Ihre künstlerische Klasse bewies sie augenscheinlich wieder, als sie bei der Wiederholung der Udo Jürgens Geburtstags-Gala gnadenlos-schmalzig gegen Yvonne Catterfield, Annette Louisan und Christina Stürmer unterging, die keinen Schlager präsentierten, sondern eigenwillige Interpretationen seiner großen Lieder. Bei Fischers Vortrag konnte man dagegen den Schmalztopf unter beide Lautsprecher des Fernsehers stellen. Sie ist das Symbol der neuen deutschen Spießigkeit, eine Reinkarnation der sünd- und freudelosen Fünfziger, ein Zitat von Plaste und Elaste. Dass die Fußballweltmeister gezwungen wurden, sich von ihr mit einem belanglosen “Atemlos durch die Nacht” empfangen zu lassen und dabei auch noch die Kopfhörer absetzen mussten, war für die Nation eine Zumutung. 

Die Frau hat Stimme. Die – zugegeben – wenigen – Arrangements, die ich ertragen habe, waren getragen von merkwürdig-künstlichen Plastik-Syntheziser, wie sie früher von dem Seite Drei Busenwuder Samantha Fox für ihre Kassenschlager eingesetzt wurden, zeugten aber davon, dass man auch nicht singen kann, wenn man den Ton trifft.

Das künstlerische Armutszeugnis wirkt mit seiner adretten Asexualität wie ein Import aus den Fünfzigern. Dass Altstars wie Udo Jürgens und Peter Maffay sich bei ihr ein Stelldichein geben, ist weniger ihrer künstlerischen Klasse. Die Frau macht Quote. Ganz ohne Manu Schwesig.

Es ist ein paar Jahre her, da schickten wir “Lena” zum Grand Prix, eine Ikone, die auch im Brit Pop was werden konnte.  Jetzt haben wir die Ikone der GroKo, die sich gleichzeitig auf der Festplatte der PEGIDAs findet.

Heute abend 20.15. Letztmalig mit Udo Jürgens. Wie immer ohne mich.