Für den ehemaligen Rheinland-Pfälzischen Finanzminister hat das Nürburgring-Desaster ein übles Nachspiel. Für seine Trickserei bei der Finanzierung der 330 Millionen-Fehlinstitution muß er in´s Gefängnis. Zu Recht. Wowereit, Beust und Konsorten sollte das eine Warnung sein. 

Der Deutschlandfunk-Moderator war heute mal wieder schockiert. Nicht von den Toten des Establishments sondern vom Urteil des Landgerichts Koblenz, das Ingolf Deubel für drei Jahre und sechs Monate in´s Gefängnis steckt, weil er ein paar hunderttausend Euro veruntreut hat. Der Vergleich mit dem Unmaß aller Dinge, Uli Hoeneß, der im Gegensatz zu dem Politiker ja in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte, durfte natürlich nicht fehlen. Dabei stellt sich schon die Frage, was wirklich schlimmer ist: Wenn man sein eigenes Geld verbrennt oder das eigener Leute.

1. Kurt Beck, dem wohl keine individuelle Schuld nachzuweisen war, hätte mit auf die Anklagebank gehört. Auf seine Initiative wurde die Modernisierung des Nürburgrings angestrebt, damit die Formel 1 dort auch in Zukunft halt machen würde. Was zu tun gewesen wäre, lag auf der Hand. Die Verkehrsanbindung der Traditionsrennstrecke in der Walachei ist eine Zumutung. Gefühlte Stunden geht es durch Ortsdurchfahrten und den Rest der Eifel und wenn man das Glück hat, ein Wohnmobil vor sich zu haben, sind die überall ausgeschilderten 70 km/h auch an Tagen reines Wunschdenken, an denen auf der Strecke gar nichts los ist.

Außerdem bot sich ausreichendes Verbesserungspotential bei der legendären “Nordschleife”, die zwar seit Niki Laudas nicht mehr für die Formel 1 gebraucht wird aber für die Industrie als Erprobungsstrecke eine große Rolle spielt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind anachronistisch, die Leitplanken an den neuralgischen Stellen von sich überschätzenden Hobby-Racern verbeult, die gegen Gebühr “Touristenfahrten” absolvieren können und der Asphalt befindet sich weitgehend auf Vorkriegsniveau. Über die Teilnahme an der Formel 1 entscheidet auch nicht die längste Achterbahn der Welt oder die falsch konzipierten Hotels direkt an der Strecke, sondern das Antrittsgeld, das Bernie Ecclestone kassiert.

Stattdessen baute man einen Freizeitpark ohne Verkehrsanschluß im  direkten Einzugsgebiet des “Phantasialandes”, statt z.B. für eine Eisenbahnanbindung zu sorgen. Dass sich kein seriöser Investor für den Betrieb fand, war kein Wunder. Schließlich war die Pleite absehbar.

Wenn es einen Beleg dafür gibt, dass man solche vermeintlichen “Infrastruktur-Maßnahmen” zur Verbesserung “strukturschwacher Gebiete” nicht der Politik überlassen kann, dann ist es der Nürburgring. Größer ist nur noch das Milliardengrab “Ruhrgebiet”, das der öffentlich geförderte “Strukturwandel” auch dreißig Jahre nach dem Beginn staatlicher “Industriepolitik” keine neue Blüte gebracht hat.

Dass Deubel nun die Rechnung präsentiert bekommt, liegt nicht nur an seinem kreativen Umgang mit Haushaltsmitteln und -vorschriften. Was Wunder, dass der zuständige “Landesbank” genannte Schattenhaushalt für die kreative Umwegfinanzierung herhalten musste und an Stelle der verrmeintlichen Investoren das Land die irrsinnigen Verluste  an der Backe hatte. Es kam wie es kommen musste, die Traditionsrennstrecke muste Insolvenz anmelden.

Nun hat es ein privater Zulieferer gekauft, der wahrscheinlich von der Automobilindustrie vorgeschickt wurde, die die Nordschleife nicht in der Hand russischer Oligarchen wissen wollte, die dort zu ihrem Privatvergnügen ihre Kreise drehen würden.

Dass es anders geht, zeigt übrigens der Bilster Berg. Die “kleine Nordschleife” wurde vom Graf Oeynhausen für weniger als die geplanten 33 Millionen Euro im Teutoburger Wald auf einem ehemaligen Munitionsdepot errichtet, die er privat eingesammelt hatte, ohne einen Euro Subventionen einzusammeln.

Die Geschichte gibt es hier und hier.

Dass das Gericht den Deubel in´s Gefängnis holt, war nur recht und billig.