Die Ukraine, Israel/Gaza, das Wüten völlig durchgeknallter, abgrundtief böser Menschen im Irak, ein Ebola-Ausbruch – inmitten dieser Ereignisse sind die Unruhen in Ferguson oft nicht viel mehr als eine Randnotiz. Eine Meldung in diesem Zusammenhang hat es aber doch geschafft, die Aufmerksamkeit auch vieler deutscher Medien auf sich zu ziehen. Sunil Dutta, ein ehemaliger Polizist aus Los Angeles, hat in der Washington Post einen Artikel veröffentlicht, in welchem er verrät, wie man es schafft, nicht von einem amerikanischen Polizisten erschossen zu werden.

Natürlich gibt es für dieses Problem, das viele FdoG-Leserinnen und -Leser nahezu täglich beschäftigt, eine sehr elegante Lösung: das strikte Waffenverbot (nicht nur) für amerikanische Polizisten. Und solange dies noch nicht umgesetzt ist, muß man eben schneller ziehen. Angesichts der Bedeutung dieser Frage und der vermutlich noch zu überbrückenden Wartezeit bis zur Einführung des Waffenverbots ist aber nachvollziehbar, warum die Erkenntnisse eines Insiders für viele von so großem Interesse sind.

Leider werden alle, die sich Details zu den Schwachpunkten polizeilicher Ausrüstung und Bewaffnung oder zu innovativen Nahkampftechniken erhofft hatten, bitter enttäuscht. Der Rat des Ex-Polizisten an alle, die nicht erschossen werden wollen, ist unfaßbar banal und dumm: „If you don’t want to get hurt, don’t challenge me!“ Frei übersetzt: unterwerft Euch!

Ansonsten können unbedacht ausgestoßene Verwünschungen oder die Mißachtung der Autorität Go, ähh, des Polizisten, tödliche Konsequenzen haben. Kaum zu glauben, aber wahr. Allerdings, das läßt sich nicht bestreiten, der Tip Duttas dürfte oft funktionieren. Trotzdem sollte man die Frage nach dem Preis stellen. In diesem Fall beträgt er Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: ich will nicht erschossen (und auch nicht auf andere Weise getötet) werden! Aber ich bin davon überzeugt, daß ich für diese Behandlung nicht erst zahlen muß, sondern daß sie mir zusteht. Einfach so. Ohne Unterwerfungsgesten.

Für diejenigen, die das bezweifeln, die an das automatisch Gute im Polizisten glauben oder es gar für sich selbst beanspruchen, empfehle ich eine Übertragung der Bezahlstrategie auch auf andere Bereiche. Bestimmt wird die Welt dadurch ein besserer Ort. Mehr Ruhe, mehr Ordnung, weniger Gewalt. Einige Vorschläge:

Du willst nicht gefoltert werden? Dann solltest Du besser alles gestehen, was man von Dir hören wollen könnte. Das führt zwar wahrscheinlich zu Deiner Hinrichtung, aber hey, Du wurdest nicht gefoltert!

Du willst nicht vergewaltigt werden? Dann mach’s doch einfach freiwillig! In Abhängigkeit von bestimmten Faktoren, z. B. Geschlecht oder Familienstand der Beteiligten, kann das in vielen Ländern zwar strafbar sein. Aber Du hast es nicht anders gewollt, stimmt’s?

Steuern zahlst Du jetzt freiwillig, Enteignungen auf Grund irgendwelcher wahnwitziger Politprojekte sind Dein persönlicher Beitrag zum Gemeinwohl, usw., usw.

Alternativ für alle, die nicht zahlen wollen ebenso wie für die, denen nun doch ein wenig mulmig wird: Wir sehen uns beim Schießtraining. Gleich morgen früh.