Eigentlich ist über den aalglatten Berufspolitiker schon alles gesagt. Nur nicht von ihm. Deshalb hat er ein Buch geschrieben. Seine Kernhypothesen hat er gestern in einem von seinem Verlag angemieteten Raum in der Bundespressekonferenz vorgestellt. Dazu ein paar Bemerkungen.

Seine einzige herausragende Leistung war genau genommen eine Rede vor den Nobelpreisträgern in Lindau, in der er die EZB offen für die Verletzung ihres Mandates kritisierte. Das machte ihn allerdings zu eineer Gefahr. Allerdings glaube ich, dass man ihn nicht deshalb geschasst hat. Mutti hätte sich schon zugetraut, ihm im Falle einer notwendigen Unterschrift unter irgendwelche Rettungsschirmgesetze die Daumenschrauben anzulegen.

Seine zweite Großleistung, die Behauptung, der “Islam” gehöre zu “Deutschland” ist eine belanglose Floskel eines einfallslosen Redenschreiber, eine kleinteilige Deutschtümelei. In Deutschland leben seit Jahrzehnten Menschen muslimischen Glaubens und können den hier auch praktizieren. Dass deshalb die Scharia das bürgerliche Gesetzbuch ersetzt, ist auszuschließen.

Wulffs Rücktritt war richtig. Schon als niedersächsischer Ministerpräsident hat er sich zwar nicht bestechen, aber korrumpieren lassen. Seine Vorteilsnahme war seinem Amt und nicht seiner Person geschuldet und weil sich kein konkreter Vorteil für diejenigen konstruieren ließ, die ihn gewährten. Aber die Tatsache, dass ihr Anruf in der Staatskanzlei in´s Amtszimmer durchgestellt werden würde, war es ihnen  wert.  Wer die Maßstäbe verliert, kann keiner sein.

In einem Punkt hat er aber recht. Seit dem Steuerhinterziehungsprozeß gegen Otto Graf Lambsdorff, den die NRW-Klassenjustiz in den Achtzigern zur Strafe wegen des Scheiterns der sozialliberalen Koalition führte, gibt es eine unappettitliche Melange zwischen Presse und Staatsanwaltschaft, unter der in letzter Zeit auch Uli Hoeneß zu leiden hatte, dem wenigstens die Doppelzelle mit Alice Schwarzer erspart bleibt. Für diese Praxis steht ein renommierter Name: Hans Leyendecker (heute “Neues Süddeutschland”) veröffentlichte am Montag vor jeder Prozesswoche aktuelle Details aus den Akten der Staatsanwaltschaft.

Ihren Höhepunkt hatte jene Kumpanei, als der ZDF Übertragungswagen vor der Steuerfahndung vor dem Haus des damaligen Postchefs Klaus Zumwinkel live übertrug, wie der von der Staatsanwaltschaft erst an den Pranger und dann zur Schlachtbank geführt wurde, wo ihm durch ein erpresstes Geständnis die Untersuchungshaft erspart blieb. Für den Staat war das ein Geschäft.

Dagegen würde eine einfache Vorschrift helfen: Wer dererlei an die Journaille verrät, wird gegenüber dem ja immer als unschuldig geltenden Opfer unabhängig vom Ausgang des Verfahrens persönlich schadensersatzpflichtig. Und gleiches gilt für das berichtende Medium.

Aber das hat Wulff gar nicht vorgeschlagen. Nun wird er ein letztes Mal die öffentliche Bühne verlassen und kaum jemand wird ihn vermissen.