Während die Welt sich freut, dass nicht nur die USA nach George Bush einen moderaten Präsidenten haben, sondern jetzt auch der Iran, ist für die armen Perser davon nichts zu spüren. Während SPON und die restliche scheinliberale Presse darüber berichtet, dass ein US-“Todeskandidat” fordert, dass seine Hinrichtung gefilmt wird, hört niemand davon, dass gerade vor den Augen ihrer zwei Töchter eine vermeintliche Möderin hingerichtet wurde.  Wie das vor  sich geht, zeigt oben stehendes Video eindrucksvoll. Noch nach Minuten strampelt der Hinzurichtende noch mit den Füssen. Nichts für schwache Nerven!

Als vorJahrzehnten ein Onkel von mir erschossen wurde, habe ich mit meinen Geschwistern die Nächte am Bett seiner betagten Mutter verbracht. Welches Leid ein solches Verbrechen über eine Familie bringt, habe ich erlebt. Der Mörder kam mit 10 Jahren Jugendstrafe davon und wandelt schon lange unbehelligt über den Planeten.

Den Ruf nach der Todesstrafe kann ich also mental verstehen. Die Wut auch. Aber sie ist eines Rechtsstaates nicht würdig. Das gilt auch für die USA. Während aber bei jeder zweiten Exekution in den USA ein öffentlich-rechtlich zwangsfinanzierter Übertragungswagen steht, nehmen wir die Exekutionen im Iran nicht zur Kenntnis, die keinesfalls Ergebnis rechtsstaatlicher Regeln sind, die in den USA eingehalten werden. Sie folgen dem Gesetz der Blutrache, so dass der Vater des Ermordeten seine Tochter zur Strecke brachte.

248 Exekutionen fanden alleine im Jahr 2014 unter der Regentschaft des “gemäßigten” Präsidenten statt, “nur 100” wegen Mordes, das allerdings auch ein Rekordergebnis. Immerhin 50 wurden von den Familien der Opfer begnadigt. Auch ein fragwürdiges Recht.

Was aber heißt,  dass die 148 anderen nicht einmal deshalb zu Tode kamen, weil sie jemanden umgebracht hätten. Sondern wegen schnödem Drogenhandel, Ehebruch, Schwulsein oder vergleichbar schwerwiegenden Delikten.  Da wird man dann nicht nur gewöhnlich gehängt sondern auch gerne mal qualvoll an einem Baukran hochgezogen oder gesteinigt werden. Das darf man sich nicht zu schnell vorstellen, schließlich dürfen die Steine nicht so groß sein, dass man von einem oder zwei Würfen sterben könnte.

Ich will nicht unfair sein. Dass nur die amerikanischen Exekutionen in der deutschen Medienwelt von Relevanz sind, liegt an ihrer vergleichbaren Seltenheit. 2013 wurden 39 Hinrichtungen in den USA vollstreckt, nach Angaben von Amnesty International waren es im Iran mindestens 369 – also rechnerisch täglich eine. Das ist dann keine Schlagzeile wert, weil alltägliche Vorkommnisse, wie die Hinrichtung von neun Männern am 09. Mai sich zu häufig wiederholen. Andererseits kommt es ja nicht so oft vor, dass die HAMAS ihre eigenen Leute hinrichtet, wie Anfang Mai, weil die Araber mit Israel zusammen gearbeitet haben sollen.  Daran kann es also auch nicht liegen, dass amerikanische Delinquenten auf mehr Aufmerksamkeit hoffen dürfen wie iranischen. Nicht einmal, dass die Anzahl der Hinrichtungen unter dem “gemäßigten” Präsidenten sich exponentiell beschleunigt, wird hierzulande diskutiert. Waren es im ganzen Jahr 2013 369 Hinrichtungen und in diesem jahr schon mindestens 249, also pro Monat 50 oder aufs Jahr gerechnet 600.

Rouhani ist genauso ein Verbrecher wie sein Vorgänger. Nur ist er geschickter im Verpacken der übelsten Sachen. Das sollten wir hier zur Kenntnis nehmen.