Rechtsnetz

von CARL CHRISTIAN JANCKE

In meiner Jugend war es noch normal, rechts zu sein. Das waren schon die Aktenkofferträger der Schülerunion mit ihren Pilotenbrillen und Delsey-Aktenkoffern gerne , die sich in der großen Pause in die Bresche warfen, wenn die “linken” Schulkameraden “Birne darf nicht Kanzler bleiben” skandierten. Heute verhält sich die Einstufung als “rechts” zum  Nationalsozialismus wie das Fegefeuer zur Hölle. Nur die Vorstufe, ganz schön heiß und es kann ein Leben lang dauern.

Mit der Linken ist es wie mit dem Islam. Solange man sich in der Minderheit wähnt, fordert man Toleranz. Das ist eine Kehrseite der Demokratie. Auf ihrem langen Marsch durch die Instutionen haben die teils grün gewandeten 68iger und ihrer Nachfahren alle Schaltstellen der Macht besetzt und eine Gesinnungsdikatur der “Gutmenschen” errichtet. Wer gegen den Gender Main Stream der Klimareligion, die Euro-Rettung, den Islamismus und den völlig unkontrollierten Zustrom von Flüchtlingen opponiert, wird wahlweise als Bindestrich-Skeptiker oder  -phobiker etikettiert und in die rechte Ecke abgeschoben. Rechts als Totschlargument sozusagen und das gilt insbesondere für die gesellschaftliche Reputation.

Mittlerweile ist überhaupt nicht mehr maßgeblich, was jemand sagt, sondern ausschließlich wer. Die Denunziation ist zum prägenden Element des politischen Diskurses geworden. Das ist nicht weniger und nicht mehr als das Ende der Aufklärung.

Das erlebte ein ehemaliger Spitzenbeamter, verdienter Sozialdemokrat, Leiter, Vorstand und Geschäftsführer diverser staatlicher Unternehmen bis hin zur Deutschen Bahn und damalige Vorstand der Deutschen Bundesbank, als er seine private Meinung in Buchform kund tat. Im Sommerinterview des Gebührenfernsehens brauchte die Kanzlerin nur zu verkünden, das Buch, dass sie nicht gelesen hatte, sei “nicht hilfreich”. Nach einem wochenlangen Kesseltreiben, mit dem man die Reputation des ehemaligen Regierungsmitglieds trotz jahrzehntelanger Verdienste um das deutsche Gemeinwesen, war der Mann seinen Job los. Anschließend geriet seine Frau in Sippenhaft und musste ihren Beruf aufgeben, den sie jahrzehntelang unbeanstandet ausgeübt hatte

Das Exempel war statutiert. Jeder, der gegen die Leitlinien, die die Kanzlerin vorgibt, verstößt, weiß jetzt, womit er rechnen kann, wenn er von seinem Grundrecht auf Meinungsäußerung Gebrauch macht.

Seine Name, der geneigte Leser weiß es längst: Thilo Sarrazin.

Wen überrascht es,da dass der Name des Sozialdemokraten Sarrazin als einer der ersten im neuen “Wiki” der Antonio Amadeo Stiftung “die Neue Rechte” auftaucht, die die “Neue Rechte wie folgt definiert:

Der Begriff »Neue Rechte« wird erstmalig ab dem Ende der 1960er Jahre von Rechtsextremen genutzt. Sie beschrieben damit vordergründig intellektuelle und parteipolitische Gruppierungen. Mit der Wiedervereinigung erhielt die »Neue Rechte« verstärkt Zulauf. In den 90ern entwickelte sich eine schlagkräftige Neonazi-Szene, aus der heraus rassistische Morde, Angriffe auf Asylbewerberheime und Pogrome begangen und organisiert wurden. Lange wurde die »Neue Rechte« als ungefährlich und marginal verharmlost. Im Kern lehnt die »Neue Rechte« einen demokratischen Verfassungsstaat ab und hängt einem völkischen Nationalismus an. In den letzten Jahren hat sich die »Neue Rechte« – insbesondere mit Hilfe der Sozialen Medien – zu einem Phänomen der breiten Öffentlichkeit gewandelt: Die »Neue Rechte« wird zunehmend Teil der gesellschaftlichen Debatte. Ihre Köpfe, wie Götz Kubitschek beispielsweise, sind eng mit den politischen Akteur_innen von AfD vernetzt und dringen in den Mainstream vor. Rechtsextreme Ideologie ist mittlerweile digital, vernetzt und wird seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen 2015 konsequent auf der Straße in Gewalt übersetzt. Die Zahl der Angriffe auf Unterkünfte für Geflüchtete und Unterstützer_innen steigt unaufhörlich an. Die Stimmung gegen die traditionellen Feindbilder der Neonazis wird stetig aggressiver.”

Zur Würdigung siehe auch: https://sciencefiles.org/2016/03/11/neue-denunziantenkultur-amadeu-antonio-stiftung-erstellt-wohl-abschussliste/

So funktioniert Diffamierung. Dass Anfang der Neunziger ein Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen brannte, ist direkt auf die politischen Ansichten des damaligen Spitzenbeamten und späteren Geschäftsführer der Treuhandliegenschaftsgesellschaft zu verdanken, der das Asylbewerberheim damals bestimmt gehörte.

Nach dieser Logik taucht in dem Wiki, das “von jungen Leuten zwischen 16 und 25” gemacht wird, sogar die Merkel-CDU auf. Also ist die Bundeskanzlerin auch daran schuld, dass der rechte Mob auf deutschen Straßen tobt. Nur eine Frage der Zeit, dass sie auch in dem Netzwerk auftaucht, weil sie mal Alexander Gauland die Hand geschüttelt hat, als der noch Chef der hessischen Staatskanzlei war oder vielleicht mit Herrn Hohmann in einem Kabinettssaal gesessen hat.

Dieser Pranger ist derzeit scheinbar unbedeutend, bis er von einer oder einem der üblichen Protagonisten in irgendeiner Talkshow als wissenschaftliche Quelle genannt wird. Deshalb sollte die so genannte Stiftung ihn schlicht abschalten. Andernfalls sollte man darüber nachdenken, ihr den Status der Gemeinnützigkeit zu nehmen.

P.S.: Damit kein Zweifel auftaucht: Die meisten vom “Wiki” genannten Personen sind mir nicht sehr sympathisch. Auch die meisten geäußerten Meinungen vom genannten Personenkreis teile ich nicht. Ich halte es aber für geboten, dafür einzutreten, dass sie diese vertreten dürfen. That´s my point