sr2-interview

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Über Tote nur gutes. An diese Anstandsregel konnten sich die kulturlosen Kulturredakteure des SR2 Kulturradios nicht halten.  Sie konnten nicht mal an sich halten, bis der ehemalige Israelische Präsident Schimon Peres unter der Erde lag, um dem Generalsekretär der deutsch-arabischen Gesellschaft diese schöne Formulierung zu entlocken. Wahrscheinlich war der Leichnam noch nicht mal kalt. 

Dazu sind folgende Bemerkungen zu machen.

  1. Die gehässige Schlagzeile über den verstorbenden Präsident eines befreundeten Landes, der persönlich noch unter den Folgen des Holocausts zu leiden hatte und Familienangehörige verlor, ist nicht beim Muslim-Markt erschienen. Sondern bei einem durch den “Rundfunkbeitrag” finanzierten Radio-Sender, der durch die gesellschaftlichen Kräfte in Form eines Fernsehbeirates kontrolliert wird. Also Kirchen, Parteien Gewerkschaften und Landfrauen.
  2. Was qualifiziert den Geschäftsführer der Deutsch-Arabischen Gesellschaft zu einer Würdigung der Lebensleistung des ehemaligen Israelischen Präsidenten und den Wert seines Nobelpreises.  Diese Frage muss sich die SR2 Kultur-Radio – Redaktion stellen. Denn das Interesse der Grundversorger muss doch wohl im Angesichts des Todes sein, über die Lebensleistung des Verstorbenen angemessen zu berichten und auch seinen Nobelpreis einzuordnen.
  3.  Wie kann es dazu kommen, dass ein solches Interview überhaupt ausgestrahlt wird und auch noch auf der Homepage mit einer solchen Überschrift gepostet wird.

Es gibt eine einfache Erklärung: Der Antisemitismus ist in deutschen Funkhäusern salonfähig. Unter dem alten Satz “man wird doch noch…” und “Israelkritik ist kein Antisemitismus”.

Doch. Solche Israelkritik verstößt nicht nur gegen die gutten Sitten. Sie verstößt sogar gegen den bisherigen Konsens, das tote Juden gute Juden sind. Für Israelis scheint das nicht zu gelten.