Sie ist wieder da, die gute, alte Schere zwischen Reich und Arm und wie immer kennt sie nur eine Richtung: Sie geht auf! Nun müssten wir alle unter der Brücke schlafen und die Mülltonnen nach Essbarem durchwühlen, wenn man den seit Jahr und Tag mit unverwüstlichem Pathos abgesonderten Mahnungen linker Politfunktionäre, sozialkritischer Qualitätsjournalisten und staatlich bezahlter Planwirtschaftswissenschaftler bezüglich der alles verschlingenden Kluft zwischen Arm und Reich glaubt.

Doch diesmal kommt die Prognose vom privat finanzierten Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, das in einer Studie zum staatlichen Rentensystem lapidar feststellt, dass junge Menschen “nicht nur mehr in die Rentenkassen einzahlen und länger arbeiten müssen, sie werden sich auch mit bescheideneren Renten abfinden müssen”. Nun ist die Erkenntnis, dass die staatliche Rente in Deutschland ein semikriminelles Schneeballsystem ist ungefähr so neu wie der Personal Computer, aber manche Dinge kann man vielleicht nicht oft genug betonen. Für mitlesende Etatisten noch mal zum mitschreiben: Es ist ein Instrument wohlfahrtsstaatlicher Fürsorge, das zu Generationenungerechtigkeit und Altersarmut führt, nicht der böse Markt. Der sorgt stattdessen für satte Gewinne bei den Versorgungswerken, die Ärzten, Apothekern und Anwälten ihre Renten sichern. Dort wird das Umlageverfahren mit Kapitaldeckung ergänzt. Es ist also der verteufelte Kapitalmarkt, der Generationen von Freiberuflern das Auskommen im Alter sichert.

Dumm nur, dass es diesen augenscheinlich besser aufgestellten Rentenkassen schrittweise an den Kragen geht. Die Bundessozialrichter – Leviathanbüttel trifft es eigentlich besser – haben den 30.000 deutschen Anwälten, die bei Firmen und Verbänden tätig sind, kurzerhand die private Altersvorsorge untersagt und beschlossen, dass auch sie fürderhin in die maroden gesetzlichen Kassen einzahlen müssen. Nun ist zwar nicht einzusehen, warum nur bestimmte Berufsgruppen von der katastrophalen Zwangsrente befreit sind, am aller wenigsten beim öffentlichen Dienst und unseren Politbonzen. Aber die Antwort kann keine Ausweitung, sondern nur eine Zerschlagung des staatlichen Rentenmonopols sein. Schade, liebe Juristen, aber ein Trost bleibt: Wenn wir nachher im Alter alle gleich arm sind, dann bleibt die Schere wenigstens zu!