Ich bin ein Mann. Damit fängt das Elend schon mal an. Nicht alt, nicht jung, der klassische Baby-Boomer. Weiß und auch noch heterosexuell. Bekennend und damit ein potentieller Gefährder: Von mir könnte das Gesellschaftsphänomen “Sexuelle Gewalt” ausgehen. Genau genommen sieht das aber ganz anders aus. Zeit meines Lebens wurde ich diskriminiert. Ich bin ein Opfer!
Mit meinen pubertären Zurücksetzungen will ich nicht langweilen. Warum aber meine Sandkastenfreundin Katrin mich ungeniert schlug und ich nicht zurück, blieb mir stets ein Rätsel. So kam ich das erste Mal mit weiblicher Gewalt in Berührung. Obwohl ihre Mutter mich stets aufforderte, mich zu wehren.

Das war aber erst der Anfang einer langen Kette. Nach dem Abitur wurde die Diskriminierung dann staatlich. Als Mann mußte man zum Bund. 15 Monate Abenteuerurlaub mit Y-Reisen, während unsere Mit-Abiturientinnen das süsse Studentenleben genossen. Die hatten es gut, während unsereiner wahlweise durch den Schlamm robbte oder sich im Mannschaftsheim die Hucke vollaufen ließ. Manche proklamierten ein im Zweifel nicht vorhandenes Gewissen und durften deshalb Zivildienst leisten. Nur, weil sie Männer waren. Die Mädels machten sich einen schlanken Fuß.

Schon damals zwang die Versicherungswirtschaft uns in untermotorisierte Kleinwagen. Weil einige unserer Alterskohorte sich blöderweise mit höher motorisierten Gefährten tot gefahren hatten, sollte unsereins für halbwegs fahrbare sportliche Gefährte horrende Versicherungsprämien zahlen. Obwohl wir uns doch persönlich gar nichts hatten zuschulden kommen lassen. Die Zeit zwischen 18 und 25 überstand ich fast unfallfrei. Den einzigen Totalschaden verursachte eine ältliche Französin bei Grasse, schon wieder eine Frau.

NUR weil ich ein Mann war und NUR weil ich so jung war, wurde ich mit anderen Männern einfach in einen Topf geworfen. Ohne, dass ICH etwas dafür gekonnt hätte. Aber so ging es weiter.

In den mündlichen Prüfungen waren  die adretten Kommolitonen mit Kostüm und Bluse klar im Vorteil – auch wenn ihre weniger adretten Geschlechtsgenossinnen mit den selben Nachteilen zu kämpfen hatten, wie ich. Und den konnten sie bei der Bewerbung gleich ausnutzen: “Bei gleicher Qualifikation werden weibliche BewerberInnen bevorzugt”. So erging es vielen.

Ich bin ein Opfer der Quote. Denn dass vor mir mehr Männer als Frauen in irgendwelchen Jobs oder Führungspositionen waren, dafür kann ich nichts. Ich werde diskriminiert, weil ich ein Mann bin.

Gleichzeitig erwarten die emanzipierten Frauen, dass ich vor ihnen ins Restaurant hinein und hinter ihnen hinaus gehe, nachdem ich erst die Rechnung beglichen und ihr dann in den Mantel geholfen habe. Ist man erst verheiratet und hat Kinder, dann darf man sich eigentlich nur der Erziehung widmen, wenn man mindestens mehr verdient als die Gattin. Und eine höhere Position. Das Kind pünktlich um vier kann man trotzdem abholen.

Unverheiratete Väter sind bei der Trennung rechtlos. Verheiratete erhalten i.d. R. ein Besuchsrecht, während die Mutter ganz den Naturrechten entsprechend vom Scheidungsrichter das Sorgerecht zugesprochen kriegt. Wie wäre es denn hier mal mit einer “Männerquote”: In mindestens 33% aller Fälle muss das Sorgerecht den Vätern zugesprochen werden. Das wäre doch mal nen Anfang.

Stattdessen kriegen die Mitglieder meiner Alterskohorte von ihrem Aufsichtsrat zu hören, mit dem lange avisierten Vorstandsposten im DAX-Konzern werde es leider nichts. Da müsse erst mal eine Frau drauf. Eine ordentliche Gehaltserhöhung ist das Trostpflaster für diese Diskriminierung, mit der i.d.R. eben Frauen mit einer geringerem Qualifikation an einem vorbeiziehen.

