegenüber sitzen, die dafür sorgen, dass er nicht zu oft zu Wort kommt. Diese Sendungen heißen nicht umsonst “Show” und tragen das Attribut “politisch” fast immer zu Unrecht.

Wutbürger

Handelt es sich nicht um einen Intellektuellen, Journalisten oder Prominenten, so eignen sich so distinguierte Etiketten nicht. Der gemeine Mensch ist ein Wutbürger und drückt seinen Unmut in Hassbotschaften aus. Das gibt dem Establishment das Recht, ihm den Mund zu verbieten. Zwar kann man seine Wut verstehen, weil als “Abgehängter” versteht er die komplexen Zusammenhänge in der Gesellschaft nicht, weshalb er davor geschützt werden muss. Sei es vom Bundesinnenminister, der auf einer Pressekonferenz nach einem vielleicht verhinderten Terroranschlag niemanden unnötig “beunruhigen” will, sei es der Bundesjustizminister, der die Betreiber der sozialen Netzwerke zwingen möchte “Hatespeech” und rechte Inhalte zu zensieren, bevor er es selber tut. Oder die ARD, die über jeden Verkehrsunfall mit zwei Verletzten und jede Beziehungstat unter Sonstiges vermeldet, aber die Vergewaltigung und Mord einer jungen Frau durch einen mutmaßlichen Afghanen als regionales Ereignis wertet und den Mann aus Gründen des Jugendschutzes nicht in die Bredouille bringen will.

 

Netz gegen Nazis

Doch Kauder, der sich auch von den Hassrednern verunglimpft fühlt, Mass, de Maiziere und Konsorten arbeiten Einrichtungen wie “Netz gegen Nazis” nicht gut genug. Sie listen deshalb “rechspopulistische und rechtsextreme Angebote” im Internet auf. Die Seite, die sich der Unterstützung der ZEIT sicher weiss und von der Amadeo-Antonio-Stiftung betrieben wird, listet den ehemaligen WELT-Chefredakteur und Herausgeber der WELTWOCHE Roger Köppel, auf der ein ordentlich gewählter Abgeordneter in der Schweiz ist. Aber für die “Rechtspopulistische” SVP.

Auch Tichys Einblick steht am “Netz gegen Nazis” Pranger. Dort schreiben der ehemalige Chefredakteur von Impulse und Wirtschaftswoche und der ehemalige Leiter des Hauptstadtstudios des ZDF (damals noch in Bonn). Der wurde übrigens auf Druck von Helmut Kohl entfernt, weil er zu unbequem war. Die Wirtschaftswoche erscheint übrigens bei Holtzbrinck, dem Medienkonzern, zu dem auch der “Netz gegen Rechts” Partner “Die ZEIT” erscheint.

Bei Achgut.com schreiben neben dem WELT-Kolumnisten Henryk M. Broder auch gelegentlich der HANDELSBLATT-Kolumist und frühere Chefredakteur von WELT, CICERO und FOCUS, Wolfram Weimer. Weimer hat auch eine Kolumne beim Handelsblatt, auch ein Organ des Hauses Holtzbrinck.

In einer mail an Marisa Kurz, die auch für die “Achse” schreibt, versteigt sich Simone Raffael, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei “netz-gegen-nazis.de” von der  Amadeo Antonio Stiftung, zu folgender Bewertung über die Achse der Guten:

“…weil sie rechtspopulistische Argumentationen verwenden: einige mit rassistisch-völkischem, andere mit islamfeindlichem oder elitenfeindlichem Einschlag (gegen Politik, Presse, vermeintliche politische Gegner_innen), dazu auch öfter ein alarmistischer oder rüder Tonfall. Beispiele finden Sie ja im Artikel zur “Achse des Guten” auf netz-gegen-nazis.de.”

Besonders interessant ist die Feststellung eines

“elitefeindlichen Einschlag”s.

