Das sagt Birga Köhler, ihres Zeichen langjährige persönliche Referentin und immerhin Hauptgeschäftsführerin des Bundes der Steuerzahler, was sie auf einer Podiumsdiskussion von Open Europe als CDU-Kandidatin für das Europa-Parlament geflissentlich verschwieg. Denn vorher war Krieg, aus dem ihr Großvater mit einem erfronen Bein zurück kam. Mein Großvater kam gar nicht zurück und mein heute 90-jähriger Vater verbrachte Jahre in russischer Gefangenschaft. Aber er kannte Europa schon vorher. Und jeden möglichen Unsinn in der EU mit der Weltkriegskeule zu rechtfertigen, ist ein wenig frech. Und was hat das mit dem Russlandfeldzug zu tun. Wie uns gerade wieder auffällt, ist Russland ja gar nicht in der EU.

Köhler hatte denn auch noch einen guten Vorschlag: Um die Arbeit der Kommission zu “verzahnen”, solle man doch einfach neben dem Präsidenten der Kommission noch so eine Art Ober-Kommissare einführen, die die 28 Kommissare dann besser beaufsichtigen könnten. So wie es ja auch jede Menge Vizepräsidenten gibt, wie den Nachfolger der entdokterten Silvana Koch-Mehrin, der unglücklicherweise der falschen weißen Linie folgte.

Für die FDP war die unvermeidlich Alexandra Thein da, die wenigstens mit 2 Aussagen punktete: Kommission verkleinern und keine milliardenschweren Konjunkturpakete wollte. Die EU-Kommission nahm sie gegen Prof. Joachim Starbatty in Schutz, der dagegen richtiger weise polemisierte, dass es eine EU-Richtlinie über die Beschaffenheit einer Pizza Napolitana gäbe. Das wollten die Leute aus Neapel selbst, damit ihr Ruf nicht unter schlecht gemachten Pizzen litt. Deshalb muss die Kommission ja nicht jeden Mist machen, der ihr vorgeschlagen wird.

Starbatty war der Grund, warum ich bei der Bundestagswahl AfD gewählt habe. Ein erfahrener Parteipolitiker bemängelte, dass der Mann auf dem Podium entgegen der isolistisch-illusorischen Beschlußlage seiner Partei selbstverständlich doch für das Freihandelsabkommen mit den USA plädierte. Als Ökonom ist das wohl eine Selbstverständlichkeit. Dass die AfD nach der jüngsten Umfrage 6% erreicht wundert mich nicht. Auch nicht, dass die FDP nach dieser Umfrage noch die Chance hat, an der drei-Prozent-Hürde zu scheitern. Das beste, was über die grüne Kandidatin zu sagen war, ist dass sie gott sei Dank als Bundestagsabgeordnete zügig zu einer namentlichen Abstimmung in den Bundestag zurück wollte. Und die Dame von der SPD war als Ersatzkandidatin Vorleserin vom Dienst und schwafelte vom europaweiten Mindestlohn und Konjunkturpaketen in bester Seventies-Manier. Den Namen braucht man sich nicht zu merken.

Neben Starbatty war übrigens  Dr. Mario Candeias von der Linken eigentlich der einzige Vertreter, der halbwegs sachlich, ein wenig selbstironisch und nicht allzu bierernst daher kam und seine Hypothesen, die mir kaum schmecken, mit Sachverstand vortrug. Es wird Zeit für eine Männerquote, die uns vor diesen unwirschen Karrieretanten schützt.