Als Angehörjge des dominanten Geschlechts, das das weibliche spätestens seit dem Auszug aus den Höhlen unterdrückt, ist unsere Generation schuldbewußt genug, all das zu ertragen und uns in das vom Gendermainstream beeinflußte Schicksal zu fügen. Schließlich hatten unsere männlichen Vorfahren ja jahrtausendelang die Hosen an.

Aber jetzt reichts. Aus den Winkeln kriechen jugendliche Amazonen, die mich in ihrem feministischen Wahn mit dem Mob in einen Topf werfen wollen, der sich in der halben Republik wohl tausendfach an jungen und nicht mehr ganz so jungen Frauen vergangen hat. Schon vor dem Auftreten von solchen massenweisen Erniedrigungen habe es in Deutschland sexuelle Gewalt als Massenphänomen gegeben. Zu neudeutsch nennen die Damen, deren Namen mir nicht über die Lippen kommen wird, das “Rape Culture”. Hört sich irgendwie nach Lounge-Soziologie an.

Als Beispiel wird landauf landab das Beispiel des Münchner Oktoberfest genannt. Bei dem gäbe es alljährlich 10 angezeigte Vergewaltigungen und eine Dunkelziffer von 200 Sexual-Delikten. Das Münchner Oktoberfest findet 16 Tage lang statt und 5,3 Millionen Menschen besuchen diese Veranstaltung freiwillig. Niemand zwingt sie dazu.

Wer auf dem Kölner Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, wollte dort nicht Sylvester feiern. Er ist auf den Zug angewiesen.  Der Passagier/die Passagierin betritt einen öffentlichen Raum und hat keine Alternative dazu. Ein paar Hundert Menschen, die die Bahn als Verkehrsmittel nutzten, wurden mit ein paar tausend Menschen konfrontiert, die Frauen betatschen, in den Schritt und alle Körperöffnungen fassen und dabei beiläufig Geld, Portemonnaie, Wertsachen und Mobiltelefone rauben. Am Ende stehen über 500 Strafanzeigen und auch hier wird es eine Dunkelziffer geben. Bei ein paar tausend Menschen in ein paar Stunden. Das ist, rein statistisch kein Vergleich mit dem Oktoberfest.

Ein Anruf der FAZ bei der Pressestelle der Münchner Polizei brachte Klarheit. 10 Vergewaltigungen hat es nicht gegeben bei den Oktoberfesten. Im letzten Jahr zwei Strafanzeigen. In diesem Jahr eine wegen des Versuchs. Eine Dunkelziffer kennt der Pressesprecher der Polizei nicht. “Sonst wäre sie ja nicht dunkel”. Offensichtlich sind Männer selbst im Vollsuff immer noch nicht ganz so zügellos wie von den Amazonen unterstellt.

Was die Damen sonst unter dem Stichwort #Aufschrei oder Alltagssexismuns gesammelt haben, ist geschmacklos, für das männliche Geschlecht kein Ruhmesblatt. Aber keine “sexuelle Gewalt.” Der geringste Teil der Autorinnen schildert wirklich Gewalttaten und Übergriffe. Die meisten beziehen sich allenfalls auf verbale Anzüglichkeiten möglicherweise Angetrunkener oder auf Geschmacklosigkeiten ihrer Freunde/Männer im heimischen Schlafzimmer.

Mir selbst ist wie vielen anderen Männern, die ich kenne, ein solches respektloses Verhalten fremd. Es ist kein “gesellschaftliches Phänomen”, sondern Ergebnis individuellen Fehlverhaltens. Mehr nicht.

Wenn die Damen, die als Zwischenruferin im ZDF-Heute-Journal, Studiogast im Morgenmagazin oder Kolumnistin bei Spiegel Online tätig sind, ihre krude Sicht verbreiten, beleidigen und diskriminieren sie nicht nur mich. Sie machen ein paar Männer zum Phänomen, mit denen der größte Teil desselben Geschlechts nichts zu tun haben und die nicht einmal wissen, was “Rape Culture” ist.

Auch das werden wir ertragen. Was schlimmer ist: Diese Damen verhöhnen die Opfer wirklicher Gewalt, die angegriffen wurden, an denen sich Männer vergingen und die vergewaltigt wurden. Männer, die nicht weiß und distinguiert sind wie ich. Sondern Männer, die das ihnen eingeräumte Gastrecht mißbrauchen und die die Bevölkerung gegen Asylanten und Flüchtlinge aufbringen. Dafür kann ich als weißer, heterosexueller Mann mittleren Alters leider nichts und ich hab auch nichts damit zu tun.