Fünf Prozent Zinsen risikofrei. Davon träumen die Anleger. Und kaufen Griechenland-Anleihen. Das freut die Helenen. Denn damit befreien sie sich aus dem Würgegriff der EURO-Retter und müssen deren Sanktionen nicht länger fürchten, obwohl der EURO-Raum auch für diese Anleihe haftet. 

Ökonomie, auch die politische wird bestimmt von Erwartungen und Anreizen. Die Euro-Krise ist ausgebrochen, weil beide falsch waren. Die südeuropäischen Krisenländer erhielten den falschen Anreiz, sich in der Euro-Krise zu verschulden, weil der Zins nicht mehr das Risiko reflektierte, das die Kreditgeber für die Schuldner erwarteten, sondern das der gesamten Euro-Zone. Anders gesagt: Zu niedrige Zinsen führten zu zu hoher Verschuldung.

Die Gläubiger erwarten gar nicht, dass die Griechen oder die Deutschen ihre Schulden jemals zurückzahlen. Sie geben den Kredit, wenn sie erwarten können, dass die Schuldner über die Laufzeit die Zinsen zahlen können und am Ende jemanden finden, der bereit ist, einen neuen Kredit zu geben, weil er erwartet, dass die Schuldner die Zinsen zahlen können und am Ende jemanden finden, der bereit ist, einen neuen Kredit zu geben.  Und so weiter.

Wie bei jedem Schneeball-System greift irgendwann das “des Kaisers neue Kleider” Syndrom. Und die Zinsen für Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland erreichten ein höheres Niveau, as immer mehr potentielle Gläubiger daran zweifeln ließ, dass diese Länder in der Lage sein könnten, die Zinsen aus den laufenden Einnahmen zu bezahlen.  Daraus ergab sich ein höherer Risikoaufschlag auf die Zinsen, was die Anzahl der potentiellen Gläubiger wiederum verminderte.

Damit gibt es auch ein Kriterium für einen Staatsbankrott. Nicht die absolute Höhe der Verschuldung ist entscheidend, sondern die Erwartung der Gläubiger, dass der Schuldner entweder/oder die Zinsen nicht bezahlen kann oder niemanden findet, der einen neuen Kredit gibt.

Dabei spielt eine entscheidende Rolle, wofür der kreditnehmende Staat den Kredit verwendet. Investiert er, so kann der Gläubiger erwarten, dass Leistungsfähigkeit und Wertschöpfung steigten. Werden die aufgenommenen Gelder allerdings verkonsumiert, etwa für Sozialleistungen oder unproduktive Staatsbedienstete, ist die Erwartung, dass die Leistungsfähigkeit sinkt, eher gegeben.

Das war bei den oben genannten Ländern ab 2009 der Fall. Grund für das Ende des Schneeballsystems war ein exogener Schock: Die Bankenkrise.

Der grundlegende Gedanke der EURO- und der Bankenretter war gleich: Das verloren gegangene Vertrauen in das jeweilige Schneeball-System wieder herzustellen, anstatt die fatale Abwärtsspirale der Zentralbankenintervention endlich zu beenden.

Die Gläubiger könnten im Zweifel verschmerzen, auf nicht bezahlten Zinsen sitzen zu bleiben. Aber der Totalverlust ihres Kredites hätte ein erhebliches Risiko für das marode Bankensystem zur Folge. Und diese Angst nahm der EZB Chef Draghi durch ein unhaltbares Versprechen: Wenn sich kein anderer Gläubiger findet, kauft die Zentralbank einfach die Staatsanleihen der Krisenländer. Das ist zwar verboten. Aber die No bail out Klausel hat ja auch niemanden gestört.

Mit diesem Versprechen haben die Gläubiger der Eurostaaten deFacto kein Risiko mehr. Draghi ist der Vater eines Perpetum Mobiles der fortwährenden und grenzenlosen Staatsverschuldung. Die sogenannten Maastricht-Kriterien verkommen mittlerweile zum gepflegten Ablenkungsmanöver. Nicht einml die Franzosen wollen da mitspielen, nachdem sie endlich begriffen haben, dass es keinen Grund dafür gibt, sich nicht länger zu verschulden. Auch die Ausgabenflut der GroKo hat unmittelbar mit dem falschen Anreiz der Zentralbank zu tun, das Kreditrisiko der Euro-Staaten zu übernehmen. Dafür braucht es nicht mal mehr einen Rettungsschirm.

Der Preis für diese Strategie ist die Entwertung der Geldvermögen der Eurozone. Die vermeintlich ausbleibende Inflation wird als Beleg für die erhoffte Folgenlosigkeit gesehen. Doch das ist falsch: Inflation tritt dadurch ein, dass die Zinsen niedriger sind als die Preissteigerungsrate. Stagnation würde eintreten, wenn beide gleich groß sind.

Weil die Eigentümer von Geldvermögen vor diesem Hintergrund keine Anreize haben, ihr Geld zu verleihen,  investieren sie es in Sachanlagen, also Aktien, Immobilien, Gold oder Warenterminkontrakte. In diesen Märkten tritt eine zusätzliche – assymmetrische -Inflation auf, weil ein steigendes Geldvermögen auf langsamer wachsende oder gleichbleibende Angebote trifft, was zu höheren Preisen führt, bis die Blase platzt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn die Griechen jetzt also für fünf Prozent Staatsanleihen in Milliardenhöhe verkaufen könnnen, liegt dies ausschließlich an der Ausfallgarantie durch Draghis EZB, die alle anderen Geldvemögen durch zu niedrige Zinsen bezahlen. Alle anderen staatlichen Schuldner freuen sich über die gleichzeitige Entwertung ihrer Schulden. Es ist also nichts besser geworden in Euro-Land.