Trotz Henkel und Starbatty hat die AfD meine Hoffnungen nicht erfüllt. Sie ist im Grunde ein Kleinbürgerpartei für Spiesser, die seit der Genderisierung der CDU ohne politische Heimat sind. Das ist gut für die politische Hygiene. Vielleicht ist der Auflagenschwund der Medien auch darauf zurück zu führen, dass die Mehrzahl der Menschen den Irrsinn nicht mehr erträgt, den etwa Dieter Neuerer bei Handelsblatt.com über die AfD zum Besten gibt, um eine Soziologie-Professorin zu promoten, deren herausragende wissenschaftliche Leistung es ist, Zwölfjährigen im Sozialkundeunterricht in “praktischen Übungen” die Segnungen des Anal-Verkehr genderfrei und political correct nahezubringen. 

Das Handelsblatt hat sich die geborene Gräfin Oldenburg nun besonders vorgeknöpft. Mit der verbindet mich eine einfache Schnittmenge: Recht muss Recht bleiben. Ihre familienpolitischen Ansichten teile ich nicht. Und ob alles bei der “Zivilen Koalition” der Familie von Storch immer koscher gelaufen ist, ist eine andere Frage.

von Storch wurde wohl durch die fehlende Rückgabe des früheren Großgrundbesitz nach der Wiedervereinigung politisiert. Damals hatte sich das Bundesverfassungsgericht einen schlanken Fuß gemacht und für nicht zuständig erklärt, weil die Enteignungen vor Inkraftsetzung des Grundgesetzes durch die Sowjets durchgeführt wurden. Das habe ich damals auch für mehr als nur bedenklich gehalten.

Die Rechtsanwältin hat sich auch gegen die Eurorettung engagiert. Auch hier geht es um einen Rechtsbruch, der über die Sozialisierung der Schulden letztlich ebenfalls Vermögen enteignet. Das sehe ich gemeinsam.  Die gemeinsame Schnittmenge zwischen Erzkonservativen und vermeintlichen Radikalliberalen besteht schließlich im Schutz des Eigentums.

Nun wirft Dietmar Neuerer der Dame im Handelsblatt vor, sie habe eine Hetzkampagne gegen eine Professorin forciert, die einen Sexualleitfaden herausgegeben habe. Der enthält 70 praktische Übungen, in denen etwa 12-Jährige erraten sollen, dass es sich bei “Gang-Bang” um eine Sexualpraktik handelt,  “c) Wenn eine Person mit mehreren Männern, die in einer Schlange anstehen, hintereinander Sex hat (urspr. Gruppenvergewaltigung).” Als Kronzeuge dient Neuer der Linksextreme Peter Kemper, der sich hauptamtlich mit Storch aber auch der antifeministischen Männerbewegung beschäftigt und der gleich eine ganze “Studie” für die Friedrich-Ebert-Stiftung angefertigt hat, die den Skandal beleuchtet. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Den Skandal, dass von Storch öffentlich gegen  „Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit” polemisiert.

Diese “Kampagne” wurde übrigens von Akif Pirincci in seinem eigenen Stil losgetreten. Die Wortwahl war wohl nicht ganz charmant, in der Sache hat der Mann recht. Denn der eigentliche Skandal ist, dass eine Frau wie Elisabeth Tuider in diesem Land einen Lehrstuhl erlangen kann und lebenslang aus Steuergeldern alimentiert wird. Das wird schon an ihrem akademischen Werdegang deutlich:

Tuider studierte Pädagogik und Psychologie an der Universität Wien und wurde 2001 an der Universität Kielpromoviert. Der Titel ihrer Dissertation lauteteSexualerziehung – Sexualupplysning: Der Geschlechterdiskurs zwischen Kultur und Subjektivität. Ein Ländervergleich Österreich – Schweden. Anschließend war sie als Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin an verschiedenen Hochschulen tätig. 2009 wurde sie an der Universität Münsterhabilitiert und erhielt die Venia Legendi für Soziologie. Der Titel der Habilitationschrift lautete Intersectional turn. Zum Paradigmenwechsel in der Soziologie und in den gender-studies. Nach einer Gastprofessur an der Universität Hildesheim und einer Tätigkeit als Fellow am Zentrum für interdisziplinäre Forschung an der Universität Bielefeld war sie von 2009 bis 2011 Professorin für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Diversity Education an der Universität Hildesheim. Seit 2011 lehrt sie Soziologie an der Universität Kassel.

