facebook zensur 01

Oben stehende ISIS-Propaganda wurde auch auf Hinweis von Facebook nicht gelöscht, obwohl sie wohl tatsächlich gegen die “Community-Standards” des sozialen Netzwerks verstößt. Andere vollständig harmlose Äußerungen werden dagegen gelöscht und ihre Autoren gesperrt. Das nennt man Willkür. 

CNN meldet (via Jennifer Nathalie Pyka), dass Facebook eine Million Meldungen über Verstöße gegen Recht und “Community Standards” erhält. Diese Menge lässt sich wohl nur per Algorithmus und Schlagworten überprüfen und ggfs. löschen. Die Treffgenauigkeit hängt an der Qualität des Algorithmus. Und die ist schlecht.

Dass oben dargestellte Hasspropaganda sich da nicht mit auffinden lässt, hat deshalb einen einfachen Grund. Da die Schrift auf einem Foto erscheint und nicht im Kommentarbereich, wird sie von der Automatik des Schlagwort-Algorithmus  nicht gefunden und der Beschwerdeführer abschlägig beschieden. Das Ganze geht offensichtlich ohne den Einfluss der Menschenhand ab. Zensurabwehr per Photoshop.

Offensichtlich spült aber auch dieser Algorithmus ein paar willkürlich ausgwählte auf die Bildschirme der Mitarbeiter des Facebook Community Managements. Wie das vorgeht, schreibt eine Mitarbeiterin an das Facebook-Account von Jana Lein:

 

“Jana Lein ich kann gerne ein paar Sachen erzählen, ohne (Ex)-Mitarbeiter in Schwierigekeiten zu bringen. Bezüglich des Wohnorts ist es zunächst so, dass du angeben kannst was du willst, aber geschaut wird (per IP Adresse) von wo du dich am häufigsten anmeldest, d.h. du kannst New York als Wohnort angeben, aber wenn du dich zu 80% mit deutscher IP anmeldest, wirst du an die deutschen “Community Standards” gehalten. Wenn sich jemand bei FB bewirbt, wird in dem Bewerbungsfomular nach dem privaten Konto gefragt, was die meisten auch angeben (weil sie denken, es könnte früher oder später sowieso gefunden werden), d.h. sie haben alle deine Angaben, die du jemals gemacht hast (Religion, politische Richtung etc.).

Als der ganze Ärger bezüglich der “Zensur” losging, enstand nahezu ein “Krieg” im Department, viele haben sich gegenseitig angeschwärzt nicht neutral genug zu sein etc. Es gingen dann einige E-Mails umher nach dem Motto “es wird alles entfernt, was allgemeine Unruhe stiften könnte” (links ist okay, mitte/rechts muss weg wäre die “in a nutshell” Übersetzung davon). Da die meisten multilingual Firmen in Irland mit einem Bonus System arbeiten und im Community Department alle entfernten Beiträge von einer zweiten Person überprüft werden, bekommt man Punkte für Übereinstimmungen, die zum Bonus beitragen (offiziell sagt Facebook alle Mitarbeiter haben einen juristischen Hintergrund, aber das ist gelogen, die meisten haben zwar studiert, aber häufig etwas ganz anderes und lernen im 2!! Wochen Training was erlaubt ist und was nicht, genügend Raum zur Intepretation gibt es da wohl auch).

Wenn ein Mitarbeiter also Sachen entfernt und der Supervisor zustimmt ist es gut, umgekehrt gibt es Ärger. Hat der Supervisor eine bestimmte Meinung, musst du die auch haben oder es gibt keinen Bonus. Nach einiger Zeit wurde der Druck wohl so hoch, dass fast alles, was von anderen markiert wurde, einfach direkt entfernt wurde, wenn es eher Mitte/Rechts war und der Algorithmus entsprechend so manipuliert, dass die Chance höher ist, gewisse Artikel schneller im Newsfeed zu sehen als andere. Jeder wusste davon und es ist quasi “common knowledge” bei Mitarbeitern jeder Sprache.

