Die G8 sind eine anachronistische Veranstaltung. Was Helmut Schmidt einst erfand, um sich beim Kaminplausch gleich wichtig wie der amerikanische Präsident zu fühlen, ist seit Jahrzehnten zur belanglosen Propagandamaschine verkommen, die vor allen Dingen nur eines produziert: Schöne Bilder für die eigenen Medien zur Unterstreichung der eigenen Wichtig- und Wählbarkeit. Da eine hohe Anzahl von linken Idioten diese riesige Show ebenfalls als Bühne für ihr ebenso zweckfreies aber gelegentlich tödliches  – und Gendarm-Spiel mit der örtlichen Polizei nutzt, entsteht ein Wettbewerb, welcher Veranstalter die wenigsten Leichen produziert. . Dass der Gipfel in Sootschi nun der russischen Krim- Offensive zum Opfer fällt, nimmt uns die Chance, mitzubekommen, wie Putin mit den Militanten umgesprungen wäre. Die können jetzt schon bergsteigen trainieren. Denn im nächsten Jahr ist Deutschland dran und hat sich das “cultural hidaway” SchloßElmau als Treffpunkt ausgesucht. Das liegt auf 1000 Meter Höhe in einem Bergtal, deren wenige Zugänge wie etwa die Partnachklamm nicht nur besonders malerisch sind sondern auch gut zu kontrollieren: Durch diese hohle Gasse kann keiner kommen.

Das Faible des Schloßherren für indische Stoffe und Stile bringt den Verfasser zur Überlegung, ob man anlässlich der Sanktionen gegen Russland nicht einmal über eine grundlegende Reform der Veranstaltung nachdenkt. Dass Kanada, Frankreich und Italien zu den “großen acht” gehören oder dass ein “Weltwirtschaftsgipfel” wie das Meeting früher hieß, von Staaten organisiert wird, die nur 14% der Weltbevölkerung repräsentieren (allerdings immer noch 50% der Wirtschaftsleistung), ist absurd. Was der Rohstofflieferant Russland in diesem Club zu suchen hat, war ohnehin nie klar. während Wirtschaftsriesen wie China oder Indien nicht einmal am Katzentisch Platz nehmen.

Was die Frage nach Sinn und Zweck der Veranstaltung stellt. Sollen hier Wirtschaftskrisen vermieden oder Ungleichgewichte beseitigt werden? Wie sollen dann entsprechende Beschlüsse sanktioniert werden? Denn Wirtschaft wird noch immer in der Wirtschaft gemacht, wie Günther Rexrodt seligen Angedenkens einmal bemerkte. Und wie sollen die Weltenlenker die Konzernchefs bewegen, ihren weisen Ratschlägen zu folgen, wenn nicht durch Zwang und Intervention?

Die deutschen Gastgeber könnten also eine Reform des Gipfeltreffens gerade vor der prächtigen Bergkulisse der Wettersteinwand anstoßen. Zurück zu den Ursprüngen des Weltökonoms Schmidt, der einst 5% Inflation für besser hielt als 5% Arbeitslosigkeit und mit seiner keynesianistischen Wirtschaftspolitik beide “Ziele” weit verfehlte. Zurück zum Kaminabend, zum persönlichen Gespräch und zum wirklichen Gedankenaustausch. Und dann wären ein paar mehr Staatsmänner und -frauen auf den Lambert-Sofas gar nicht so schlecht, während man die gewichtige Ministerialbürokratie vielleicht mit einem Hüttenabend bei Laune hält und ohne abschließendes Großkommunique, dessen Inhalt bei der Abreise bereits verwurstet und vergessen ist, zum Gruppenbild vor dem einmaligen Alpenpanorama anzutreten. Wenn die Gespräche zu mehr Verflechtung in der Weltwirtschaft führen wie die indischen Elefanten-Stoffe auf Schloß Elmau, dann würde sich nicht nur einer über das Zustandekommen freuen: Der Hotelier nach Begleichen der Rechnung durch das Bundeskanzleramt