Was sie zum Erkenntnisgewinn unserer Gesellschaft beigetragen hat, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Wenn wir die Freiheit von Lehre und Forschung beibehalten wollen, braucht die wohl bessere Kontrollmechanismen. Dann würde auch das Geld reichen.

Tuider hat mit Kollegen nun einen Leitfaden für den Sozialkundeunterricht herausgegeben, der mehr als nur diskussionswürdig ist:

Da sollen 15-Jährige zum Beispiel einen „Puff für alle“ einrichten. Dabei werden die Jugendlichen aufgefordert, an die sexuellen Vorlieben und Präferenzen verschiedener Gruppen zu denken. Denn es mache ja einen Unterschied, ob ein weißer, heterosexueller Mann, eine muslimische oder katholische Frau oder eine transsexuelle lesbische Frau bedient werden soll.

Diese Übung stelle man sich mal praktisch in einer Kreuzberger “Gemeinschaftsschule”, vor in der die meisten Schüler einen “Migrationshintergrund” haben und einige Pubertierende auch noch” Verhaltensauffälligkeiten” aufweisen: Und dann gibt es Callboys für Kopftuchmädchen. Von den Protesten muslimischer Eltern, die ihre Töchter nicht mal am Sportunterricht teilnehmen lassen, brauchen wir erst gar nicht zu reden.

Ich finde es völlig verständlich, dass von Storch und Konsorten dererlei Schwachsinn an den Pranger stellen. Auch wenn sie vielleicht mit der “Drei-Kind-Familie” nicht unbedingt meine Vorstellungen treffen.

Handelsblatt-Neuerer legt am nächsten Tag nach. Diesmal ist sein Opfer Vera Lengsfeld, der er “Nähe” zu von Storch und der AfD unterstellt.

Mit der AfD-Europaabgeordneten von Storch sitzt Lengsfeld im Vorstand des Bürgerkonvents, der in Anlehnung an Bürgerinitiativen versucht, über Kampagnen und lokale Organisationen wirtschaftsliberale Positionen populär zu machen.

Zudem listet die Bürgerrechtsbewegung „Initiative Bürgerrecht Direkte Demokratie“, die sich nach eigenen Angaben für die unmittelbare Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen einsetzt, Lengsfeld als Unterstützerin. Verantwortet werden die Aktivitäten der Initiative von Sven von Storch, dem Ehemann Beatrix von Storchs.

Die Bürgerrechtsbewegung wird auch als Initiative der „Zivilen Koalition“ausgegeben. Diese ist 2004 unter maßgeblicher Beteiligung von Beatrix von Storch gegründet worden.  Kritiker verweisen auf die „marktfundamentalistischen und erzkonservativen“ Positionen der „Zivilen Koalition“ und sprechen von einer „deutschen Tea-Party-Bewegung“

Skandal. Wenn dererlei im “Neuen Deutschland” stünde, würde ich mich nicht darüber wundern. Die TAZ wäre sich für so eine plumpe Polemik wohl zu schade.  Aber im Handelsblatt? “wirtschaftsliberale Positionen” sind kritikwürdig. Direkte Demokratie ein Teufelswerk? Eine Kolumnistin in der “freien Welt”. Komisch, dass hier nicht die Worte Klimaskepsis und Eurokritik auftauchen.

Ich halte die AfD für eine Spießerpartei mit einem viel zu kleinen liberalen Flügel. Sie ist für mich eine Enttäuschung, weil die Konservativen und Putin-Versteher offensichtlich die Oberhand gewonnen haben. Das kann sich noch ändern, aber wahrscheinlich ist das nicht.

Aber der Umgang mit der AfD ist der Skandal.  Und Neuerer ist nur das ausgeprägteste Symptom, weil er selbst ausgewiesene Irre, wie Frau Prof. Dr. Tuider gegen eine kleinbürgerliche Moral in Schutz nimmt, die wenigstens noch eine Vorstellung vom Begriff “Anstand” haben.