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Die amerikanische NGO “United against Nuclear Iran (UANI) möchte dem deutschen Kranbauer ATLAS  verbieten, ihre Kräne im Iran zu verkaufen, weil die dort für ziemlich unwürdige Hinrichtungen von den Schergen des Regimes benutzt werden. Die Opfer des iranischen Unrechtsstaates werden langsam wie mit der Seilwinde hochgezogen und ersticken so langsam und qualvoll. Auf dem Schafott bricht sonst das Genick, wenn das Gewicht des Delinquenten in den Strick fällt. Mittlerweile hat ein Mitglied des Bundestages von der Linkspartei auch herausgefunden, dass schon in den Achtziger Jahren  deutsche Firmen Schläuche und Material für syrische Giftgasanlagen geliefert haben. Grund genug zur Empörung,wenn man sich überlegt, wie mit diesem Gas Hunderte von Menschen qualvoll sterben und dass im Iran alleine seit Amtsantritt des ach so moderaten Präsidenten Hassan Ruhani 596 Menschen hingerichtet wurden. 

In Deutschen Unternehmen ist “Dual Use” eine Frage der Compliance. Unternehmen, die sich einen Compliance Officer leisten können, installieren Frühwarnsysteme, um zu verhindern, dass ihre Produkte in anderen Ländern nicht zweckdienlich eingesetzt werden. Das sieht man bei Kraus-Maffai natürlich anders als beim Armaturenhersteller Grohe. Der eine kann damit rechnen, dass die gelieferten Panzer nicht vor allen Dingen gegen die israelische oder iranische Bedrohung benutzt werden sondern in den Repressionsapparat gegen das eigene Volk integriert werden. Der andere kann kaum beeinflussen, wer sich mit dessen goldenen Wasserhähnen die Hände in Unschuld wäscht. Und der Atlas-Kran ist übrigens offensichtlich so verrostet, dass er genauso gut von einem Import-Export-Laden eingeschleppt worden ist.

Ándre Glucksmann hat schon in seiner Philosophie der Abschreckung 1983 das “Evangelium einer Rakete” geschrieben. Nicht die Rakete ist schlecht, sondern möglicherweise der Zweck, dem sie zugeführt wird. Des halb sollte man so zweckfreie Produkte eben nicht jedermann verkaufen. Man kann aber auch nicht jeden Produzenten dafür verantwortlich machen, dass mit seinen Produkten Unheil angerichtet wird. Sollte man die Hersteller von Teppichmessern zur Verantwortung ziehen, weil die Attentäter von 9/11 sich damit Zutritt in´s Cockpit verschafft haben sollen?

Dual Use ist eigentlich vielmehr ein Synonym für Doppelmoral. Während wir uns über die unglückliche Neigung eines Ex-MdB solange echauffieren, bis der sich hierzulande nicht mehr sicher fühlt und die aus der Spielsucht eines Fußballmanagers entstandene Steuerschuld wochenlang die Talk-shows beherrschen, sterben in Syrien Tag für Tag 100e von Menschen an  den fatalen Wirkungen so genannter Faßbomben, ohne dass das der ARD noch einen “Brennpunkt” – wie treffend – wert wäre. Und Schweizer Hoteliers profitieren nicht nur von den Zimmerrechnungen der entsprechenden Regierungsdelegationen sondern auch von der Vermietung von Konferenzsälen, in denen dann mit der “Iranischen Regierung” vielversprechende Gespräche in Sachen Atomrüstung geführt werden. Dass man solchen Schurken, die auf einen Importstop von Baukränen bestenfalls mit mehr Steinigungen reagieren, nicht über den Weg trauen darf, wird nirgendwo diskutiert. Stattdessen schwärmen die Edelfedern von der “Öffnung” durch den neuen moderaten Präsidenten. Geöffnet wird tatsächlich was im Iran nach seinem Amtsantritt: Die Zellentüren in den Gefängnissen, um die vom Unrechtstaat verurteilten schneller zur Hinrichtung zu führen. Die Abdorrahman-Boroumand Stiftung hat für 2013 allein 737 Hinrichtungen dokumentiert:

“Einer der Gründe für den starken Anstieg der Hinrichtungen, könnte sein, dass mit der Hinrichtung von Gefangenen auf die Überfüllung der Gefängnisse reagiert wird”, sagt Boroumand. Aber auch sie hält eine beabsichtigte politische Signalwirkung als Ursache für die vermehrten Hinrichtungen für denkbar.

Ausser der WELT hat sich des Themas niemand angenommen. Und auch der Völkermord in Syrien ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Stattdessen schafft es natürlich ein “Israelischer  Vergeltungsangriff” auf syrische Stellungen am Golan selbstverständlich auf die Eingangsseiten. Ich sag ja – Doppelmoral.