Wir sind natürlich am Anfang des Aufbaus der demokratischen Gesellschaft und der Marktwirtschaft. Aber abgesehen von den objektiven Problemen und manchmal (…) eigener Ungewandtheit schlägt unter dem allen das starke lebendige Herz Russlands, welches für vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist (…).

Das sagte Wladimir Putin, russischer Präsident und ehemaliger KGB-Resident in Dresden am 25.09.2001 vor dem deutschen Bundestag auf Deutsch.

Die Russen sind ein gedemütigtes Volk. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat sie ihr Imperium gekostet. Die Tatsache, dass sich Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien und das Baltikum, um nur einige zu nennen, lieber der EU zuwandten, war ebenfalls eine Kränkung. Putins Rede war eine Referenz an das Deutsche Volk und der Versuch, nach dem 11. September 2001 mit dem Westen auf Augenhöhe gemeinsame Sache zu machen.

Das Verhalten des Westens war au Putins Sicht eine einzige Enttäuschung. Und so gewannen statt der freiheitlichen Kräfte in Moskau die Apparatschiks ud die Oligarchen die Oberhand, die der gelenkten Demokratie den Vorzug gaben.

Im Deutschlandfunk beschrieb heute früh die Korrespondentin einer russischen Zeitung glaubhaft die Stimmungslage und die veröffentlichte Meinung in Russland, die man nicht zu leicht als Propaganda abtuen sollte.

Damit will ich nicht Partei ergreifen. Ich halte Putins Regime für gefährlich und der Westen tut gut daran, zur Doktrin der Abschreckung zurückzutreten und sich nicht länger der Ilusion hinzugeben, Kriege in Europa seien unvorstellbar.

Die Invasion der Krim ist eine militärisch unsinnige Veranstaltung. Die Ukraine ist bankrott. Sie hat gar nicht die Kraft, die russische Minderheit zu gängeln. Auf der Agenda in Kiew steht die Frage, wie man das Staatsschiff wieder flott kriegt.

Deshalb ist Putins von langer Hand geplante Aktion eben sinnlos. So schnell entfernt man nicht die militärischen Abzeichen von den Uniformen der Soldaten. Aber es handelt sich ebenoch um eine Kurzschlußhandlung.  Und um das Resultat einer vollständig falschen Einschätzung des Westens. Hier herrscht schließlich mehr als eine große Skepsis, Organisationen wie die NATO oder die EU vollständig dadurch zu überdehnen, dass man jetzt auch noch die Ukraine aufnimmt. Dass hinter dem Sturz des alten Despoten in Kiew der Westen steckt, ist deshalb eine Legende. Das sollten Obama und Merkel Putin mal klar machen. Er glaubt es wahrscheinlich nicht.