Henryk M. Broder hat eine gute Idee. Nur funktioniert die leider nicht. Die Israelis, so sein Plan, sollen den Palis einfach dabei helfen, einen eigenen Staat zu gründen. Doch  die Israelis sind die letzten, von denen sich die Araber helfen lassen wollten. Und wenn sie einen eigenen Staat wollten, hätten sie den schon lange. Doch dann könnte sich die korrupte Elite nicht länger von der Weltgemeinschaft aushalten lassen. Die US- und UN-Zuwendungen gegen die Erlöse eines Pessach-Bazaars der jüdischen Gemeinschaft Frankfurt/Main zu tauschen, ist keine verlockende Aussicht für Abbas und Kollegen.  Auf Solidaritätskonzerte von Irena Wachendorff baut nur der “ein Bustan Kindergarten”. Anders gesagt: ein eigener Staat würde das palästinensische Geschäftsmodell zerstören. 

Wenn man in Israel von Tel Aviv auf der Autobahn gen Norden fährt, sieht man auf der erste Anhöhe nach der Küste lauter große Häuser. Schicke Villen mit Seeblick, die allerdings für ihre Bewohner nur schwer zu erreichen ist. Dazwischen liegt die Grenze zwischen der Westbank und Israel. Aber nach fehlendem Wohlstand sieht das nicht aus. Anders gesagt: Nicht überall geht es den armen Araber schlecht.

Die Palästinenser haben seit 1995 eine Autonomie-Behörde, die in Vorbereitung eines eigenen Staates zwei Dinge erledigen sollten: Die Errichtung eines eigenen Gewaltmonopols und die Entwicklung einer entsprechenden Infrastruktur. Dafür floßen Milliarden aus den USA und der EU, die auf den Konten der FATAH – Verantwortlichen verschwunden zu sein scheinen. Die haben überhaupt kein Interesse an eigenem Staat, denn die Gewinnmaximierung aus Subventionen wäre dann in Gefahr. Immerhin ist man, wie Jürgen Trittin sagen würde, demokratisch gewählt. Nur ist diese Wahl schon etwas her, das war 2006. Und weil HAMAS und FATAH nur in einem Punkt einig sind, der Feindschaft zu Israel kam es nach einem kurzen Bürgerkrieg zu einer Aufteilung der Interessensphären: HAMAS tyrannisiert den GAZA Streifen und die FATAH beutet die Westbank aus. Das eine sind Terroristen und das andere Kriminelle. Beiden dient die eigene Bevölkerung als Instrument zur Erreichung der eigenen Ziele unter Einsatz deren Lebens. Hätte man plötzlich einen eigenen “Staat” könnte man Israel einfach nicht mehr für das Elend der Palästinenser verantwortlich machen.

Dabei ist Broders Grundidee gar nicht so falsch: Die Israelis müssen mit den Arabern kooperieren. Sie müssen die arabische Wirtschaft mit der eigenen verflechten. Erste Anzeichen, die bezeichnenderweise von irgendwelchen Gutmenschen boykottiert werden sollten, weil sie aus den “besetzten Gebieten” kommen, gibt es schon – wie etwa Soda Stream.  Wo Menschen zusammen arbeiten und miteinander handeln, sinkt die Anzahl derer, die bereit sind, gegeneinander in den Krieg zu ziehen. Und dann ist auch ein palästinensischer Staat z.B. im Rahmen einer Föderation denkbar, der jüdisches Leben in der Westbank genauso zulässt wie heute arabisches Leben in Israel selbstverständlich ist. Aber dafür braucht das “palästinensische Volk” wohl eine andere Führung. Solange aber der “Westen” die Kriminellen aus Angst vor den Terroristen hätschelt, wird es die nie geben.