ted-ethiopia

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Angela Merkel treibt die Panik nach Afrika. Denn die große Völkerwanderung, die längst im Gange ist, ist keine Folge des 30-Jährigen Krieg im Dreistromland. Sondern der Tatsache geschuldet, dass Abermillionen in Afrika von der Weltwirtschaft ausgeschlossen sind únd statt ihren Produkten und Waren ihre Söhne schicken. Aus purer Not. Da helfen keine neuen Milliarden, die in die Taschen der Potentaten fließen. Wenn wir wollen, das die Afrikaner in Afrika bleiben, müssen wir denen kein Geld mehr schicken und unsere Märkte für ihre Güter und Produkte öffnen und ihnen die Chance geben, aus ihren Rohstoffen selbst was zu machen. Das sage ich nicht. Sondern die Afrikaner James Shikwati, Dambi Moyo und Eleni Gabre-Madhin. Und das seit mehr als 10 Jahren. und bestimmt nicht nur die. 

 

James Shikwati ist ein keynianischer Ökonom. Er hat nachgewiesen, dass unsere Entwicklungshilfe nur den Diktatoren und ihrer Corona die Macht sichert, weil sie gar nicht darauf angewiesen sind,  vom Surrogat der eigenen Volkswirtschaft zu leben. In den prächtigen Taschen der Stammestrachten bleibt so viel hängen, dass der Transmissionsriemen zur Entwicklung der eigenen Volkswirtschaft erschlafft. Und wenn die jungen, leistungsfähigen nach Europa flüchten statt zu verhungern, tut das den Potentaten nicht leid. Sie brauchen sie nicht.

Dambi Moyo stößt in dasselbe Horn.

“Hilfe war und ist weiterhin und durch und durch ein politisches, ökonomisches und humanitäres Desaster für die meisten Entwicklungsländer”

Und das zu Recht. Und sie weist auf die fatale Wirkung von Glamour Aid hin: Bono wird auf jedem Weltwirtschaftsgipfel eingeladen. Und sie pointiert in einem Interview von 2009 über zwei Stars, die ihr Leben so im Griff hatten, dass sie heute nicht mehr unter uns weilen.

“In endlosen Schlangen stehen die Menschen in Afrika in der Sonne und wählen Präsidenten, die effektiv machtlos sind, weil sich statt ihrer die Geber oder Repräsentanten der sogenannten glamour aid zu Sprechern für einen ganzen Kontinent gemacht haben.” Tony Blair nannte einst Bob Geldof den Mann, den er am meisten bewundert. Und Bono wird zu G8 und anderen Gipfeln eingeladen.

Moyo findet das absurd. “Wie würden die Engländer sich fühlen, wenn Michael Jackson ihnen erzählen würde, wie sie ihre Wohnungsmarktkrise managen sollen?”, fragt sie. “Wie die amerikanische Regierung, wenn Amy Winehouse anfangen würde, ihr zu erklären, wie man der Kreditklemme entkommt, und die Leute ihr auch noch zuhörten? Sie wären zutiefst verstört. Zu Recht.”

Oder Eleni Gabre-Madhin: Die ehemalige Weltbank-Ökonomin hat die Idee der Chicagoer Warenterminbörse geklaut. 1984/5 entstand in ihrem Heimatland Äthiopien eine Hungersnot, weil es keine funktionierenden Märkte für Nahrungsmittel gibt. Im Süden des Landes verdarben die Lebensmittel, weil es sich für deren Produzenten nicht lohnte, sie in den Norden zu transportieren. Dort gab es eine fatale Hungerkatastrophe, bei der Hunderttausende starben. In der Folge kreierte Bob Geldorf Band Aid. Aber wie Shikwati sagt, das füllt die landwirtschaftlichen Brachen nicht und wie Gabre-Madhin in ihrer TED-Speech von 2007 sagt, gibt es in Afrika weniger Traktoren, landwirtschaftliche Maschinen und Düngermittel als in Asien oder Südamerika. Und wie Shikwati sagt, nützt es nicht, den Bauern Trecker vor die Tür zu stellen, solange die  im Anschluss um die entsprechenden Ersatzteile betteln müssen.

Nun reist die Kanzlerin, die die Finanzmarkt- und Euro-Krise verbockt hat, eine Energiewende mit mindestens einer halben Billion Verlusten für die Volkswirtschaft produziert hat und unser Gemeinwesen mit einer illegitimen Öffnung unserer Staatsgrenzen unterminiert hat, nach Afrika, um den korrupten Diktatoren mit den großen Taschen die ein oder andere Milliarde zuzustecken. Damit die, ihre leistungs- und wohlstandswilligen Leistungsträger mit Waffengewalt (wie sonst) unter Abwesenheit von Öffentlichkeit zwingen, in ihrer chancen- und perspektivlosen Situation zu verharren.

So werden wir irgendwann von einem Kontinent überrannt.

LINKS:

http://www.zeit.de/2012/14/P-Interview-Shikwati/komplettansicht

http://www.zeit.de/2009/23/P-Moyo-Dambisa/komplettansicht

und umbedingt anschauen: Ein Plädoyer für die offene Gesellschaft: