Was wäre eigentlich los, wenn eine Reinigungsfirma ihre Mitarbeiter mit 1,25 Euro pro Stunde, drei Bier und einer warmen Mahlzeit bezahlen würde? Das sind die Konditionen, zu denen in Essen im Auftrag der Stadt arbeitslose Alkoholiker den Willy-Brandt-Platz putzen sollen. Der zuständige Sozialdezernent verbittet sich Kritik an der Ausgabe von Alkohol an Süchtige durch staatliche Stellen mit dem launigen Spruch: “Mit Speck fängt man Mäuse”. Außerdem diene das Projekt doch vor allem den Alkoholkranken, die Dank ihres Putzdienstes eine “sinnstiftende Tagesstruktur” und die Möglichkeit “sich nützlich zu fühlen” erhalten. Willkommen im Asozialstaat.

Wenn die Brandenburger Friseurmeisterin, die selbst kaum über die Runden kommt, ihren Mitarbeitern kündigen muss, weil sie die staatlich oktroyierten 8,50 Euro nicht aufbringen kann, dann sind das Opfer, die im Namen der sozialen Gerechtigkeit gebracht werden müssen. Eine Kommune, die ihren Bürgerinnen und Bürgern Jahr für Jahr Zwangsabgaben für die Daseinsvorsorge abknöpft, darf jedoch problemlos Schwerstabhängige für ein Siebtel des Mindestlohns plus Erbsensuppe und Alkohol zum Müll sammeln antreten lassen. Das ganze nennt sich dann “neue Wege in der Suchthilfe”. Tatsächlich ist angesichts des enormen Steuer- und Abgabenaufkommens in diesem Land nicht einzusehen, warum es derart zynischer “Anreizprogramme” bedarf, die Alkoholkranke dazu animieren kostengünstig die Aufgaben der Stadtreinigung zu übernehmen. Wenn der Kommunalverwaltung die von den Bürgern erpresst Kohle nicht reicht, um einen zentralen Platz sauber zu halten, dann sollen die Lokalpolitiker selbst den Besen schwingen. Von mir aus können die anfallenden Überstunden dann auch mit einer Flasche Bier vergütet werden.