guardian

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Verschiedene französische Kommunen haben nicht etwa die BURKA verboten, sondern den BURKINI am Strand und setzen dies mit Polizeigewalt durch. A oder Z. Ausziehen oder zahlen. Natürlich geschieht dies auch im Rahmen der Antiterror-Gesetze. Vor allem aber ist es eine Maßnahme zur Durchsetzung der Säkaluration, die in Frankreich Verfassungsrang hat, der Menschenwürde, der Frauenrechte und der Aufklärung. Die Entwicklung hat ein Vorbild: Den Frauenrechtler Atatürk, der zufälligerweise auch den modernen türkischen Staat gründete und damit den Wohlstand der heutigen Türkei. Erdogan hat nur abkassiert und wird sie ruinieren. 

Vor einiger Zeit übernachtete ich in Düsseldorf Kaiserswerth im “Hotel Mutterhaus”, einer soliden Einrichtung. Der merkwürdige Name weist auf die frühere Nutzung des Gebäudes hin: Hier lebten Diakonissinnen, die man an ihrer Tracht erkannte. Zu einer grauen Uniform trugen sie eine weiße Spitzenhaube.

Als Theodor Fliedner die Anstalt gründete, gab er hier evangelischen Frauen eine Heimat, die sonst als alte Jungfern erst bei ihren Eltern und dann bei ihren Geschwistern benachteiligt auf der Couch sitzen geblieben waren. Sie lernten einen Beruf, meist den der Krankenschwester und hatten ein erfülltes Leben.

Und sie kamen unter die Haube. Die trugen sonst nur verheiratete Frauen, für die ihre Ehemänner von den Vätern die “Verantwortung” übernommen hatten. Bei den Diakonissen war dies deFacto eine Ehe mit Gott, die ihr das Recht verlieh, gesellschaftliche Anerkennung durch das Tragen der Haube zu erlangen. Und nun habe ich einer der bescheidenen Zimmer, natürlich ausgestattet mit einer zeitgemäßen Naßzelle und den Blick auf den Altbau des Krankenhauses, in dem sie gedient haben, und die parkähnliche Anlage übernachtet. Das war früher als solches noch durch das Rote Kreuz, das man auf´s Dach  gemalt hatte, in meiner Jugend noch gut zu erkennen.

Heute heißt die Diakonissenanstalt Diakonie und ihre Namensgeberinnen sind weitgehend ausgestorben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Als Frau kann man an Gott glauben, evangelisch sein und unverheiratet, ohne gesellschaftliche Repression zu erfahren und sein Leben selbstverständlich selbstbestimmt leben.

Genau das hat Atatürk, der Gründer der türkischen Republik  gewollt. Er setzte nicht nur die Republik durch und eliminierte das Duopol zwischen Sultanat (weltlich) und Kalifat (religiös), sondern war ein aktiver Verfechter von Gleichberechtigung und Emanzipation und öffnete die Schulen für Mädchen und die Universitäten für Frauen. Und er verbot die Verschleierung von Frauen im öffentlichen Raum genauso wie die traditionelle Kopfbedeckung der Männer, den Fez/Turban etc..

Atatürk wollte eine aufgeklärte Republik, einen säkularen Staat und ging dabei sicherlich nicht zimperlich vor, insbesondere die Kurden und die Armenier hatten unter ihm zu leiden. Die Frauen nicht.

Gesellschaftliche Prozesse sind eine langwierige Veranstaltung. Sie brauchen Jahrzehnte, um zu greifen. Gerade wenn es etwa um die Mitwirkung der Frauen in den gesellschaftlichen Eliten geht.

Von Atatürk lernen, heißt siegen lernen. Kopftuch, Burka und Burkini sind Symbole mit vermeintlich religiösem Hintergrund, die den Islam instrumentalisieren, um die Frau zu unterdrücken. Freiwillige Fesselspiele gehören aber in´s Schlafzimmer und nicht in den Supermarkt. Wenn eine Minderheit sich davon nicht betroffen fühlt, so müssen sie in Kauf nehmen, dass dies in dieser Gesellschaft verboten sein muss, um das Recht der Frau auf Selbstbestimmung, die Religionsfreiheit aller Religionen und die Aufklärung zu schützen.

Das sollten wir den Muslimen mit Hinweis auf Atatürk und mit der Demut vermitteln, dass hierzulande lange genauso gehandelt wurde. Heute ist die Frage, ob eine Frau verheiratet ist und damit in der Öffentlichkeit den Besitzanspruch ihres Mannes nur noch folkloristischer Natur: Auf dem Oktoberfest tragen alle Damen das wieder in Mode gekommene Dirndl. Nur der wahlweise rechts oder links getragene Knoten weist den Familienstand aus. So ist das richtig.

Die Franzosen haben deshalb völlig Recht, wenn sie gegen diese Symbole in der Öffentlichkeit mit Polizeigewalt vorgehen.  Das sind wir den Frauen schuldig. Nicht nur uns selbst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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