Nach den Regularien des ö.r. Rundfunks dürfen politische Parteien nur dann an den “Elefantenrunden” teilnehmen, wenn sie vorher schon im Parlament waren. Diese mediale Fünf-Prozent Hürde sollte wahlweise die Grünen in den Achtzigern, die Republikaner und zwischenzeitlich auch die PDS aus den Studios halten. Wer im Parlament sitzt, hat meist auch Sitz und Stimme im Rundfunkrat. Nun ließ der SWR die Grünen zur Diskussion zu, obwohl die nicht im Parlament sassen. Sie meinen, die sitzen gar in der Regierung. Das war nur schon 2011. Und jetzt hat der öffentlich-rechtliche Sender eine Diskussion an der Backe: Warum lässt er die FDP und die AfD dieses mal nicht zu?

Die ehemalige Weinkönigin Julia Klöckner ist ein Vollprofi. Sie ahnt, dass die Relevanz solcher TV-Duelle im Politbetrieb zwischen Demoskopen und Parteien erschöpft und für das tatsächliche Wahlergebnis mittlerweile kaum eine entscheidende Rolle spielt. Das Fernsehen hat längst die Funktion des virtuellen Lagerfeuers verloren, um das sich die Familie am Abend versammelt, und wer fernsieht, hat mittlerweile mehr Auswahl als früher bei den drei Programmen. Dass sich jemand vor den Flimmerkasten setzt und vom Verlauf des “Duell” genannten Austausch von Allgemeinplätzen seine Wahlentscheidung abhängig macht, ist eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass er nach dem Genuss des Dschungelcamps den Wahltag verschläft.

Julia Klöckner macht das beste draus. Sie zeigt mit nackten Finger auf SPD und SWR und verweigert sich der Teilnahme an dem ziemlich langweiligen Polittheater, das seit Jahrzehnten unter Wähler- und Zuschauerschwund leidet.  Ihr Eintreten für die Chancengleichheit der FDP und die Furchtlosigkeit vor der AfD beschert ihr im virtuellen Mediendschungel binnen Kürze die erste Stelle auf allen Websites der Publikumsmedien. Kein Vergleich zur Media-Analyse von SWR Regional. Publikumssteigernd, dass der WELTN24-Vize Ulf Poschardt höchstselbst zum Hörer griff und mit der adretten Blondine ein Interview führte.

Da schaut die Konkurrentin “Malu” der  Bär Dreyer bedröppelt in die öffentlich-rechtliche Fernsehröhre und kann sich mit ihrer grünen Koalitionspartnerin im Scheinwerferlicht des Provinzsenders aalen. Oder sie bietet Klöckner ein bilaterales Duell um die Wahl des Ministerpräsidenten an, was in der Welt der Mediendemokratie ebenfalls nur ein deutlicher Punktgewinn für die CDU-Spitzenkandidatin auf dem Weg in´s Kanzleramt bedeutet. Denn dafür geeignete Männer gibt es kaum. Und Merkel wird bis dahin schwer durchhalten.