Jakob Augstein sind die Menschen im Baltikum. Polen, Rumäniens, Bulgariens und Tschechien scheißegal. Dass die sich demokratisch dafür entschieden haben, Teil der europäischen Union zu werden und der Nato beizutreten, ignoriert der Spiegel-Eigentümer, der sich beim Online-Ableger eine Kolumne leistet. Und während er hierzulande ständig einer Einkommensverteilung von oben nach unten das Wort redet, der er sich dadurch entzieht, dass die Allgemeinheit durch seine Einkommens- und Steuerverkürzung das “Projekt Freitag” subventioniert, verliert er kein Wort darüber, dass in Putins Russland tatsächlich eine Handvoll Oligarchen immer reichen und der Rest der Russen immer ärmer wird. 

Augstein ist ein Produkt des kalten Krieges. Für ihn ist die momentane Krim-Krise Machtpolitik nud die betroffenen Menschen sind bloße Spielbälle in den Händen von Putin und Obama, die um Einflußsphären und Machtinteressen kämpfen. Und wie einst zu Zeiten des Irakkriegs sind natürlich die Amis die Bösen, die die berechtigten Anliegen Wladimir Putins mit Füßen treten. Menschenrechte, Demokratie, individuelle Freiheit sind Werte, die Augstein am  Arsch vorbei gehen. In seiner Betrachtung finden sie keinen Niederschlag.

Augstein beleidigt die Lebensleistung all derjenigen, die wie Walesa und seine Solidarnosc gegen die sowjetische Besatzung und die Unfreiheit aufbegehrten und anders als die Ungarn 1953 oder der Prager Frühling trotz militärischem Ausnahmezustand der Generäle nicht mehr nieder geschlagen werden konnten. Auch die raffinierten Versuche der Ungarn werden durch seine betonmarxistischen Machtvisionen konterkariert. Sie erklären, warum die SPD und das linke Establishment mit den Verbrechern der SED ein gemeinsames Papier verfasste und so den Anschein erweckte, es handele sich bei den Stalinisten um eine politische Partei.

 

Würde Augstein in Russland leben und wäre so regimekritisch wie er sich heute geriert, Putin hätte ihm nicht nur den Spiegel längst weggenommen. Er befände sich vermutlich längst in einem sibirischen Straflager.

P.S.: Tatsächlich ist die Verteilung der russischen Bevölkerung auf die Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion ein schwieriges Problem, dass uns die zaristischen und stalinistischen Kolonialisten eingebrockt haben. Und es wird interessant werden, wenn die Russen des Baltikums, das ja zur NATO gehört, auf die Idee kämen, Putin zur Hilfe zu kommen. Täten sie wahrscheinlich nie, weil es ihnen in Lettland, Estland oder Litauen viel besser geht als in Russland, wo die Demokratie die Kapitalströme geschickt in die Hände von Putin und seinesgleichen lenkt.