Als ich vor rund einem Jahr  als Elternvertreter an unserem Gymnasium meine letzte Sitzung hatte, machte ich drei Kreuze. Denn die Mitwirkung und die dabei gewonnene Inneneinsicht in die Schulverwaltung haben wirklich keine Freude gemacht, auch wenn man ein paar nette Leute dabei kennen gelernt hat. Grundsätzlich kann man in der Nachschau feststellen, dass das ständige Reformieren und Herumdoktern nichts am Grundproblem des “Systems” geändert hat: Ob ein Schüler einen guten oder einen schlechten Lehrer bekommt, ist reine Willkür und entscheidend für den Lernerfolg.

Die Schulreformerei war chaotisch. Wie einer der Schulleiter, die ich kennenlernte, mal bemerkte, waren die Ausführungsbestimmungen und Lehrpläne für die stets überhastet eingeführten Änderungen zu Beginn des Schuljahres selten in den Schulen eingetroffen waren.

Wie kommen wir aus dem Dilemma: Mehr Wettbewerb! und Wettbewerb bedeutet auch, dass Schulen und Lehrer scheitern können.

1. Lehrer müssen entlassen werden können. Wenn sie schlecht sind, sollten sie sich einen anderen Job suchen. So kann man auch den Beruf für Leute öffnen, die keine sinnlosen Pädagogik-Studien betrieben haben. Lehrer auf Probe heißt, dass wer es nicht kann, auch wieder gehen muss.

2. In den Schulen dominieren die Basisinnovationen des Kreidezeitalters  den Geschäftsbetrieb: Tafel, Stift, Buch und Papier. So genannte Whiteboard genannte Zwitter aus Beamer und Touchscreen offenbaren bestenfalls, dass die digitale Kompetenz der Schüler die der Lehrer bei weitem übertrifft.

3. Mit dem Informationszeitalter multipliziert sich Wissen exponentiell. Und die Menge des Wissens, das ausserhalb des menschlichen Gehirns gespeichert wird, übersteigt die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns. Statt immer mehr dieses Wissens, das obendrein schnell veraltet, müsste die Schule auf zwei wesentliche Punkte reduziert werden:

  • Die Vermittlung von Maßstäben und Grundlagen
  • Didaktik, Didaktik, Didaktik – wie erarbeitete ich einen Inhalt mit Hilfe aller mir zur Verfügung stehenden Mitteln.

4. Der “Lehrplan” für das Fach “darstellendes Spiel” im Land Berlin umfasst mehrere hundert Seiten. Das ist absurdes Theater. Nicht nur die Lehrpläne müssen abgeschafft werden sondern auch die Bürokratie, die sie produziert.

5. Statt komplizierter Vorschriften braucht das Bildungswesen einheitliche Standards bei den Prüfungen und das bestenfalls bundesweit. Abitur, Mittlerer Schulabschluß und Prüfungen am Ende der jeweiligen Schulhalbjahre werden standardisiert. Entscheidend ist, dass derjenige, der die jeweilige Prüfung korrigiert, den jeweiligen Prüfling nicht kennt. Im Internet-Zeitalter ist das kein Problem, dass das Kollegium einer Grundschule in Rheinland-Pfalz die Prüfungen eines Schülers aus  Schleswig-Holstein abnimmt. Das gilt im Skype-Zeitalter auch für mündliche Prüfungen. So wird der eigene Lehrer zum Coach.

6. Schulen werden von der Bürokratie befreit und verwalten ihre Mittel selbst. Pro Schüler, der sich für ihr Angebot entscheidet, erhalten sie einen Scheck, der nicht nur die Mittel für die Lehre abdeckt, sondern auch einen eigenen kaufmännischen Leiter einkalkuliert.

7. Eltern und Schüler bekommen “Schule freie Wahl”. Das fördert den Wettbewerb der Schulen um die Schüler und umgekehrt. Schlechtere Schulen erhalten weniger “Bildungsschecks” und müssen ihre Leistungen verbessern, um nicht unterzugehen. Schulen, die nachgefragt werden, können ihre Kapazitäten erweitern, bauliche Verbesserungen durchführen und zusätzliche Angebote einführen.

8. Die Ergebnisse der zentralen Prüfungen werden anonymisiert veröffentlicht. Damit lässt sich von außen feststellen, welche Schulen dabei besonders gut abschneiden.

9. In welcher Trägerschaft eine Schule geführt wird, entscheidet der Markt. Schulen, die im Wettbewerb stehen, können in staatlicher, konfessioneller oder privater Trägerschaft geführt werden. So ist auch denkbar, dass notleidende Kommunen Schulen verkaufen und die entsprechenden Kaufpreise zur Schuldentilgung nutzen. Oder aber das Kollegium entschließt sich zu einem Management Buy Out.

Wettbewerb in der Wissensindustrie ist dringend geboten. So könnte er eingeführt werden.