Niemand ist von Beruf “Islamkritiker” oder “Euroskeptiker”. Wer diese Attribute vor den Namen eines Menschen stellt, reduziert die Vielfalt einer Persönlichkeit auf eine einzige Facette seiner Meinung. Denn Hamed Abdel Samed ist vor allen Dingen ein kluger  Mensch, der z.B. bei der Deutschland- und Europa Safari mit Hendryk M. Broder (den man ja wohl jetzt als “Euroskeptiker” titulieren müsste) mit viel  Esprit und Charme die Finger in die Absurditäten und Mißstände erst Deutschlands und dann Europas leistete. Der Mann ist ein Musterbeispiel von Integration. Und hat die Schnauze von uns voll. Schlimm.  Noch schlimmer, dass der Medienwald sich in Fussballonanie ergeht und nur der “jungen Freihet” die Sache eine Meldung wert ist.

Man kann nicht mehr von Anfängen sprechen, derer wir uns erwehren müssten. Auf dem Weg in die Knechtschaft sind wir kurz vor dem Ziel. Nicht Leute, die die Meinungsfreiheit für sich beanspruchen, müssen gehen, sondern, die die sie gefährden. Nicht diejenigen, die kontroverse Hypothesen vertreten, sollten totgeschwiegen werden,  sondern diejenigen, die sie totschweigen, sollten bekämpft werden. Dass jemand hierzulande wegen seiner Meinung Polizeischutz braucht, stellt übrigens wenigstens dem rudimentär vorhandenen Rechtsstaat ein halbwegs ordentliches Zeugnis aus.

Damit eins klar ist: Ich habe nichts gegen Muslime. Im Gegenteil. Ich respektiere jeden Menschen, seine politische Einstellung, seinen Glauben und seine Lebensweise, solange er nicht andere zu etwas zwingt, was die nicht wollten.

Die Diskussion um die “Kopftuchmädchen” zeigt exemplarisch die Grenze. Diakonissen und Nonnen tragen Hauben und verschleiern ihren Kopf. Aber sie sind freiwillig damit unterwegs. Ob das bei den jungen Mädchen und Frauen, die über die Karl-Marx-Strasse flanieren auch so ist, darf man bezweifeln. Zwar ist es durchaus angemessen, dass Eltern ihre Kinder auch in der eigenen Tradition und mit den eigenen Werten erziehen. Aber prägen und Erziehung heißt eben auch, sie als eigenständige Persönlichkeiten zu akzeptieren und ein anderes Verhalten als das, was man sich vielleicht vorstellt, klaglos zu respektieren. Als Vater einer 19-jährigen Tochter kann ich nur sagen, dass der fließende Übergang jedermann sicherlich nicht leicht fällt.

Wie der deutsche Salonlinke über Sarrazin hergefallen ist, der ein paar richtige, ein paar merkwürdige und sicher auch ein paar falsche Hypothesen aufgestellt hat, das ist der Beweis für ein Meinungsklima mit inquisitorischen Zügen. Und das bereitet letztlich dem Islamismus den Weg. Denn die fühlen sich dadurch eingeladen, ihre Kritiker nicht nur mundtot zu machen, sondern ganz tot.

In der Gefahr zu stehen, das zu erleiden, ermüdet. Sagt Abdel Samad. Das kann ich verstehen. Aber wir müssen uns fragen, wo wir leben, wenn wir die Bedrohung eines solchen Mannes erst nicht registrieren (und damit meine ich auch ausdrücklich mich selbst) und uns auch nicht vor ihn stellen. Da würde der Begriff “menschlicher Schutzschild” endlich mal Sinn machen.