Über das soziologische Phänomen “Wetten Dass” wurde fast alles gesagt. Nur noch nicht von allen. Soviel in der Zusammenfassung: Mit dem Ende von Wetten Dass geht auch die westdeutsche Nachkriegsära endgültig zu Ende. Der letzte deutsche Showmaster Thomas Gottschalk hatte bereits schon nach dem tragischen Unfall Samuel Kochs das bereits vorher sinkende Schiff verlassen. Kochs Ungeschick war das wahre Ende von Wetten dass als unbeschwerter Kindergeburtstag. Das hat Gottschalk gleich begriffen. Bleibt noch das “Traumschiff” dessen Halbwertszeit an seinem Macher, dem über Achtzig-Jährigen ehemaligen Peter-Alexander-Produzenten Wolfgang Rademann hängt. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat keine Legitimation. Und er produziert zunehmend Programme, die entweder keiner sehen will oder die – wenn jemand sie sehen möchte – genauso gut privat produziert und ausgestrahlt werden könnten.

Die Geburt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben wir den Alliierten zu verdanken. Sie wollten nicht, dass sich ein neuer Goebbels des Volksempfängerps bemächtigt, um den totalen Krieg zu propagieren. Damals war Rundfunk und später noch Fernsehen so teuer, dass Vielfalt und Wettbewerb bei limitierten Austsrahlungskapazitäten schwer denkbar war. Und die Deutschen mussten ihre rechtsstaatliche Verfasstheit ja noch unter Beweis stellen. Das Misstrauen gegenüber dem Volk hat uns dann ja auch noch die Repräsentative Demoskopie eingebrockt, deren oberster Repräsentant, Bundespräsident Gauck, in die Schweiz reisen muss, um die Unfähigkeit der Deutschen zur direkten Demokratie á la Schweiz zu propagieren.

Mit der Entscheidung, “Wetten Dass” einzustellen, zeigt das ZDF, dass den Senderfunktionären schwant, dass ihr Geschäftsmodell – seichte Unterhaltung vermischt mit Gefälligkeitsjournalismus gegen Zwangsgebühr – nicht mehr lange zu halten ist, dass “RTL-Exklusiv” eben doch das bessere “Leute Heute” ist und dass die Zahl der Zuschauer, die sich bei “Wetten dass” und “Küstenwache” – anschauen, sinkt.

RTL produziert z.B. mit dem “Jenke-Experiment” längst anspruchsvolle Sendungen zu gesellschaftsrelevanten Themen. Während Günther Jauch die 100. Sendung zu Uli Hoeneß veranstaltet, erprobt der am eigenen Leibe die Wirkung der Volksdroge Mariuhana, deren Gebrauch in Deutschland seit Jahrzehnten an der Tagesordnung ist und stellt so die Frage, ob eine Aufhebung des Verbotes nicht angezeigt wäre. Und auch das von der Ex-Lanz-Lebensgefährtin Birgit Schrowange moderierte Magazin setzt sich mit muslimischem Jugendterror im Bonner Villenvorort Bad Godesberg auseinander.

Was wäre von den privaten Fernsehmachern zu erwarten, wenn sie nicht in allen journalistischen Bereichen durch öffentlich-rechtliche Zwangsgebühren verdrängt würden. Die Sonntagsabend-Polit-Talkshow wurde von SAT1 erfunden und hieß “Talk im Turm,” moderiert vom Ex-Spiegel Chefredakteur Erich Böhme seligen Angedenkens. Und RTL berichtete über den ersten Golf-Krieg und den Mauerfall im Frühstücksfernsehen  professionell, während sich das halbe Land über die stets misslingenden Live-Schalten nach Arabien totlachte.  Für die Kölner Bertelsmann Tochter rechnete sich das Format nicht mehr, als ARD und ZDF Anfang der Neunziger mit einem Konkurrenz-Produkt und der einst linientreuen Ex-“Fernsehen der DDR”-Moderatorin Maybritt Illner antrat.

Und das ist nur eine Betrachtung des linearen, analogen Fernsehens. Und noch kein Ausblick auf die digitale Zukunft. Wenn wir aber an das Ende von Wetten dass denken, werden wir in 10 Jahren sagen: Das war der Anfang vom Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.