Das muss man sich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Wer die Elite über Gebühr kritisiert, ist “Rechts”. Selbst wenn er im Zweifel wie die oben aufgeführten Herren im Zweifel dazu gehört. Früher hieß Elite übrigens “Obrigkeit”. Die zu kritisieren, war auch schon damals verboten.

 

Gerald Hensel

Dass die Leute sich samt und sonders heute als “Rechts” gerieren, ist also Konsens bei den Linkspopulisten. Gerald Hensel mag sie auch nicht. Soweit, sie zu boykottieren, geht er aber nicht. Das erledigen andere für ihn, die den von ihm erfundenen Hashtag nutzen. Obwohl der Werber sich zur Aufgabe gemacht hat, Unternehmen davon zu informieren, dass deren Werbebanner per Algorithmus auf Webseiten landet, die Hensel für “rechts” hält.

Hensel wendet sich per Hashtag an die Unternehmen und mißbraucht so Twitter als Pranger. Im Moment kann sich Broder sicher sein. Denn Hensel hat Breitbart.com den Kampf angesagt.  Unter dem Hashtag #keinGeldfürRechts geht er gegen die Junge Freiheit und Breitbard vor und weist deutsche Firmen, wenn deren Werbung automatisch auf diesen Seiten erscheint. Hensels Hash-Tag-Aktion macht sich deshalb so gut, weil er selber sich nicht die Hände schmutzig machen muss. Die Beschimpfung und Denunziation übernehmen dann andere. Und tatsächlich haben seine Kohorten Erfolg und bewegen Werbetreibende dazu, ihre Anzeigen bei vermeintlich rechten Medien zu stornieren. Inwieweit seine linksextreme Ansicht sich auf die Mediapläne seines Arbeitgebers Scholz and Friends auswirkt, ist eine offene Frage. 

Der Mann ist aber gar nicht so originell wie er tut.Unter #dumpkellogs hatten amerikanische Aktivisten dererlei schon i.B. auf Breitbard versucht und teilweise Erfolg. Der Cornflakes-Produzent boykottiert die rechtskonservative Seite. BMW hat sich angeschlossen, Nissan nicht, berichtet der unverdächtige Economist. Der Flächenbrand ist da und bedroht die Meinungsfreiheit. Früher galt die Unabhängigkeit der Redaktion als gesetzt.  Wer wo Werbung schaltet, wurde nur anhand der Kriterien entschieden, die die Erreichbarkeit der Zielgruppe betrafen. Dieses wichtige Prinzip bringen die Hashtager in Gefahr.

 

Fazit

Charles Krauthammer hat zur Gründung von FOX News sinngemäß bemerkt, Rupert Murdoch habe nur eine Nische gefunden: 50% Marktanteil hatte der konservative Sender sicher, schreibt der Economist.

Es beschleicht einen das Gefühl, dass die herkömmlichen Medien und das politische Establishment die blanke Angst gepackt hat. Mittlerweile reichen zur Ausgrenzung schon “elitefeindliche” Tendenzen. Dafür muss man nicht mal mehr islamophob sein.

Was die Amadeo Antonio-Stiftung angeht, sollte man mal überprüfen, ob die mit diesen Umtrieben nicht gegen Satzung, Stiftungszweck und Gemeinwohl verstößt.

Und was Chefstrategen wie Gerald Hensel angeht, sollten sich Broder, Kurz und Konsorten an die Nase fassen. Einfach mal ignorieren. Nicht mal das!

Ich hätte Leute wie Hensel gerne ignoriert. Doch leider richten sie einen größeren Flurschaden an, als ich für möglich gehalten hätte.  Dass Unternehmen Anzeigen stornieren, weil die entsprechenden Medien vermeintlich “rechts” sein sollen, sich aber tatsächlich selbstverständlich auf dem Boden der Meinungsfreiheit bewegen, ist das Denunziantentum weiter gekommen, als gedacht. Das habe ich mir nicht vorstellen können.

 

 

 

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