Der Mann kommt aus einer anderen Zeit, als München noch die heimliche Hauptstadt war. Der Mittelpunkt. Berlin machte damals allenfalls durch die Mauer, Hausbesetzungen und die 1.Mai Krawalle von sich Reden. München dagegen war die Kombination aus Anarchie und Establishment, gepaart mit einem schlitzohrigen Humor. Das bayrisch-barocke Lebensgefühl hat die Bundesrepublik geprägt. Und Helmut Dietl hat ihm mit den “Münchner Geschichten”, dem “Monaco Franze” und “Kir Royal” ein Denkmal gesetzt. Jetzt ist er tot.

Dietls TV-Serien waren auf Netflix-Niveau. Er lebte von Werbespots und hatte das “Fuck-You-Money”-Syndrom. Auf das öffentlich-rechtliche Daseinsvorsorge-Geld war er nicht angewiesen. Er hatte die innere Freiheit, den Fernsehräten unerschrocken entgegen zu treten, das hat ihn befreit.

Dietl war ein Chauvi im besten Sinne. Und das waren auch seine Charaktere. Der Monaco Franze und Baby Schimmerlos. Nomen est omen.

Das stenzige München, das sich die dicken Porsches nud BMWs leisten konnte, ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Hauptstadt gewichen, deren hervorstechende Eigenschaft seine sexualisierte  Armut ist.

Die Bonner war in Wahrheit eben eine Münchner Republik. Ein wenig neureich, prall aber voller Ironie. Dietl hat sie unsterblich gemacht. Er selbst ist es leider nicht.