Spassbadbauer Schulz kennt sich mit Wasser aus. Deshalb mutet es wie politische Brunnenvergiftung an, wenn er in einer vor der Knesset gehaltenen Rede eine “Frage” formuliert, die ein arabischer Jugendlicher in Ramallah an ihn richtete: Ob es gerecht sei, dass die Israelis viermal so viel Wasser pro Kopf verbrauchen würden, wie die Palästinenser. Hängen blieb: Die Israelis lassen die Bewohner der “Besetzten Gebiete” vertrocknen, während sie selbst sich im kühlen Whirlpool suhlen. Schulz, der als Präsident des Europäischen Parlaments nicht nur 14 Vizepräsidenten hat, die ihn bei der Vorbereitung der Nahost-Reise entlasten, und auch noch über einen Kammerdiener verfügen soll, hätte seinem hauseigenem Kabinett und nicht der Knesset diese Frage stellen müssen. Und das Hätte geantwortet: Israel liefert der palästinensischen Autonomie-Behörde mehr als 53 Millionen Kubikmeter Wasser (mehr als 20 Millionen mehr als im Oslo-Vertrag vereinbart) und subventioniert diese Lieferung mit rund 19 Mio $. Der Wasserverbrauch zwischen Palästinensern und Israelis gleicht sich seit 1967 kontinuierlich an, wobei der israelische sinkt und der arabische steigt. Und rund 20 Millionen Kubikmeter versickern in der maroden palästinensischen Infrastruktur. Die Araber haben auf der Westbank nicht mal eine Kläranlage. 

Die unterschiedlichen Interpretationen erklären sich recht einfach: Israel investiert in Entsalzungsanlagen, hat in den letzten 60 Jahren das Leitungsnetz modernisiert und sorgt für Kläranlagen. Die israelische Landwirtschaft bedient sich modernster Bewässerungstechnologien, die darauf setzt, dass jeder Tropfen effizent genutzt und kein Wasser verschwendet werden.

Da es sich um ein gemeinsames Grundwasserreservoir handelt, haben die Israelis und die PLO Vereinbarungen über die Wasserversorgung getroffen, die von Israel übererfüllt werden. Den Palästinensern ist im Gegenzug nur erlaubt, in einem bestimmten Umfang, der vereinbart wurde, Brunnen zu bauen und zu unterhalten. Derzeit entstehen derer rund 60, von denen die palästinensische Wasserbehörde sage und schreibe 17 mit Wasseruhren ausgestattet hat.

Die Israelis teilen ihr Know-how und ihre Technologien darüber hinaus mit den Arabern. Gemeinsam mit Jordanien und der Autonomiebehörde baut man eine Wasser-Pipeline vom roten zum toten Meer mit einer gemeinsamen Entsalzungs- und Aufbereitungsanlage, die allen drei Partnern zu Gute kommt.

Ich gebe zu, die israelische Botschaft hat es mir leicht gemacht, diese Argumente zu sammen zu tragen, weil sie die entsprechenden Dokumente und Studien, die ich etwas vereinfacht zusammen gefasst habe, in einem Blogbeitrag aufgelistet hat.

Aber wenn der Redenschreiber von Herrn Schulz bei der Israelischen Vertretung angerufen hätte, wäre im sicher ein Dossier mit entsprechenden Unterlagen zur Verfügung gestellt worden. Dann hätte sich der Präsident nicht vor der Knesset noch dümmer stellen können als er ist. Dass niemand seinen sofortigen Rücktritt fordert, ist der eigentliche Skandal.