Da marschiert Vladimir Putin in ein Nachbarland ein und was treibt den deutschen Außenminister um? Er macht sich Sorgen, dass ein Rauswurf aus der G 8 eine zu harte Strafe für den renitenten Russen sein könnte, denn „Provokationen“ von „beiden Seiten“ sollten doch tunlichst unterlassen werden. Man reibt sich angesichts dieses Sozpäd-Jargons, der bei Schulhofkloppereien angemessen sein mag, verwundert die Augen, bis man sich die russischen Gasexporte vor selbige führt:

Die fließen immer öfter nach Deutschland, wo ohne sie das planwirtschaftliche Experiment Energiewende früher oder später in sich zusammenkrachen würde. Und so kommt es, dass sich eine breite linke Front von Gazprom-Gerd über Steinmeier bis zu grünen Atomphobikern findet, die dem wilden Vladi in erster Linie mit entschiedenem Appeasement begegnen will. Von der Linkspartei, für die sämtliche Ukrainer die sich gegen das korrupte Janukowitsch-Regime aufgelehnt haben ohnehin Nazis sind einmal ganz zu schweigen.

Apropos Atom: Die Ukraine verfügte nach dem Zerfall der Sowjetunion über eine erkleckliches Arsenal an Kernwaffen. Dummerweise ließ man sich überzeugen die Sprengköpfe gegen Sicherheitsgarantien Russlands, der USA und Großbritanniens zu tauschen. Eine Milchmädchenrechnung, wie sich spätestens jetzt zeigt, denn Frieden schafft sich oft leichter mit ein paar Atomraketen in der Hinterhand. Schwerter zu Pflugscharen ist eben keine gute Idee, wenn man rauflustige Nachbarn hat.

Jeder deutsche Pazifistenmichel weiß, dass die Amerikaner „wegen dem Öl“ in Afghanistan und den Irak einmarschiert sind, doch dass Deutschland an der Gasnadel eines bellizistischen Halbautokraten hängt ist ihnen entgangen. Auch wenn man es bereits gewohnt ist, dass unsere oberlehrerhaften Ausdemkrieggelernthaber ihre Friedensliebe immer nur dann ausleben, wenn Israel oder die USA zu kritisieren sind, so tönt das Schweigen des linksökologischen Juste Milieu angesichts Putins Treiben auf der Krim diesmal doch besonders laut.