Facebook zeigt, was es dir zeigen will, zwar auch was du “geliked” hast, aber im Durchschnitt, wenn möglich, weniger. Inzwischen ist es an einem Punkt angekommen, entweder du machst, was wir sagen oder du fliegst. Mitarbeiter, die gewisse Sachen “erlaubt” haben (also was andere Nutzer reported haben), wurden dann im Gespräch mit HR mit ihrem privaten Facebook Verlauf (inklusive politischer Richtung, Religion etc.) konfrontiert und für nicht existente Delikte gefeuert, weil sie nicht ins Schema passten (das ist in Irland gegen das Arbeiterrrecht und es gibt einig bestehende Fälle mit der Workers Union, die zur Zeit offen sind). Inzwischen ist es auch common knowledge in der Community Operations Abteilung, was für eine politische Richtung angestrebt wird und danach wird gehandelt, weil BONUS!

Ich kenne mehr Details,Daas  möchte nur nicht zu viel öffentlich posten, da es einige offene Arbeitsrecht-Fälle gibt und einige Leute an die Presse gehen wollten (die Frage ist natürlich, ob dies gemacht wird und ob jemand an der Geschichte interessiert ist und sie wirklich veröffentlicht).”

Das ist der Fleisch gewordene Algorithmus. Im vorauseilenden Gehorsam werden politische Inhalte gelöscht, die der Garantie der freien Meinungsäußerung genügen und nicht etwa dem Tatbestand der Beleidigung oder Volksverhetzung, nur weil der Bundesjustizminister Heiko Mass in vollständiger Überziehung seiner Kompetenzen unter dem Deckmantel, “Hatespeech” zu verhindern, missliebige politische Äußerungen totmachen lässt und im Interview verkündet, damit nicht einmal zufrieden zu sein. Facebook sorgt für Vollzug mit Bonussystem. Der Mann ist der “Verfassungsminister”. Und gegen die verstößt er, weil er unliebsame Äußerungen verbieten will, obwohl sie eben keinen Straftatbestand darstellen.

Facebook, so könnte man meinen, ist ein Privatunternehmen. Es kann löschen und sperren, wen und was es will. Doch das ist falsch. Denn mit seinen Nutzer ist es einen Vertrag eingegangen. Der kann die Plattform nutzen und bezahlt die mit Inhalten und mit Daten. Inhalte, die weitere Nutzer dazu bringen, Facebook zu nutzen. Damit generiert Facebook in Form eines Schneeball-Systems neue Daten und neue Inhalte und kann damit vermeintlich punktgenau Werbung auf den Bildschirm seiner Nutzer spülen.

Damit hat Facebook sich verpflichtet, eine Leistung zu erbringen: Den Zugang zum sozialen Netzwerk. Es ist auch rechtens, wenn Facebook den Nutzer sperrt, wenn er gegen vorher kommunizierte Nutzungsbedingungen verstößt.

Doch genau das ist nicht der Fall. Facebook sperrt nicht entsprechend der eigenen Regeln, sondern zufällig mit einer gewissen im Algorithmus formulierten Prämisse gegen vermeintlich “rechte” Inhalte. Damit folgt man dem Druck des Justizministers und verstößt gegen die Vertragsbeziehung mit dem “Mitglied”.

Das soziale Netzwerk sollte sich deshalb so verhalten wie der Kneipenwirt: Er ist nicht für die Äußerungen verantwortlich, die am Stammtisch fallen. Facebook auch nicht für das, was die User schreiben. Und deshalb sollte das Löschen ersatzlos eingestellt werden. Gerade weil zuviele davon betroffen sind, die sich sowohl nach Recht und Gesetz als auch nach den Facebook-Regeln verhalten haben.

Wen ein Inhalt stört, der holt sich bein zuständigen Amtsgericht einen entsprechenden Titel oder erstattet Strafanzeige. Das reicht. Dafür ist der Rechtsstaat da, und nicht Facebook.

 

 

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