nihab

 

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Politische Talk Shows im TV schaue ich eigentlich nicht. Zuviel Show und zu wenig Politik. Und immer die gleichen Protagonisten, die austauschbare Worthülsen verbreiten und das interessierte Publikum mit Main-Stream-Manna einlullen. Doch zweimal habe ich eine gewisse Frau Hübsch wahrnehmen müssen, die als konvertierte Muslimin natürlich verschleiert auftritt und sich die Hände mit dem Schütteln männlicher Gegenstücke nicht schmutzig macht. Dass die Dame gleich zweimal ihre wirre Geisteswelt im Zwangsfernsehen präsentieren darf, ist ein Skandal. Denn für die Flüchtlings-, Burka- und Kopftuchdiskussion ist die Frau ohne Relevanz.

Frau Hübsch ist Konvertitin. Sie ist nicht als Muslim sozialisiert, sondern als Bio-Deutsche. Ihren Entschluss zu konvertieren, hat sie alleine für sich gefällt. Das Kopftuch hat sie definitiv aus eigenen Stücken angelegt und dass sie Frank Plasberg am Ende den Handschlag verweigert, ist kein Ausdruck religiöser Tradition.

Wer Konvertiten aller Form kennen gelernt hat, weiß, dass die immer päpstlicher als der Papst sind und ihren vermeintlichen früheren Irrtum dadurch zu kompensieren suchen, dass sie es mit der reinen Lehre noch ernster nehmen. Das macht die Sache so unentspannt.

Wenn so jemand aber statt einer in Neukölln aufgewachsenen Frau mit arabischem oder türkischen “Hintergrund” im Fernsehen auftritt, verzerrt sie die politische Diskussion vollständig. Denn diese Frauen würden gegen eine gesellschaftliche Konvention und den Druck ihrer Männer und Familien verstoßen, wenn sie die Verschleierung abgelegt haben. Wie wir wissen, wird die Annahme europäischer Lebensformen, das Ausleben der sexuellen Freiheit vor der Ehe und vergleichbares Verhalten gelegentlich auch mal mit einem so genannten “Ehrenmord” sanktioniert, weil junge Frauen sich die Freiheit nehmen, die ihnen unsere Gesellschaft garantiert.

Plasberg und Will leisten solchen ärmlichen männlichen Kreaturen Vorschub. Wie weit sich die Diskussion verschoben hat, zeigt sich an der Tatsache, dass niemand mehr an Kopftuchmädchen Anstoß nimmt, es geht jetzt nur noch um Komplettverschleierung. Ich bin nach wie vor für das Verbot des Kopftuchs im öffentlichen Raum und folge darin dem Begründer der modernen Türkei, Atatürk.

Um so schlimmer, dass Plasberg auch noch eine zweite Konvertitin diesmal mit Komplettverhüllung vorführt. Hier waren nur noch ihre Augen durch zwei Schlitze zu sehen. Absurder ist nur noch deren Begründung: Ohne Totalverschleierung würde sie als Europäerin erkannt und mit unliebsamen Fragen konfrontiert. Auf eine solche Argumentation käme die einfache Afghanin, die das Ding bei der Hitze vielleicht gerne loswerden würde, bestimmt nicht.

Wenn das öffentlich-rechtliche Parteienfernsehen solche Frauen zu Protagonistinnen des Islam macht, verzerrt es die Wirklichkeit.