Daniel Eckert wundert sich in der Welt, warum der Euro im Vergleich mehr wert ist als Ökonomen errechnen und beschreibt den Absturz des Bitcoin, während der Goldpreis eine bemerkenswerte Wiederauferstehung feiert. Derweil notieren Aktien auf einem Niveau, das auf den zweiten Blick kaum zu rechtfertigen ist. Dass das alles direkt miteinander zusammenhängt, ist offensichtllich. Schuld ist die fatale Politik der Notenbanken. 

Wächst die Geldmenge schneller als die reale Wirtschaft, wird jede Geldeinheit automatisch weniger wert. Ganz einfach. Dann gibt es Inflation. Doch anders als in den ökonomischen Modellen vermutet, steigen die Preise nicht gleichmässig sondern asynchron. Das hat folgende Gründe:

Auf wettbewerbsintensiven Märkten fällt es den Anbietern schwer, höhere Preise durchzusetzen, weshalb dort die Preissteigerung geringer ausfällt. Auf dem Automobilmarkt wird aufgrund von Überkapazitäten mit Rabatten und Vergünstigungen gearbeitet. Der Lebensmittelmarkt ist ebenfalls ausgesprochen preisintensiv und der Markt z.B. für Textilien wird auch erheblich von der Witterung geprägt. Die Liberalisierung der Märkte für Fernbusse haben in jüngster Zeit bewiesen, dass es zwischen Preisniveau und Wettbewerbsintensität einen unmittelbaren Zusammenhang gibt.

Auf technologiebetriebenen Märkten wird die Preisentwicklung vom Innovationsgrad der gehandelten Produkte beeinflußt. Der Preis eines neuen Smartphones sinkt nach seiner Markteinführung kontinuierlich. Am deutlichsten fällt die Reduktion an, wenn das Nachfolgemodell eingeführt wird. Der Vorgänger wird ja inst der Regel noch jahrelang gehandelt – aber eben zu einem deutlich niedrigeren Preis. Vergleichbares gilt für Tablets, PCs, Computer, Notebooks etc.

Hinzu kommt die wachsende Produktivität: Anders gesagt, wo die Produktivität steigt, ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, intensiver Wettbewerb besteht und Innovationen entstehen, sinken die Preise oder heben inflationäre Entwicklungen auf.

Deshalb führt die zusätzliche Geldmenge eben nicht zu zusätzlicher Nachfrage. Sie senkt nur die Zinsen und damit die Refinanzierungskosten der Staatsschulden. Gleichzeitig vernichtet sie Sichteinlagen und Sparvermögen, weil der Zins noch niedriger liegt als die reale Geldentwertung.

Die zusätzliche Geldmenge wandert auch nicht in die Gütermärkte, die vom Konsumenten getrieben sind. Sie reduziert die Gewinnschwelle auf den Finanzmärkten. Weil es billiger ist, ein Investment mit zusätzlichen Krediten zu hebeln, werden immer mehr Finanzgeschäfte immer schneller getätigt. Und weil es sich nicht lohnt, Festgeld zu halten, werden stattdessen Investments in Sachwerte getätigt oder in solche, die dafür gehalten werden.

Wenn diese Werte langsamer wachsen als die Geldmenge, steigt ihr Kurs. Leider auch hier nicht gleichmässig. Deshalb werden Investoren von besonders schnell wachsenden Werten angezogen. Immobilien, Gold, Aktien, Bitcoin.  Die Wertsteigerung bekommt irgendwann einen Schneeballeffekt: Immer mehr Marktteilnehmer werden von steigenden Kursen und hohen Renditen angezogen. Dadurch steigen die Preise exorbitant und erreichen immer höhere Rekorde.  Das nennt man üblicherweise eine Blasenökonomie.

Ein externes Ereignis führt dann zu einem Schock und dazu, dass viele Marktteilnehmer panikartig den entsprechenden Wert verkaufen. Die Lehman-Pleite war so ein externes Ereignis. Und die Pleite der Tokioter Bitcoin-Börse ist es auch.

Der Effekt ist derselbe: Die Blase platzt und ein Gutteil der überschüssigen Geldmenge, die von den Zentralbanken geschaffen wurde, wird vernichtet. Das könnte man auch eine Marktbereinigung nennen, wenn die Zentralbanken nicht immer wieder noch mehr Geld schaffen würden und so nichts anderes tun als Öl in´s Feuer zu gießen.

Noch eine Randbemerkung zu den Wechselkursen, die auch einen Einfluß auf das Geschehen haben, solange wir eine offene Weltwirtschaft haben. Die Wechselkurse sind abhängig von der Geschwindigkeit und Menge, mit der die Zentralbanken künstliches Geld schaffen. Je schneller und je mehr, desto geringer der relative Wert.

Das erklärt auch die Bodenbildung des Bitcoins bei round about 400 Euro und auch warum nach einem Börsencrash ebenfalls irgendwann eine Bodenbildung eintritt. Niemand soll mich drauf festnageln, dass er nicht auch noch weiter sinkt. Aber beim Bitcoin ist die Chance, das durch die Börsenpleite vernichtete Volumen per Knopfdruck nachzudrucken, verwehrt. Deshalb bildet der derzeitige Bitcoin-Wert wohl das Äquivalent zum Scheingeld und wird tendenziell nicht weiter sinken.